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Jugend in der Pandemie: Endlich 16 – und dann gibt es keine Party

Jugend in der Pandemie : Endlich 16 – und dann gibt es keine Party

Es ist gar nicht so einfach, in der Corona-Pandemie ein Jugendlicher zu sein. Gruppentreffen, Kontakte, Grenzen Testen: Vieles, was eine normale Jugend ausmacht, ist verboten. Ein Teil des Erwachsenenwerdens fehlt einfach.

Das lange Warten auf den 16. Geburtstag hat ein Ende – und dann gibt es keine Feten. Das mag banal klingen. Wer sich an seine Jugend erinnert, weiß aber, dass es das nicht ist. Manch einem Erwachsenen mögen der reduzierte Kontakt und Partyverbote nicht so dramatisch erscheinen, für Jugendliche sind sie aber genau das. Für sie bricht ein Teil der Sozialisation, des Erwachsenwerdens, des Hineinwachsens in die Gesellschaft, weg,

„In der Öffentlichkeit wird viel über das Distanzlernen, die Schulen in der Pandemie gesprochen. Aber wie Jugendliche die Situation abseits davon empfinden, welche Sorgen sie haben, wie sie die Situation belastet und wie sie gegebenenfalls auch die Auswirkungen der Pandemie auf ihre Familien erleben, das rückt oft in den Hintergrund“, sagt Elke Ricken-Melchert, die Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend und Familien des Kreises Düren.

Dabei sei die Situation für Jugendliche problematisch: Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist drastisch reduziert, der Alltag hat weniger Struktur, Partys und Gruppentreffen sind verboten, Eltern sind vielleicht in Kurzarbeit, hinzu kommen Sorgen um die eigene Zukunft, etwa um die Lehrstelle.

Die Profis in der Jugendarbeit stellen fest, dass Jugendliche zunehmend depressiv oder mutlos werden, vereinsamen und Existenzängste spüren. „Die wirklichen Folgen der Pandemie auf die Jugendlichen werden wir erst langfristig merken. Das dicke Ende kommt noch“, ist die Amtsleiterin überzeugt.

Auffällig sei beispielsweise, dass es derzeit weniger Gefährdungsmeldungen beim Jugendamt gebe. Das liege aber nicht daran, dass es keine Probleme gebe, sondern dass sie nicht auffallen würden, weil Schule, Vereinsleben und Sozialarbeit nicht oder nicht in gewohnter Form stattfinden oder stattgefunden haben.

„Die Situation ist für viele Familien belastend: Unterricht zu Hause, keine Treffen, Homeoffice oder Kurzarbeit – es bedarf sehr großer Selbstdisziplin in den Familien, um das zu organisieren“, sagt Ricken-Melchert. Jugendpflegerin Carolin Breuer ergänzt: „Die Situation überfordert viele, und die Einrichtungen, die Hilfe anbieten können, sind geschlossen.“

Beobachtungen, dass manche Gruppen sich trotz Corona an öffentlichen Plätzen treffen, haben auch die Jugendbetreuerinnen schon gemacht. „Die meisten Jugendlichen haben Verständnis für die Maßnahmen und Einschränkungen“, ordnet Breuer ein. Sie habe aber auch festgestellt, dass die Ungeduld wachse, die Sehnsucht nach Normalität immer stärker werde, die Jugendlichen schlicht und ergreifend „keinen Bock“ mehr auf Maske, Abstand und Verbote und das Eingesperrtsein bei den Eltern haben.

„Sie sind in einem Alter, in dem man Grenzen austestet, auch mal Regeln bricht, gegen die Eltern rebelliert. Unterwegs sein, Freunde treffen, sich ausprobieren, sich behaupten – das gehört in diesem Alter dazu“, weist Jugendpflegerin Kathrin Sartorius auf die Bedürfnisse der jungen Menschen hin.

Gleichwohl würden die Jugendbetreuer in Gesprächen darauf aufmerksam machen, dass Gruppen sich derzeit eben nicht treffen dürfen. „Es ist schwer, wenn die Peer-Group, also die Gruppe Gleichaltriger, die sich aneinander orientieren, wegfällt. Jugendliche müssen Erfahrungen sammeln, um ihre Rolle im Leben zu finden“, erklärt Ricken-Melchert.

Die offene Jugendarbeit in den 21 Einrichtungen des Kreises Düren lebt eigentlich davon, dass die Jugendlichen spontan vorbeikommen, und dann vielleicht zu reden – oder aber auch nicht. Das ist jetzt nicht möglich. Auch die aufsuchende Jugendarbeit ist eingeschränkt, schließlich sind die Zusammenkünfte an den Treffpunkten nicht erlaubt, die Jugendlichen, die man eigentlich erreichen will, nicht zu finden.

Dabei ist es nach Aussage der Jugendpflegerinnen auch sonst nicht einfach, bestimmte Heranwachsende zu erreichen, sie zu binden. Sie unter den aktuellen Bedingungen bei der Stange zu halten, sei eine umso größere Herausforderung. Es bestehe die Gefahr, Jugendliche zu verlieren. „Aber mit dem bunten Strauß an Maßnahmen versuchen wir genau das zu verhindern.“