Düren: Einmalige Rechnung vor mündlicher Abiprüfung: 12 + 13 =261

Düren: Einmalige Rechnung vor mündlicher Abiprüfung: 12 + 13 =261

Dass kein Abiturient zweimal auf der Liste für die mündlichen Prüfungen stehen sollte und dass es für Lehrer unmöglich ist, zeitgleich in zwei Prüfungen Fragen zu stellen, ist logisch. Auch wenn es einfach klingt, ist es doch eine Herausforderung, die mündliche Abiturprüfung zu organisieren — in diesem Jahr wegen des doppelten Abiturjahrgangs ganz besonders.

Am Gymnasium am Wirteltor (GaW), dem größten Gymnasium in Düren, hatte Oberstufenkoordinator Friedrich Nepomuck diese Aufgabe zu bewältigen. „Ein Computerprogramm dafür gibt es nicht“, erklärt der Lehrer. Also hat er an seinem Schreibtisch gesessen und einen Plan ausgetüftelt.

Oberstufenkoordinator Friedrich Nepomuck hat die komplexen Prüfungspläne ausgearbeitet. Foto: Sarah Maria Berners

Dem Ergebnis — einer farbigen Excel-Tabelle für jeden Prüfungstag — sieht man nicht an, wie viele Stunden Arbeit darin stecken und wie viele Aspekte beachtet werden mussten. Puzzleteil für Puzzleteil hat Friedrich Nepomuck die Liste zusammengestellt. Angefangen hat alles mit der Zusammenstellung der Prüfungsausschüsse und der Einteilung der Schüler in Dreiergrüppchen, ziemlich vielen Dreiergrüppchen.

261 Schüler machen am Wirteltorgymnasium in diesem Jahr ihr Abitur. 146 nach der Klasse 13, 115 nach G8. Jeder Schüler muss eine mündliche Prüfung absolvieren, und in jeder Prüfung müssen drei Lehrer sitzen: der Vorsitzende, der Protokollführer und der eigentliche Prüfer, der die Fragen stellt. Von den 100 Lehrern der Schule sind etwa 80 in den mündlichen Prüfungen im Einsatz. Allein am Donnerstag stehen 90 Prüfungen auf dem Plan, Freitag sind es 89. Nach einem Verschnaufwochenende stehen Montag 72 und Dienstag zehn Prüfungen an. Im Extremfall laufen am Wirteltor-Gymnasium 13 Prüfungen parallel.

Vor allem die Lehrer aus den Gesellschaftswissenschaften sind bei den mündlichen Prüfungen gefordert. In Geschichte gibt es allein im zweisprachigen Bereich 38 Prüfungen, in ihrer Muttersprache werden noch mal 30 Schüler geprüft. In Pädagogik stehen 64 Prüfungen an. Beliebt sind ebenfalls Sozialwissenschaften, Erdkunde und Deutsch. Den „Rekord“ hat ein Lehrer des Wirteltor-Gymnasiums mit 26 Prüfungen geknackt, die jeweils 30 Minuten dauern. „Da ist jede Menge Konzentration gefordert“, sagt Schulleiter Wilhelm Gödde. Wegen der großen Menge an Prüflingen habe man sich am GaW auch dafür entschieden, vor und nach dem Wochenende zu prüfen.

Für das Fach Englisch haben sich nur zwei Schüler, für Mathematik fünf angemeldet. In diesen Fächern standen dafür aber besonders viele Klausuren an. Daher galt es für den Oberstufenkoordinator bei den mündlichen Prüfungen zum Beispiel die Kollegen etwas zu entlasten, die derzeit besonders viele Klausuren korrigieren müssen.

Jede Menge Arbeit hat der doppelte Abiturjahrgang auch bei der Vorbereitung der Prüfungen gefordert: „Immer drei Schüler können in einem Block zu demselben Thema geprüft werden“, erklärt Gödde. Für die Lehrer bedeutete dies, dass sie sich im Vergleich zu den Vorjahren doppelt so viele Prüfungsthemen einfallen lassen mussten.

Viele Augen haben Friedrich Nepomucks Prüfungsplan mittlerweile beäugt. Kein Schüler hat sich in zwei Prüfungen wiedergefunden, kein Lehrer musste an zwei Orten zur selben Zeit sein. Die einmalige Rechnung 13 + 12 = 261 ist aufgegangen. Und im nächsten Jahr ist alles wieder wie immer.