Evangelische Gemeinde bildet seit vier Jahren Gartenpädagogen aus

Ausbildung zum Gartenpädagogen : Wenn Kindern die Bohnensuppe plötzlich schmeckt

Seit vier Jahren werden bei der Evangelischen Gemeinde Gartenpädagogen ausgebildet. „Es ist wichtig“, sagt Doris Breuer, „dass Kinder Naturphänomene im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, das heißt riechen, schmecken und fühlen. Und genau da setzt die Ausbildung zur Gartenpädagogin an.“

Kennen Sie pinkfarbene Bohnensuppe? Die Jungen und Mächen, die regelmäßig mit Doris Breuer von der Evangelischen Gemeinde arbeiten, wissen ganz genau, was das ist, nämlich Bohneneintopf mit Rote Bete. „Die koche ich mit den Jungen und Mädchen auf offenem Feuer. Und am Schluss schmecken allen sogar die Bohnen.“ Doris Breuer ist 65 Jahre alt, Obstbaumwartin, ausgebildete Waldpädagogin – und Gartenpädagogin.

Die Evangelische Gemeinde zu Düren hat sich das Credo „In der Schöpfung zu Hause sein“ auf die Fahnen geschrieben. Seit 2014 bildet sie Gartenpädagogen aus. Dabei ist eine umfassende Fortbildung mit 36 Unterrichtsstunden und einem großen Projektteil etwas Besonderes. Doris Breuer: „Wir kennen sonst nur Einzelfortbildung zu bestimmten Themen, aber nie eine so lange Ausbildung. Zu uns kommen Teilnehmer aus Viersen, Neuss, Aachen, Köln und Bad Neuenahr. Und wir hatten schon Anfragen aus Berlin, ob wir nicht dort unser Konzept vorstellen und einführen können.“

Zwei, die sich jetzt zu Gartenpädagoginnen haben ausbilden lassen, sind Iris Ullrich (45) und Martina Rütten (33). Ullrich leitet die Offene Ganztagsgrundschule (OGS) in Arnoldsweiler, Rütten arbeitet dort als Ergänzungskraft. „Ich habe in meiner Arbeit die Erfahrung gemacht, dass Kinder sehr gerne draußen spielen, in der Erde buddeln und Gemüse oder Kräuter anbauen. Wir möchten an unserer OGS gerne einen Schulgarten anlegen und hoffen, dafür mit der Ausbildung zur Gartenpädagogin das nötige Rüstzeug bekommen zu haben.“

Die Ausbildungsinhalte der Fortbildung Gartenpädagogik sind sehr vielfältig. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem die Themen Bodenaufbau und -verbesserung, einen Garten planen und anlegen, Gemüse, Obst und Blumen kennen, anbauen und verarbeiten, Bauen von einer Feuerstelle und einem Tippi, Nützliches rund um Gartenfeste, alte Geschichten und Spiele sowie Nützlinge und Schädlinge. 

Martina Rütten,Doris Breuer und Iris Ullrich (von links) sind vom Konzept der Gartenpädagogik überzeugt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Insektensterben 

Iris Ullrich: „Wir haben uns auch mit dem Thema Insektensterben auseinandergesetzt und gelernt, wie ein schmetterlingfreundlicher Garten aussehen muss. Die Ausbildung hat wirklich viel Freude gemacht. Vor allem hat sie mir aber die Lust vermittelt, wieder selbst mehr im Garten zu arbeiten und mein Wissen an die Kinder weiterzugeben.“

Wichtig ist der OGS-Leiterin, dass das Gärtnern den Jungen und Mädchen auch viel Respekt vor Lebensmitteln vermittelt. „Die Kinder bekommen einen ganz anderen Bezug, wenn sie Dinge selbst angebaut haben und sehen, wie viel Arbeit dahinter steckt.“ Genauso entscheidend ist für Iris Ullrich, dass bei der Gartenarbeit jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten aktiv sein kann. „Zwar sind Kopf und Hände gleichermaßen gefordert“, sagt die gelernte Erzieherin. „Aber es gibt keinen Druck. Alle haben Spaß.“

Bei der Gartenarbeit, ergänzt Doris Breuer, könnten die Kinder zudem ganz elementare Erfahrungen machen, zu denen sie sonst kaum noch Gelegenheit hätten. „Zum Beispiel Stockbrot und Kartoffeln im offenen Feuer rösten. Das haben wir früher auf dem Feld gemacht, aber das erleben Kinder heutzutage kaum noch. Mit der Gartenpädagogik geht das.“ Die ersten der mittlerweile rund 60 bei der Evangelischen Gemeinde ausgebildeten Gartenpädagogen waren Erzieherinnen.

Doris Breuer: „Der Kreis ist aber längst viel größer geworden. Es machen zwar immer noch viele Erzieherinnen mit, mittlerweile gehören aber zu unseren Teilnehmern auch Lehrer, Leute, die mit Senioren arbeiten, und Mitarbeiter von Einrichtungen für psychisch kranke Menschen.“ Doris Breuer: „Es ist mir wichtig, dass wir bei den Fortbildungen zum Gartenpädagogen wirklich absolut bei null anfangen. Was das Gärtnern angeht, braucht man wirklich keine Vorkenntnisse. Pädagogisch geschult sind die meisten unserer Teilnehmer sowieso.“

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