Merzenich: Einzelhandelskonzept sieht „Defizite in der Qualität“

Merzenich: Einzelhandelskonzept sieht „Defizite in der Qualität“

Die Geschäftsleute in der Gemeinde Merzenich sollen sich zusammenschließen, um den Einzelhandel im Ort fit für die Zukunft zu machen. Zu diesem Schluss kommt das von der Gemeinde in Auftrag gegebene Einzelhandelskonzept. Denn um den Einzelhandel ist es nicht rosig bestellt.

Beispiele dafür sind an der Lindenstraße zu sehen, wo unter anderem die alte Schlecker-Filiale schon länger leersteht. Laut Analyse führt dieser Leerstand zu einer „Abwertung“ des Standortes und könnte eine Abwärtsspirale in Gang setzen.

Das Einzelhandelskonzept der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) soll dem Rat und der Gemeinde künftig als Entscheidungsbasis dienen, am Donnerstag wird darüber diskutiert. Ein Ziel ist es, die wohnortnahe Grundversorgung zu sichern

Die Nähe Merzenichs zu Düren und Kerpen hat Vorteile. Für den Einzelhandel in der knapp 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde aber ist sie ein Problem. Die Konkurrenz, auch in Niederzier, ist groß. Der Einzelhandel vor Ort bindet laut GMA nur 28 Prozent der Kaufkraft. Das bedeutet, dass 72 Prozent oder 39 Millionen Euro jährlich in andere Orte fließen. Bei Lebensmitteln liegt die Kaufkraftbindung bei 45 Prozent, in der Warengruppe Gesundheit/Körperpflege bei 55 Prozent. Die GMA kommt zu dem Ergebnis, dass diese Quoten „selbst für ein Grundzentrum der Größenordnung von Merzenich unterdurchschnittlich“ ausfallen. Weil auch verderbliche Waren und Güter des häufigen Bedarfs in anderen Orten gekauft werden, schließt die GMA auf „Defizite der Qualität des Einzelhandels“. Positiv bewertet die GMA, dass es viele inhabergeführte Geschäfte gibt.

Aber: Der Vollsortimenter im Ortskern gilt als einziger Magnetbetrieb. Als problematisch stuft die GMA jedoch ein, dass Eingang und Parkplatz des Geschäfts sich vom Ort abwenden. Potenzial sieht die Gesellschaft vor allem im Bereich Drogerie sowie bei Nahrungsmitteln, Blumen, Spielwaren und Büchern. Das fehlende Angebot, schlechte Parkmöglichkeiten und einen auswärtigen Arbeitsort nannten Bürger in einer Befragung als Grund gegen den Einkauf vor Ort. Die Händler sind mit der Parksituation noch unzufriedener. „Die Parkplätze und die Möglichkeiten für die Anlieferung sind auch an der Lindenstraße eine Herausforderung“, sagt Beate Schauf von der Gemeindeverwaltung.

Von der Ansiedlung von Geschäften abseits des Zentrums, die wegen ihres Sortimentes im Ortskern erwünscht wären, regt die GMA jedoch ab, um die Konkurrenz zum „zentralen Versorgungsbereich“ nicht zu erhöhen. Das gilt auch für den Uerlingsweg, wo ein Investor Planungen für einen Vollsortimenter (1700 Quadratmeter) und Drogeriefachmarkt (500 Quadratmeter) vorgestellt hat. Die GMA hält einen Discounter auf 900 Quadratmetern für denkbar.

www.gemeinde-merzenich.de

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