Evangelische Gemeinde zu Düren feiert Bildungsfest zum Hundertsten

Drei Jubiläen : Evangelische Gemeinde zu Düren feiert Bildungsfest zum Hundertsten

Die Evangelische Gemeinde feiert 40 Jahre Familienbildung, 30 Jahre Erwachsenenbildung und 30 Jahre Seniorenarbeit mit einem großen Bildungsfest.

Bildung geht auch durch den Magen. Mit nur geringem Reiseaufwand lassen sich rund um die Kochinsel andere Menschen, Länder und Kulturen kennenlernen. Seit zehn Jahren bietet Urkiye Uygun Kochkurse im Haus der Evangelischen Gemeinde an. „Zum Start jedes Kurses machen wir einen Kennenlernabend“, berichtete sie. Ein kulinarischer Startpunkt, dem viele Begegnungen folgen. Am Ende sind die Teilnehmer nicht nur um viele Rezepte, sondern auch Erfahrungen, Eindrücke und Gespräche reicher.

Gleich mehrere Anlässe

„Wenn Sie wüssten, was Sie alles können!“ hat die Gemeinde ihre Bildungsarbeit überschrieben. Eine eindrucksvolle Präsentation dessen, was die Gemeinde alles ermöglicht, gab es am Sonntag im großen Dürener Gemeindezentrum. Gleich drei Geburtstage gab es zu feiern: 40 Jahre Familienbildung, 30 Jahre Erwachsenenbildung und 30 Jahre Seniorenarbeit. Zusammen also ein stolzer „100.“, der mit Gottesdienst, gemeinsamem Mittagessen und einem bunten Bildungsfest begangen wurde.

Vom Basteln mit Materialien aus dem Wald über iranische Lyrik, Malkurse, Integrations- und Sprachkurse: Es gab im und rund um das Haus der Evangelischen Gemeinde viel kennenzulernen. Und dennoch waren die Workshops nur ein Bruchteil des Angebotes, das jedes Jahr von zehn festangestellten Mitarbeitern und rund 50 Dozenten auf die Beine gestellt wird.

Zu den vielen Workshops, die am Sonntag angeboten wurden, zählte auch ein Bastelangebot der Waldpädagogik speziell für die jüngsten Gäste. Foto: Stephan Johnen

Angefangen hat vor vier Jahrzehnten alles mit einer Debatte, ob die Familienbildung nicht vielmehr Aufgabe der Volkshochschule denn der Gemeinde ist. „Die Anfänge waren schwierig“, erinnert sich Dieter Schmitten, Pfarrer im Ruhestand und Mitbegründer des gemeindlichen Bildungsangebotes: „Für die Kirchengemeinde war es fast eine Zumutung, sich mit Institutionen zu befassen, die man nicht als kircheneigen empfunden hat.“

Zudem gab es keine Vorbilder in Nachbargemeinden. Die Dürener Familienbildung war zunächst eine Art Filiale der Düsseldorfer Gemeinde – wurde ab schnell immer größer und selbstständiger. „Wir haben Bildung von Anfang an nicht nur als Mehrung des Wissensbestandes und Emanzipation der Individualität verstanden. Für uns war Bildung auch ein Befreiungsvorgang, der gemeinschaftlich erarbeitet werden muss“, blickte Dieter Schmitten zurück. Wissen sollte zur „Befreiung von Zwängen und Diktaten von oben“ genutzt werden.

An diesen Hintergrund knüpfte in seinem Grußwort auch Dürens stellvertretender Bürgermeister Thomas Floßdorf (CDU) an: „Bleiben Sie weiter innovativ und kritisch, regen Sie Debatten an, die die Gesellschaft gemeinschaftlich voranbringen.“ Beim Geburtstagskind ist dieser Wunsch Programm. „Ökologie, Integration und Rassismus: Die gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen nehmen immer weiter zu“, bilanzierte Pfarrer Dr. Dirk Christian Siedler. „Ich glaube nicht, dass die Bedeutung von Kirche abnimmt“, blickte er am Geburtstag in die Zukunft. Kirche habe mehr denn je eine gesellschaftliche Aufgabe und Funktion, auch in der Bildungsarbeit. Siedler: „Welche Partner gibt es denn sonst für die Kommunen? Wir haben soziale Kontakte, Räume, sind offen für Ideen.“