Kreis Düren: Experte für Rechtsextremismus- und Rassismus-Prävention im Interview

Kreis Düren : Experte für Rechtsextremismus- und Rassismus-Prävention im Interview

Es gibt Jobs, die sind spannend, aber lassen sich schwer vermitteln, weil sie sehr abstrakt sind und es viel mehr um Theorie als um Praxis geht. Peter Kirschbaum hat so einen Job.

Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir den 31-jährigen Politikwissenschaftler und seine Aufgabe vorgestellt: Er hatte insgesamt zwei Jahre Zeit, um rechtsextreme Tendenzen und Rassismus im Kreis Düren festzustellen und präventive Maßnahmen zu entwickeln — sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene, die mit Heranwachsenden zusammenarbeiten. Im Gespräch mit Carsten Rose erklärt Peter Kirschbaum, wie das Projekt läuft und warum er am 25. Juni die Kulturfabrik reserviert hat.

Herr Kirschbaum, Sie wollten bereits bis Dezember 2017 ein „Handlungskonzept gegen Rechts“ erstellen. Was ist daraus geworden?

Peter Kirschbaum: Es war ein sehr ambitioniertes Ziel, das Konzept binnen eines Jahres für den gesamten Kreis Düren zu erarbeiten. Eine 35-seitige Ausarbeitung habe ich den verschiedenen Ausschüssen vorgestellt. Aber der Aufwand für alle Kommunen ist sehr groß gewesen, daher wurde der Prozess verlängert. Deswegen soll das Beteiligungsforum am 25. Juni helfen, dass das Konzept dann bis Ende dieses Jahres steht.

Was kann man sich unter dem Beteiligungsforum vorstellen?

Kirschbaum: Wir wollen zusammentragen, welche Probleme es vor Ort gibt, welche präventive Maßnahmen bereits bestehen und welche eventuell noch gebraucht werden. Im letzten Schritt wollen wir festlegen, wie ein Konzept dann umgesetzt werden soll und wer es letztendlich trägt. Das ist noch nicht festgelegt, weil nicht sicher ist, ob das Projekt vom Land verlängert und weiter finanziert wird.

Wie viele Personen werden daran teilnehmen?

Kirschbaum: Bis jetzt haben sich 42 Personen von verschiedenen Vereinen, Einrichtungen und Institutionen angemeldet. Die Zahl überrascht mich positiv. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus den Bereichen Jugend-, Schulsozial-, Integrations- und Migrationsarbeit und Flüchtlingshilfe.

Kurse und Referate gegen Rechtsextremismus und Rassismus werden vereinzelt immer mal wieder angeboten. Warum ist Ihre Position so wichtig?

Kirschbaum: Ja, das stimmt, es passiert etwas im Kreis, keine Frage. Einige Angebote habe ich auch unterstützt. Aber es geht mir darum, die Angebote zu bündeln und diese Bündelung sichtbar zu machen. Beispiel Schule: Jede Schule macht für sich einzelne Angebote. Mein Wunsch ist es, dass sich die Schulen vernetzen und mehr gemeinsame Aktionen starten.

Was müsste sich denn noch ändern beziehungsweise verbessern?

Kirschbaum: Oft werden für Kurse externe Referenten eingeladen, deren Programme quasi immer gleich sind. Es fehlt an innovativen Konzepten. Und es muss ein breiteres Angebot an Fortbildungen und Qualifizierungen geben, um eine ständige Auseinandersetzung und Sensibilisierung mit den Themen Rechtsextremismus und Rassismus zu gewährleisten. Leute zu qualifizieren, die intern Kurse geben, ist auch eines meiner Ziele.

Sie schauen vermutlich mehr auf Jugendliche, um sie vor der rechten Szene zu bewahren, oder?

Kirschbaum: Hauptsächlich ja, aber nicht nur. Ich arbeite aktuell mit der Bezirksschülervertretung zusammen, damit die Schüler sich selbst qualifizieren. Sie sich auch sehr engagiert, das muss ich an der Stelle loben. Das macht Spaß. Auf der anderen Seite will ich demnächst auch Lehrerfortbildungen anbieten. Seminare mit Kita-Mitarbeitern wird es im Juli geben. Dabei soll es unter anderem darum gehen, für Rassismus in Kinderbüchern zu sensibilisieren. Workshops mit Mitarbeitern aus Jugendeinrichtungen im Kreis haben schon stattgefunden, wobei es primär darum ging, Handlungsbedarfe herauszufinden.

Gibt es eindeutige rechtsextreme Tendenzen im Kreis Düren?

Kirschbaum: Es gibt keine offensichtlichen Gruppierungen, aber es bestehen Verbindungen nach Aachen, Heinsberg oder andere Nachbarkreise. Aber kein Rechtsextremismus bedeutet nicht automatisch kein Rassismus. Es ist aber schwer, Einstellungen zu messen. Man kann sich quasi nur auf bundesweite Studien berufen, die Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft abfragen.

Spielt die AfD eine Rolle bei Ihrer Arbeit?

Kirschbaum: Nein, die AfD kann als demokratisch legitimierte Partei keine Rolle spielen, da es im Projekt ja um extremistische Bestrebungen geht — also das Gegenteil von demokratischer Legitimation. Rechtspopulismus spielt aber sehr eine Rolle, und zwar da, wo er extremistische oder rassistische Inhalte vertritt.

Inwiefern?

Kirschbaum: Argumentations- und Handlungstrainings wurden bei allen Abfragungen als wichtiger Bedarf eingestuft. Diese anzubieten und zu etablieren wäre auch ein Ziel von mir, sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene. Niemand ist davor gefeit, populistischer Sprache auf den Leim zu gehen. Wie man darauf reagiert und populistischen Argumenten gegenübertritt, Haltung zeigt, kann man trainieren.