Eine Treibjagd auf Schwarzkittel im Nationalpark Eifel

Am Samstag zwischen Heimbach und Schmidt : Treibjagd auf Wildschweine im Nationalpark Eifel

Viele Jäger sind des Hasen Tod, sagt der Volksmund. Am nächsten Wochenende gilt das im übertragenen Sinn für die Schwarzkittel in der Rureifel. Eine groß angelegte Jagd im Hetzinger Wald am Samstag soll die Wildschweinpopulation im Nationalpark Eifel reduzieren.

Die Parkverwaltung hat eine konzertierte Aktion mit allen benachbarten Jagdpächtern organisiert, die am 9. November sogar eine mehrstündige Sperrung der Landesstraße 246 zwischen den Nideggener Ortsteilen Schmidt und Brück notwendig macht. „Wir stellen heute die Schilder auf“, kündigte Florian Krumpen im Gespräch mit der Redaktion am Dienstag an, denn dem Fachgebietsleiter in der Nationalparksverwaltung ist bewusst, dass diese Sperrung zwischen 10 und 14 Uhr den Bewegungsspielraum der Anwohner deutlich einschränkt und die vorherige Kommunikation wichtig ist.

Das war eine grundlegende Forderung, die im Nideggener Stadtrat vergangene Woche von mehreren Ratsvertretern erhoben worden ist und nun auch realisiert wird.

Genaue Zahlen zur Wildschwein-Population kann Krumpen nicht vorlegen. „Bei Schwarzwild gibt es fast keine Möglichkeit, die Bestände zu erheben, weil es Schwankungen zwischen 100 und 300 Prozent gibt“, sagte der Fachmann für Biotop- und Wildtiermanagement und begründete das mit den von den äußeren Bedingungen abhängigen Fortpflanzungs- und Sterblichkeitsraten der Tiere. Sprich: Milde Winter überleben viele Wildschweine, die sich dann auch verstärkt vermehren. Fakt aber sei abseits der Populationszahlen, dass zunehmend Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen gemeldet würden – bis hin zu folgenschweren „Besuchen“ der Wildschweine in waldnahen Privatgärten.

Das Nationalparkforstamt informiert, dass es vor allem im Bereich des Hetzinger Waldes mit seinem großen Anteil an Eichen eine beliebte Futterquelle für Wildschweine und dadurch auch hohe Bestände gibt.

Ein weiterer gewichtiger Grund für die „revierübergreifende Bewegungsjagd“, was nichts anderes als eine Treibjagd meint, sei die Notwendigkeit, die in Belgien nachgewiesene Afrikanische Schweinepest (ASP) vorbeugend zu bekämpfen. „Und je höher die Bestände sind, desto schneller erfolgt die ASP-Verbreitung“, sagt Krumpen über die Tierseuche, die zwar auf Menschen nicht übertragen werden kann, aber auf Hausschweine sehr wohl.

Bestandsregulierung unverzichtbar

„Wir haben lange vorab überlegt, wie wir die Bestände in den Griff bekommen und uns mit allen Jagdpächtern zusammengesetzt“, erklärte Florian Krumpen. Ergebnis war die nun für den 9. November geplante konzertierte Aktion, an der sich laut Fachgebietsleiter die Pächter „aller umliegenden Reviere“ beteiligen.

Krumpen und seinen Kollegen im Nationalparkforstamt ist klar, dass die angekündigte „Bewegungsjagd“ auch Kritiker auf den Plan ruft. Sie sehen aber keine Alternative: Der Nationalpark Eifel stelle für Wildschweine nur einen Teillebensraum dar.

Sie überschreiten natürlich Grenzen. „Dadurch kann es in den Randbereichen und außerhalb der Nationalparkgrenzen zu negativen Auswirkungen auf genutzten Flächen kommen. Auf die Regulierung der Bestände kann deshalb nicht verzichtet werden“, heißt es in der Information der Parkverwaltung. Oder mit den Worten Krumpens: „Wenn wir nicht die absolute Notwendigkeit sehen würden, würden wir diesen großen Aufwand nicht betreiben.“

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