Nicht weniger, sondern mehr Europa: Europa-Kabarett mit Sebastian Schnoy im „Komm“-Zentrum

Nicht weniger, sondern mehr Europa : Europa-Kabarett mit Sebastian Schnoy im „Komm“-Zentrum

Wissen Sie, warum es ein Deutscher schaffen konnte, Papst zu werden? Na, weil er rechtzeitig sein Handtuch auf den passenden Stuhl gelegt hat. Und welcher französische Herrscher wollte keine Leibwächter, die größer Sind als 1,65 Meter? Falsch, das war nicht Nepoléon, sondern Nicolas Sarkozy.

Dass Geschichte durchaus lustig sein kann, will der Kabarettist und Historiker Sebastian Schnoy (49) in seinen Programmen beweisen. Am 23. Mai, also genau drei Tage vor der Europawahl, präsentiert er unter dem Motto „Hauptsache Europa! Jetzt erst recht!“ im Dürener „Komm“-Zentrum eine wahre Liebeserklärung an das vereinte Europa. „Wir brauchen nicht weniger Europa“, sagt Schnoy. „Wir brauchen viel mehr davon.“

Europa, ist der Autor dreier Sachbücher über die Europäische Union (EU) überzeugt, sei nie das Problem, sondern immer die Lösung. „Europa ist ein grandioses Friedensprojekt. Dieser Kontinent ist friedlich zusammengewachsen, was man von den einzelnen Nationalstaaten nicht immer behaupten kann.“

Schnoy nennt Beispiele solcher „Zwangs-Vereinigungen“: „Bei Schottland, Korsika und Katalanien beispielsweise gibt es immer wieder Abspaltungstendenzen.“ Schnoy hat für dieses Problem eine Lösung parat: „Wir brauchen kein Europa der Nationen, sondern ein Europa der Regionen. Dann könnten sich Bayern, Schwäbinnen und Frisen zusammen mit Katalonen, Schottinen und Korsen endlich um ein Europa kümmern, in dem das Wichtigste zuerst kommt: Kultur und gutes Essen.“

Schnoy ist davon überzeugt, dass ein Europa der Regionen nicht für mehr Kleinteiligkeit sorgen wird. Im Gegenteil: „Ich bin viel unterwegs und stelle immer wieder fest, dass es die Regionen sind, mit denen die Menschen sich identifizieren. Das müssen wir stärken.“

Natürlich wird Schnoy sich in seinem Programm auch mit den Problemen Europas auseinandersetzen: Was passiert mit Nordirland nach dem Brexit? Wird der Eurotunnel wieder zugeschüttet? Wer kommt, wenn Emmanuel Macron scheitert? Wieso kann Polen den Rechtsstaat abschaffen und nichts passiert?

Klar, dass auch der Brexit in Schnoys Programm eine große Rolle spielen wird. „Am Brexit kommt man in diesen Zeiten nicht vorbei“, sagt Schnoy. „Ich werde die Menschen auf jeden Fall darauf hinweisen, dass Boris Johnson, britischer Anführer der Brexit-Befürworter, die gleiche Frisur wie US-Präsident Donald Trump hat. Damit ist schon sehr viel gesagt.“ Darüber hinaus ist Schnoy für einen EU-Beitritt der Türkei („Das Land hat mehr Sonnentage im Jahr als Großbritannien, seit es 1972 in die Europäische Gemeinschaft eingetreten ist) und einen Beitritt Russlands in die Nato („Dann haben die Deutschen einen Bündnispartner, der etwas hat, was wir gar nicht kennen: Hubschrauber, die auch fliegen.“) Vor allem aber hält Sebastian Schnoy aber ein Plädoyer für ein Europa im Kleinen. „Wir müssen endlich Europa, den Stellenwert geben, den es verdient. Wir müssen uns unser eigenes Europa des Miteinanders basteln.“

Was Schnoy meint: Die Menschen sollen viel reisen, andere Länder und Kulturen kennenlernen, sich in anderen Regionen verlieben. „Wir können den Populismus nur dann neutralisieren, wenn wir nicht mehr länger von ‚Wir’ und ‚die’ sprechen. Und das geht vor allem mit europäischen Familienstrukturen und europäischen Freundschaften.“

Mehr von Aachener Zeitung