Nideggen: Erinnerungen an Heinz Erhardt geweckt

Nideggen: Erinnerungen an Heinz Erhardt geweckt

Im Atelier von Muna Götze saßen die Besucher mit gespitzten Ohren. Julius Esser hatte dort viel zu erzählen, und die Gäste folgten seinen Ausführungen amüsiert und mit großer Aufmerksamkeit. Der Dichter, Autor und Slam-Poet mag es gerne üppig, bevor er auf den Punkt kommt.

Der 26-Jährige, der aus Birkesdorf stammt und heute in Bonn studiert, stellte zunächst sich selbst vor. Im Karneval verdiente er sich die ersten Rednersporen bereits als Kind. Als sich Mutter, Bruder und Schwester dann nach und nach zurückzogen, machte er alleine weiter.

„Ich blieb übrig“, stellte er nüchtern fest. Den germanistischen Teil des Abends startete er mit der ersten Geschichte, die er bewusst niedergeschrieben hatte. Auch versprach er nebenher dem Publikum: „Sie werden nach diesem Abend ein Studium Universale abgeleistet haben, und es wird anstrengend.“ Weiter konstatiert er: „Ich bin kein weltberühmter Dichter, aber ich bin gut.“

Der Sohn eines Försters beschreibt in seiner unterhaltsamen Story, wie Führungen ablaufen, die er im Freilichtmuseum in Kommern anbietet. Zum Beispiel, wenn Fin-Hendrick Geburtstag feiert und all seine Freunde und seine Eltern mitbringt. Ebenfalls dabei: des Schriftstellers Jagdhund namens Birke. Birke ist die erste, die sich verabschiedet und den Rest der Feier lieber im Warmen verbringt, verwöhnt von den Damen der Rezeption. Auch Fin-Hendrick gibt sich irgendwann genervt, da helfen weder seine schleimenden noch seine verhaltensauffälligen Freunde.

Alles in allem, der perfekt reflektierende Waldführer steht plötzlich allein im Wald und kann noch nicht einmal heimwärts ziehen, weil zu allem Elend sein Autoschlüssel verschwunden ist. Weitere, ähnliche Geschichten verpackt Esser gerne in Reimform. Die Ergebnisse und auch seine Person sind dabei dem unvergessenen Heinz Erhardt nicht unähnlich. „Einen schönen Reim machen ist wie Zelten — man macht es selten“, spricht der junge Dichter vor sich hin. Auch erinnert er sich in „Heine(ken)“ an einen unvergessenen Abend, an dem er von der Uni nach Hause schwankte und vor dem Denkmal des großen Dichters kotzend auf die Seite fiel.

Bei diesen „Rheinreimen“ handelt es sich um 365 kleine Werke, Text mit Bild, die Julius Esser eben binnen eines Jahres schrieb. Jeden Tag entstand ein kleines Epos.

Für die musikalische Begleitung sorgte Eva Lebertz mit Gesang und akustischer Gitarre. Titel wie „Goethe war gut“ kamen ebenso angenehm rüber wie die Wortbasteleien von Julius Esser.

Mit Applaus sparten die rund 50 Gäste nicht. Und vielleicht beschränkt sich der erstaunliche Nachwuchsdichter ja in Zukunft noch ein klein wenig mehr auf das Wesentliche, dann besteht einmal mehr die Hoffnung, dass er einer der ganz Großen seiner Zeit werden könnte.