Düren/Hacksvik: Etagenbetten, Mutproben und eine Draisine-Fahrt

Düren/Hacksvik: Etagenbetten, Mutproben und eine Draisine-Fahrt

Für mich war es das erste Mal, dass ich die Wälder und Seen in Schweden hautnah erleben durfte. Im Rahmen der Ferienfreizeit für zwölf bis 16-Jährige bot das Thomas-Morus-Haus (TMH) in Düren eine Fahrt in den Süden dieses Landes an.

In der Einrichtung bin ich seit acht Jahren ehrenamtlich tätig. Neben der Kinder- und Jugendarbeit gibt es auch in den Ferien ein abwechslungsreiches Programm. Wolfgang Bauer, Leiter des Thomas-Morus-Hauses, fährt schon seit mehr als 30 Jahren nach Schweden.

Ein herrlicher Sonnenuntergang am Meer. Foto: Miebach

So eine Fahrt bedarf einer Menge Vorbereitung. „Ferienfahrt heißt nicht nur Koffer packen und los. Mit der Suche nach einer geeigneten Unterkunft fängt es an“, sagt Bauer, und er hat recht. Für unsere Fahrt haben wir uns einen Anhänger besorgt, der die Koffer der Kinder und das Küchen- sowie Spiel- und Beschäftigungsmaterial transportiert hat. Die Eltern wurden vorab von unseren erfahrenen Schwedenfahrern mit allen nötigen Informationen versorgt. Mir war gar nicht klar, welcher Aufwand hinter einer solchen Fahrt steckt. Mit unserem Bus und drei Privatwagen machten wir uns auf den Weg.

Durch den Wald gefahren

Nachdem wir in Schweden kurz vor dem Ziel mehrere Kilometer durch den Wald gekurvt waren, führte ein schmaler Schotterweg zu einer gelb-weißen Holzhütte. Die acht Jungs und sechs Mädchen wurden von uns sechs Betreuern in ihre kleinen Zimmer mit Hochbetten geführt. Für alle Kinder war es, genau wie für mich, das erste Mal in Schweden.

Rund 700 Meter von den Häusern entfernt befand sich ein Badesee, in dem wir nicht nur schwimmen, sondern auch das mitgebrachte Kanu ausprobieren konnten. Eine Orientierungswanderung, eine Fahrradtour und ein Ausflug nach Jönköping zum Schwimmen standen ebenfalls auf dem Programm. Zu einer Reise in die Natur gehören traditionell natürlich auch Mutproben.

Weit ab von der Unterkunft, ohne Handy, wurden sechs mutige Kinder ausgewählt, die eine Nacht im Freien auf einem Hochsitz verbringen sollten. Verpflegung und Material mussten sie sich selbst zusammensuchen. „Um 4 Uhr versammelte sich eine Wildschweinfamilie neben unserem Hochsitz“, erzählte eines der Kinder am nächsten Morgen. „Jäger waren auch aktiv. Es war so aufregend.“ Aber es gab auch andere Mutproben. Einer der älteren Jungs hatte entschieden, den Fisch „Surströmming“ zu probieren, der aufgrund seines unangenehmen Geruchs schon bei vielen auf Ablehnung stößt, aber in Schweden eine echte Delikatesse ist.

Der mutige Junge öffnete unter lautem Zischen die bereits gewölbte Dose des gärenden Fisches. Innerhalb von drei Sekunden roch es überall penetrant danach. Der tapfere Jugendliche schlang den salzigen Fisch in einem hinunter. Da staunte selbst Wolfgang Bauer nicht schlecht und lachte: „Ich hätte das nie gemacht.“

Einige der Kinder sammelten regelmäßig Blau- und Himbeeren, um sie weiter zu verwenden, lernten Spuren von Wildtieren kennen und entdeckten neue Tier- und Pflanzenarten. Auch das Fahren mit der Draisine war für alle ein Erlebnis. Hierbei fährt man mit einer Art Fahrrad auf alten Bahngleisen, von denen man auch entgleisen kann.

Gemeine Tiere im Wald

Eine Gruppe setzte sich von den anderen im Wald ab und rannte unter großem Geschrei zurück zum Haus. Zwei der Jugendlichen hatten in ein Wespennest getreten und bemerkten schnell, dass es auch kleine, gemeine Tiere im Wald gibt, die ihr „Revier“ verteidigen. Geplagt von vielen Insektenstichen vergingen die Tage wie im Flug. Mit vollständiger Selbstverpflegung lernten die Kinder von Tag zu Tag beim Kochen, Spülen und Wegräumen zu helfen. „Uns ist es auch wichtig, dass Kinder lernen, selbstständiger zu werden. Dazu zählt nicht nur der tägliche Abwasch, sondern auch die Ordnung der Zimmer, die jeden Tag kontrolliert wird“, betonte Bauer.

An Regentagen machten wir es uns im Gemeinschaftsraum gemütlich, der inmitten von Bücherregalen ausreichend gemütliche Sitzmöglichkeiten bot. Mitgebrachte Filme spielten alle in den Sommerferien und sollten den Kindern Identifikationsmöglichkeiten bieten. Mit Bastelangeboten wurde individuelle Kreativität gefördert.

Zum Schluss bewerteten die Kinder die Reise. „Mir hat die Draisine-Fahrt am meisten Spaß gemacht. Es war schön die Natur zu erleben, obwohl hier die Orte sehr weit voneinander entfernt sind und man immer weit fahren muss.“ „Für mich war es toll, einen Elch in freier Natur zu sehen.“ Alle Mitgereisten kehrten reich an Erfahrung und Mückenstichen wieder in die Heimat zurück.