Europawahl 2019: Große Verlierer und grüne Gewinner im Kreis Düren

Hohe Wahlbeteiligung : Große Verlierer und grüne Gewinner im Kreis Düren

Der bundesweite Trend lässt sich auch im Kreis Düren bei den Wahlen zum Europäischen Parlament feststellen, wenn auch auf anderem Niveau. CDU und SPD verlieren gegenüber dem Wahlgang 2014 erheblich, die Grünen sind der große Gewinner, und die AfD ist die vierstärkste Kraft, deutlich vor der FDP.

Christ- und Sozialdemokraten erhielten in der Region Düren-Jülich rund 32 beziehungsweise knapp über 20 Prozentpunkte, die Grünen über 17. Die Alternative für Deutschland liegt nah an der 10-Prozent-Marke.

Die unzweifelhaft positivste Entwicklung gibt es bei der Wahlbeteiligung, die – ebenfalls wie auf Bundesebene – sprunghaft gestiegen ist. 2014 war das EU-Wahlergebnis durch die parallel stattfindende Kommunalwahl begünstigt und höher als 2009.

Thomas Rachel, Kreisvorsitzender der CDU und als Parlamentarischer Staatssekretär Mitglied des Bundeskabinetts, hält das Abschneiden der Union für „nicht befriedigend“. „Wir sind zwar stärkste Kraft, aber als Volkspartei ist unser Anspruch ein anderer“, sagte Rachel mit Blick auf knapp unter 30 Prozent im Bund und etwas darüber im Kreis. „Mit dem Klimawandel gab es ein Thema, das massiv wahldominierend war und den Grünen natürlich erheblich genutzt hat.“ Dabei seien diese Werte auch „längst in anderen Parteien angekommen“. „Wir als Christdemokraten müssen nun eine Versöhnung der Themen Arbeit, Wirtschaft, Soziales und Umweltschutz stärker herausarbeiten“, zieht der Kreisvorsitzende eine Lehre. Die hohe Wahlbeteiligung wertete er „als breites Bündnis für eine Stärkung Europas“. Für ihn persönlich sei das erfreulichste Ergebnis, dass „uns mit Sabine Verheyen eine Abgeordnete aus der Region weiter gut vertreten wird“.

Die Frage, ob vor allem das Abschneiden der SPD den Weiterbestand der schwarz-roten Koalition in Berlin gefährde, beantwortete Rachel so: „Beide Partner haben einen Gestaltungsauftrag zu erfüllen. Ich denke, dass das von beiden Partnern auch so wahrgenommen wird.“

„Die Enttäuschung ist immens“, stellte der neue SPD-Kreisvorsitzende Max Dichant fest. „Das Ergebnis ist desaströs, da gibt es nichts schönzureden.“ Im Vergleich zu 2014 haben die Genossen an der Rur mehr als 16 Prozentpunkte verloren. Dichant führt das auf den negativen Bundestrend zurück, aber auch auf den fehlenden Martin-Schulz-Effekt, der die SPD vor fünf Jahren auch im Kreis Düren beflügelte. Mit Blick auf die Kommunalwahl im Herbst 2020, „müssen wir aus diesem Ergebnis unsere Schlüsse ziehen“, kündigte der Dürener an und ging hart mit so manchem Genossen ins Gericht: Wer nicht gewillt sei, bei einer Europawahl für andere zu kämpfen, müsse sich fragen lassen, ob er auf kommunaler Ebene noch der Richtige sei.

Die Grünen hatten in ihrer Kreisgeschäftsstelle in Düren Grund zum Feiern. „Wir freuen uns sehr. Wir haben mit Daniel Freund einen Kandidaten aus der Region, der wahrscheinlich ins Parlament einziehen wird. Damit können wir auch in Europa Einfluss nehmen“, erklärte Sebastian Steininger, einer der zweiköpfigen Führungsriege des Kreisverbands. Auch in einer Region, die stark von der Braunkohle dominiert sei, „findet ein Wandel statt“. Steininger: „Die Leute kamen im Wahlkampf zu uns und sagten: Bitte macht da was. Wir sehen das als Auftrag an uns, den Klimaschutzgedanken weiterzutragen.“ Gleichzeitig sei es wichtig, den Menschen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, diese Angst zu nehmen und klarzumachen, dass ihnen am rechten Rand nicht geholfen werde.

Zufrieden war der FDP-Kandidat im Großraum Düren/Aachen, der Linnicher Patrick L. Schunn. „Für eine Region, die eigentlich immer unter dem Bundesdurchschnitt liegt, haben wir ein gutes Ergebnis erzielt.“ Im Vergleich zu 2014 konnte die FDP im Kreis ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln.

In der Stadt Düren wollte der CDU-Vorsitzende Thomas Floßdorf angesichts des historisch schlechtesten Ergebnisses seiner Partei keine Rückschlüsse auf die Kommunalwahl ziehen. „Ein Ergebnis von 30 Prozent in der Stadt kann nicht unser Anspruch sein“, betonte Floßdorf, der das alles beherrschende Klimaschutzthema und ein schlechtes Krisenmanagement des CDU-Generalsekretärs Paul Ziemiak nach der millionenfach geklickten Kritik eines YouTubers für die Stimmenverluste verantwortlich macht.

Ernüchtert war auch die Stadt-Dürener SPD, die im Vergleich zu 2014 mehr als 16 Prozentpunkte einbüßte. „Damit können wir nicht zufrieden sein, da gilt es offen mit umzugehen“, stellte der Vorsitzende Frank-Peter Ullrich fest. Rückschlüsse auf die Kommunalwahl aber wollte auch er nicht ziehen. „Die Themen einer EU-Wahl sind sicherlich andere. Klar ist aber, dass es auch in Düren keine sicheren Wahlbezirke mehr gibt“, stellte Ullrich fest. „Wir müssen auf allen Ebenen um Glaubwürdigkeit kämpfen.“

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