Düren: Erfahrungen und Erlebnisse in den peruanischen Anden

Düren: Erfahrungen und Erlebnisse in den peruanischen Anden

Genug ist genug, so oder so ähnlich schließt Wolfgang Hindrichs, Pfarrer im Ruhestand, ein mehr als drei Jahrzehnte langes Kapitel seines ereignisreichen Lebens. Gewichtiges Dokument dieses Abschlusses ist ein Buch über sein Leben und Wirken in Peru und Paraguay.

„Unser Ziel war es von Beginn an die soziale Ungerechtigkeit in einer Region der Welt zu minimieren“, sagt er. Das ist nach Ansicht des Autors im Zusammenspiel vieler Kräfte recht gut gelungen. Deutlich werde das vor allem an der rasanten Entwicklung in Lima, der Hauptstadt Perus, die sich im Laufe von drei Jahrzehnten weitestgehend zum Positiven verändert habe.

Dicker Wermutstropfen

Ein dicker Wermutstropfen aber trübt die Erfolgsgeschichte, weil leider nicht alle Menschen an diesen positiven Veränderungen teilhaben. Viele Peruaner — so Hindrichs — seien außen vor. Da heiße es für die Verantwortlichen, Verantwortung zu übernehmen für die, die draußen stehen und am Fortschritt teilhaben wollen. Und das nicht nur in Peru und Paraguay. Dabei gehe es nicht um materiellen Zuwachs, sondern um ein menschenwürdiges Leben.

Die Projekte haben Wolfgang Hindrichs und seine Mitstreiter reich beschenkt. „Wir haben von den Peruanern und den Menschen in Paraguay vieles gelernt“, sagt er. Dazu gehörten vor allem Werte wie Vertrauen, Liebe und der Umgang mit alten und jungen Menschen. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, allen Menschen auf diesem Globus klar zu machen, dass sie in dieser einen Welt leben.“

In seinem Buch schildert der Autor, wie alles anfing und welche Motive die verantwortlichen Ideengeber damals — 1982 — in der Evangelischen Gemeinde zu Düren bewegten, sich in Südamerika mit Projekten einzubringen. In dieser Gemeinde nahm und nimmt die soziale Arbeit einen hohen Stellenwert ein. „Die Gemeinde darf nicht schweigend zusehen“, hieß es damals in einer theologischen Erklärung, „wenn Menschen unterdrückt, ausgebeutet oder verdummt werden.“ Nach gründlicher Vorarbeit und Ausbau eines Netzwerkes, nach Kontaktaufnahme mit den katholischen Salesianern in Huancayo in Peru entwickelte die Evangelische Gemeinde Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation in der Andenregion. Mit Erfolg: Bis heute sind vier Projekte in Peru und zwei Projekte in Paraguay realisiert.

Da gibt es zum Beispiel die „Schulen und Berufsschulen für Straßenkinder“ in Huancayo, die „Landwirtschaftsschule in Zurite“, die „Bauerngemeinschaft Pancarhuaylla“, das „Centro de promicion urbano rural (CPURR)“ in Juliaca. Sie sind allesamt Institutionen, die die Lebenswirklichkeiten der Menschen verbessern und Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Erfülltes Leben

Das Motto alle Projekte lautet „Buen Vivir“, das übersetzt bedeutet „gut leben“. Wolfgang Hindrichs übersetzt die beiden Wörter mit „Erfülltes Leben in Gemeinschaft“. Was dieses erfüllte Leben ist, erfährt der Leser seines Buches. Fotos — viele von seiner Frau Anne geschossen — vermitteln Eindrücke vom Leben und Arbeiten in den Anden. Zusammen mit Tagebüchern des Dürener Kinderarztes Dr. Peter Johannsen spiegeln sie die Existenz der Landbevölkerung fernab von Rummel und Großstadtflair wider.

Aufrüttelnd wirkt die Erklärung von fünf südamerikanischen Bischöfen: In der Art eines Comics stellen sie die desolate Situation der südamerikanischen Bauern dar. In den Bildern und Texten scheint aber auch die Hoffnung auf Besserung durch. Wolfgang und Anne Hindrichs steigen aus dem Projekt mit einem weinenden und einem lachenden Auge aus. Sie haben in Peru und Paraguay vieles bewirkt, haben viele Freunde gewonnen. Das ist vorbei. Nachfolger ist Pfarrer Stephan Schmidtlein.

Vorstellen wird Hindrichs sein Buch „Erfahrungen und Erlebnisse in den peruanischen Anden“ in einer Lesung am Donnerstag, 26. Januar, im Haus der Evangelischen Gemeinde um 18 Uhr. Das Werk kann für 12,50 Euro erworben werden.

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