Düren: Eine Pipi-Maut für angenehmere Toiletten in der Schule

Düren: Eine Pipi-Maut für angenehmere Toiletten in der Schule

Einmal Urinieren kostet zehn Cent - nicht etwa auf der Bahnhofstoilette oder an einer Autobahnraststätte, sondern an verschiedenen Schulen in Düren.

Die Gebühren sollen den Besuch des nicht immer ganz so stillen Ortes angenehmer gestalten, denn für viele Kinder ist der Gang zur Toilette alles andere als erfreulich. Dass Schultoiletten nicht gerade nach Rosen duften, dürfte den meisten aus eigener Erfahrung bekannt sein, hinzu kommen Schmierereien und Vandalismus, manchmal wird der Ort auch zur Raucherecke der älteren Schüler.

Das Schulzentrum Kreuzau setzt seit mehreren Jahren auf die Pippi-Maut. Eine Reinigungskraft wacht dort über das stille Örtchen. Es habe sich gelohnt, die Gebühr einzuführen, sagt die Leiterin der Realschule, Sigrid Nather. „Die Atmosphäre ist deutlich angenehmer und sauberer geworden.” Vorher seien die Toiletten in einem bedenklichen Zustand gewesen, und Eltern hätten immer wieder nach einer Lösung gefragt.

Aufgrund guter Erfahrungen an anderen Schulen habe man sich für die Einführung von Gebühren entschieden. Die Entscheidung werde von den Eltern mitgetragen. Wer nicht bereit ist zu zahlen, kann sich auch weiterhin kostenlos erleichtern - kostenfreie Toiletten müssen an jeder Schule vorhanden sein.

Der Leiter des Gymnasium am Schulzentrum Kreuzau, Wolfgang Röther, ist von dem Konzept ebenso überzeugt wie seine Kollegin: „Die Toiletten waren ein permanentes Ärgernis und mussten ständig saniert werden. Seit der Einführung der Gebühren ist keine Sanierung mehr notwendig gewesen.” „Das System trägt sich und dient mittlerweile als Vorbild für andere Schulen, weiß der Leiter der Hauptschule des Schulzentrums, Fred Rogas. Er würde das System jederzeit wieder einführen, darin bestärke ihn auch die positive Resonanz auf den Informationsveranstaltungen für die neuen Fünfer-Klassen.

Zehn Cent zahlen auch die Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule. Dort übernehmen die Schüler den Toilettendienst aber selbst. So geht kein Cent an externe Unternehmen verloren, das Geld steht den Schülern für Klassenfahrten, Ausflüge und andere Dinge zur Verfügung. Über die Verwendung entscheiden die Klassenpflegschaft und der Schülerrat. „Erst konnten sich die Schüler das nicht vorstellen, jetzt übernehmen sie begeistert Verantwortung”, sagt Schulleiter Hans-Willi Stollenwerk.

Viel habe sich verbessert, stellt Schülersprecher Lukas Uerlichs fest. Anfangs habe es viele Beschwerden der Schüler gegeben, mittlerweile seien aber fast alle zufrieden, „weil man jetzt wieder ohne Bedenken zur Toilette gehen kann”. „Generell finden es alle gut. Der Einzelne mag sich vielleicht über die zehn Cent ärgern, aber es nutzt allen”, erklärt der stellvertretende Schülersprecher Maurice Ripp. Die Schülervertretung denkt nun darüber nach, ihre Mitschüler weiter in die Pflicht zu nehmen, zum Beispiel als Aufsicht im Schulbus, auf den Sportplätzen oder auch in der Mittagsbetreuung.

„Toiletten sind an Schulen immer ein Thema”, weiß der Leiter des Gymnasiums am Wirteltor, Wilhelm Gödde. Dort gibt es keine Gebühren. Die Schule habe nicht genug Ressourcen, um sich derzeit mit der Problematik zu befassen, erklärt der Schulleiter. Auch das Burgau-Gymnasium kennt keine Toilettengebühr. „Die Außentoilette ist in einem menschenunwürdigen Zustand”, gibt Schulleiter Andreas Grüderich offen zu.

Die Schuld sei aber nicht bei den Schülern zu suchen, sondern bei der Stadt Düren. Die Toilette sei 40 Jahre alt und nie richtig saniert worden. Daher habe es auch nie eine Gebühren-Diskussion gegeben. „Das wäre ein Witz, wenn man noch Geld dafür verlangen würde.”

Mehr von Aachener Zeitung