Aachen/Düren: Einschüchterung eines Mieters: Täter sprechen von „Überredungsversuch“

Aachen/Düren: Einschüchterung eines Mieters: Täter sprechen von „Überredungsversuch“

Die Darstellungen, was im Dachgeschoss eines Mietshauses in Norddüren im Juli 2015 passiert war, gingen bei der Zeugenbefragung erheblich auseinander. Was aus dem Mund des 26-jährigen Beschuldigten Marcus V. aus Düren am Montag vor der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht noch wie ein eher gutmütiger Überredungsversuch bei einem widerspenstigen Mieter anmutete, hörte sich bei der Aussage des Opfers doch ganz anders an.

Neben Marcus V. sollen laut Anklage zwei weitere Täter, Alexander B. (26) und Andy B. (37), den im Dachgeschoss wohnenden Mieter auf Geheiß der Vermieterin aufgesucht haben, um ihn zum Auszug und zur Unterschrift unter einen Auflösungsvertrag zu zwingen. Angeklagt ist schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Dabei sei laut Anklage erhebliche Gewalt angewandt worden, das Trio soll den Mann zu Boden geschlagen und mit Pfefferspray besprüht haben. Sie hätten ihn damit so gefügig gemacht, dass er den Aufhebungsvertrag für die Wohnung unter Zwang unterschrieb, die Schlüssel abgab und das Haus verließ. Allerdings ging der damals 43-Jährige zur Polizei.

In der Verhandlung versuchten die drei Männer, ihre gewalttätigen Überredungskünste kleinzureden. Dem Vorsitzenden Richter Markus Vogt jedoch fehlte der rechte Glaube. Zuvor hatte der er die Angeklagten von der Sinnhaftigkeit eines umfassenden Geständnisses nachdrücklich unterrichtet.

Die Angeklagten betonten, dass sie wegen des Geldes, das die Vermieterin für die Lösung ihres Mieterproblems zahlen wollte, zunächst gar nicht an Gewalt gedacht hätten. Sie hätten sogar dem unliebsamen Mann in der Dachwohnung zunächst Geld dafür geben wollen, dass er weggehe und nicht zurückkomme. Der Mieter aber habe sie angegriffen, sagten sie vor Gericht, es habe ein Gerangel gegeben, so dass sie das Pfefferspray einsetzen mussten.

Keine Rede war von Schals, die sie über die untere Gesichtshälfte gewickelt hatten, als sie anklopften und in den Flur der Wohnung stürmten, wie das 46-jährige Opfer berichtet hatte. Sie seien alle drei unmittelbar nachdem er die Türe geöffnet hatte, auf ihn draufgegangen mit den Ausrufen „Unterschreib, unterschreib!“. Er sei zu Boden gegangen, habe eine Ladung Pfefferspray abbekommen und eine blutende Wunde am Hinterkopf davongetragen.

Kuli beim Nachbarn geliehen

Als er dann die Unterschrift habe leisten sollen, hätten die „Entmieter“ gemerkt, dass niemand einen Kugelschreiber dabei hatte. Den liehen sie sich bei einem Nachbarn, wie das Opfer berichtete, dabei soll einer der drei den blutenden Mann auf dem Boden des Wohnungsflures mit einer Pistole in Schach gehalten haben.

Zunächst war die Rede von 200 Euro, die die drei von der Vermieterin für ihre „Arbeit“ erhalten haben sollen. Doch da widersprachen sich die Angeklagten: Einer meinte, es seien für jeden mindestens 100 Euro herausgesprungen. Der angegriffene Mieter berichtete von einem längeren Streit mit der Vermieterin, die ihn — einen unter Betreuung stehenden Sozialfall — wohl aus dem Haus haben wollte. Er aber habe sowieso ausziehen wollen, sei bereits auf der Suche nach einer neuen Wohnung gewesen. Den Angriff des Trios habe er der Polizei aber melden müssen, sagte er vor der Kammer.

Wann ein Urteil fällt, stand am Montag nicht fest. Die Vermieterin ist von einem Dürener Schöffengericht zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden.