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Oberzier: Elfjähriger findet keinen Schulplatz

Oberzier : Elfjähriger findet keinen Schulplatz

Seit Mittwoch büffeln in der Gesamtschule Niederzier/Merzenich wie überall in Nordrhein-Westfalen wieder Kinder und Jugendliche über Mathematik, Deutsch und Englisch - die Weihnachtsferien sind zu Ende.

Das gilt jedoch nicht für den elfjährigen Christian Heinen aus Oberzier. Keine 300 Meter Luftlinie von der Gesamtschule entfernt, langweilt sich der Schüler gezwungenermaßen zu Hause. Für den verhinderten Fünftklässler ist schlichtweg kein freier Platz in den umliegenden Schulen vorhanden, wie Mutter Rosemarie erfahren musste.

Vor gut einem halben Jahr - Sohn Christian war an der Hauptschule Inden/Altdorf angemeldet - entschlossen sich Rosemarie Heinen und ihr Lebensgefährte, nach Spanien zu ziehen. Als sie sich Ende des Jahres nun zur Rückkehr entschlossen, nahm Rosemarie Heinen Kontakt mit der Indener/Altdorfer Hauptschule auf, in der seit vielen Jahren auch Schüler aus der Gemeinde Niederzier unterrichtet werden. Doch die Mutter lief vor verschlossene Türen. „Kapazitäten erschöpft, kein Platz für Christian” lautete die lapidare Mitteilung mit der Bitte, die Mutter möge sich doch an andere Einrichtungen wenden.

Doch weder bei der Hauptschule Birkesdorf oder der Gesamtschule Langerwehe (beide erklärten sich nicht zuständig) noch bei der benachbarten Gesamtschule Niederzier/Merzenich (Kapazitäten erschöpft) fand sie trotz geltender Schulpflicht einen Platz für ihren Sohn. Damit ist sie zumindest an der Gesamtschule Niederzier/Merzenich kein Einzelfall. Schon seit Jahren beklagen Politiker der Schulträger Niederzier und Merzenich, dass an „ihrer” Gesamtschule wiederholt potenzielle Hauptschüler mit Verweis auf die angestrebte gymnasiale Oberstufe schon in der fünften Klasse abgelehnt werden.

Rosemarie Heinen versteht die Welt nicht mehr, das deutsche Schulsystem schon gar nicht. „Das war in Spanien alles einfacher”, erinnert sich die Mutter, die mittlerweile die Schulaufsicht beim Kreis Düren eingeschaltet hat.

Amtsleiter Franz-Josef Hellwig weiß um die unbefriedigende Situation und sucht händeringend nach einer Lösung. Sogar die Bezirksregierung in Köln wurde hinzugezogen. Doch bisher sind alle Versuche, den elfjährigen Christian unterzubringen, fehlgeschlagen. Alles scheint darauf hinauszulaufen, dass Bezirksregierung oder Schulaufsicht dem Schüler einen Platz gegen den Willen der Schulen zuweisen müssen. Doch das kann noch Tage dauern. Franz-Josef Hellwig rechnet frühestens Anfang kommender Woche mit einer Lösung.

Und bis dahin wird Christian weiter zu Hause sitzen, während seine Alterskameraden büffeln. Mit jedem Tag aber, den der elfjährige verpasst, wird es für ihn nach der halbjährigen Abwesenheit noch schwerer, den Anschluss zu finden.