1. Lokales
  2. Düren

Langerwehe: „Es darf nicht immer nur der kleine Mann gemolken werden”

Langerwehe : „Es darf nicht immer nur der kleine Mann gemolken werden”

„Sicherlich muss der Staat sparen, aber nicht so stark. Das, was jetzt beschlossen oder geplant ist, ist Plünderei beim kleinen Mann!” Josef Merkens ist aufgebracht.

Von Weihnachtsfrieden keine Spur mehr. Der Rentner ist so erbost, dass er den Christdemokraten sein Parteibuch zurückgegeben hat - nach über 35 Jahren. Und auch der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft hat der 72-Jährige den Rücken gekehrt.

Grund für Merkens Schritt: die Beschlüsse der Bundestagsmehrheit zur Gesundheitsreform sowie geplante Änderungen im Sozialbereich. „Wenn das alles so kommt, dann muss ich jetzt schon anfangen zu sparen!” Dies vor allem auch deshalb, weil Deutschlands Rentner in diesem Jahr auch noch auf die sonst übliche Anhebung ihrer Bezüge verzichten müssen.

Josef Merkens hat nämlich alles einmal zusammengerechnet: Als Rentner muss er mit Jahresbeginn 2004 den Krankenkassenbeitrag voll bezahlen. Die Gesundheitsprämie - so sie denn in der vorgesehenen Form verabschiedet wird - soll einschließlich eines demographischen Vorsorgebeitrags 200 Euro pro Person betragen. Für das Ehepaar Merkens also schon 400 Euro.

Dazu rechnet der 72-Jährige noch etwa 50 Euro pro Monat, die für den „Eintritt” beim Arzt und an Medikamenten-Zuzahlungen draufgehen.

Damit aber noch längst nicht genug: Die Strom- und Gaspreise sollen anziehen, die Lebenshaltungskosten klettern weiter. „Alles wird teurer. Oft sind es zwar nur relativ kleine Beträge, die man im Schnelldurchgang nicht sieht.

„Wenn man aber alles zusammenrechnet, dann fallen einem die Schuhe aus”, klagt Josef Merkens. Für ihn summiere sich alles auf rund ein Drittel seiner aktuellen Rente. „Wie soll ich das verkraften?”

Nicht für die Zukunft

Die Zornesröte steigt dem Noch-Ratsherrn ins Gesicht, wenn er an die vielen teuren, vom Steuerzahler aufzubringenden Vorruhestandsregelungen denkt. Und an alle die Besserverdiener und Beamten, die sich seiner Meinung nach wie „Otto Normalverbraucher” sozialversichern sollten. „Es darf doch nicht immer nur der kleine Mann gemolken werden!” Nach Merkens Ansicht weisen auch die Rentenbeschlüsse keineswegs in die Zukunft.

Auch wenn Josef Merkens sein Parteibuch abgegeben hat: Mitglied des Langerweher Gemeinderates will er bleiben. „Vielleicht kann ich als Hospitant bei der CDU weiter mitmachen”, hofft er. Gespräche seien aber noch nicht geführt worden.

Mit der Kommunalwahl Ende September ist aber in jedem Fall Schluss: „Über 30 Jahre in der Kommunalpolitik reichen!”