Düren/Zülpich: Eine Waldohreule beim Physiotherapeuten

Düren/Zülpich: Eine Waldohreule beim Physiotherapeuten

Der Aufprall hatte die kleine Waldohreule massiv getroffen. Benommen lag sie, nachdem sie gegen eine Wand oder eine Scheibe in der Nähe der Annakirche in Düren geprallt war, in einem Vorgarten mitten in der City. Die Besitzer des Gartens fanden das verunglückte Tierchen Ende Februar und riefen Hajo Lehser aus Zülpich an, der sich seit vielen Jahrzehnten um derartigen „Bruchpiloten“ kümmert.

Der Großfalkenmeister, der früher als Beamter bei der Bahn seine Brötchen verdiente, betreibt am Ortsrand von Zülpich eine Auffangstation für kranke Greifvögel. Er nahm die einjährige Waldohreule, die 270 Gramm wiegt, auf.

Falknermeister Hajo Lehser macht mit der kleinen Eule nun physiotherapeutische Übungen, damit diese wieder auf die Beinchen und ans Fliegen kommt. Foto: Gudrun Klinkhammer

Er baute ihr ein Nest in einem überdimensionalen Kaninchenstall, denn fliegen kann das Tier momentan nicht. Hajo Lehser schrieb in sein handbemaltes und von Hand beschriftetes Stationsbuch, nachdem die Eule untersucht worden war: „Das Tier ist weiblich und circa ein Jahr alt.“

Er stellte fest: Der Stoß, das ist der Schwanz, ist locker, die Rückenwirbel sind geprellt. Die Fänge, das sind die Krallen, sind verkrampft. Ganz behutsam begann der Fachmann, die Krallen und Beinchen des Tieres zu bewegen. Dabei bemerkte er, dass da noch Gefühl drin steckt.

Fortan geht er mehrfach täglich zum Stall, holt die Patientin hervor und macht mit ihr Physiotherapie. Dabei werden die verkrampften Fänge vorsichtig gelockert und aufgedrückt. Zehn Mal wird jedes Beinchen gestreckt und gebeugt, dann ist das andere Beinchen dran.

Ganz still bleibt die Waldohreule dabei liegen, nur der Schnabel geht leicht auf uns zu. Hajo Lehser sagt dazu: „Das Tier merkt, dass ihm die Übungen gut tun.“

Geräusche gibt die Eule in diesem Moment nicht von sich. Das ändert sich, setzt Hajo Lehser seine kleine Freundin in die Vertikale und irgendetwas passt ihr nicht. Dann reißt sie den Schnabel auf und laut knackende Geräusche entfahren ihrer Kehle.

Hochaufmerksame, bernsteinfarbene Augen schauen den Falkner an, sobald er sich mit Futter dem Schnabel nähert. Hajo Lehser, der derzeit elf Tiere in seiner Auffangstation betreut, hofft, dass die Waldohreule bald wieder gesunden wird. Dann wird er sie zurück nach Düren bringen und in der Nähe der Annakirche aussetzen.

Nicht selten passiert es, dass seine ehemaligen Patienten, die nicht in allzu weiter Ferne ausgesetzt wurden, ihren Helfer immer wieder in Zülpich besuchen kommen. Für Notfälle ist Hajo Lehser über die Internetseite vom Nabu-Euskirchen erreichbar.