Heimbach: Eine hölzerne Erinnerung an den Stadtbrand 1687

Heimbach: Eine hölzerne Erinnerung an den Stadtbrand 1687

Mit sorgfältig ausgearbeiteten Großbuchstaben ist die vierzeilige Inschrift „A O 1688 den 17. Juni Kolschriebers und hinderlassene Kinder haben dis Haus lasen baue“ in die Holztafel geschnitzt. Ornamente verzieren das hölzerne Zeitdokument. Rudi Fraikin kennt die Tafel seit seiner Kindheit.

Er ist mit ihr im Haus Hengebachstraße 48, in dem heute die Internationale Kunstakademie untergebracht ist, aufgewachsen. Sie erinnert an den Wiederaufbau Heimbachs nach dem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1687.

Ehepaar Fraikin übergab das vor der Zerstörung gerettete Zeitdokument. Foto: bwp

Damals, am Vormittag des 27. Mai, entzündete sich im Backofen eines Hauses nahe des Pfarramts ein Feuer, das mannshoch aus dem Kamin schlug. Schnell griffen die Flammen auf die umliegenden, meist strohgedeckten Häuser über. Angefacht durch den starken Wind legte die Feuersbrunst 180 Häuser in Schutt und Asche. Auch die trutzige Burg Hengebach sowie die Kirche wurden Raub der Flammen. Da die meisten Heimbacher zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe auf den Feldern arbeiteten, konnte die Wehr nicht helfen. Wegen der giftigen Dämpfe und der enormen Hitzeentwicklung scheiterten auch die verzweifelten Rettungsversuche der wenigen Daheimgebliebenen.

Nach dem verheerenden Brand schickte Heimbachs Schultheiß Johann Bertram Brementhall den damaligen Pastor Bertramus Müller nach Aachen, um den Landesfürsten über die fast vollständige Zerstörung Heimbachs zu informieren. Innerhalb von drei Wochen gelang es dem Heimbacher Pastor eine zehnjährige Steuerbefreiung für seine „Schäfchen“ auszuhandeln. Zudem stellte der Landesfürst kostenloses Holz zur Verfügung, um die niedergebrannte Stadt neu aufzubauen.

Und ein Beleg für den gelungenen Wiederaufbau ist nun einmal das Haus an der Hengebachstraße 48, in dem heute die Internationale Kunstakademie angesiedelt ist. „1909 kaufte mein Großvater dieses Haus von seinem Schwiegervater Schöller“, berichtet Rudi Fraikin, 1947 in dem Haus geboren, über die wechselvolle Geschichte des Gebäudes. Damals wurde die ehemalige Försterei als Rasthaus genutzt, in dem reisende Händler übernachten und ihre Fuhrwerke in der angrenzenden Scheune unterstellen konnten.

1913/14 baute sein Großvater Harry Fraikin die Scheune zum Tanz- und Speisesaal um. „Dabei wurde die alte Inschrift in die Stirnwand des Saales eingelassen“, weiß Fraikin aus der Familiengeschichte. Mitte der 1930er Jahre übernahm dann sein Vater Michael den Gastronomiebetrieb, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Wie durch ein Wunder überstand die geschnitzte Holztafel das Bombardement jedoch unversehrt und wurde beim Wiederaufbau erneut in die Saalwand integriert. Von 1969 an leitete Rudi Fraikins Bruder Karlheinz den gastronomischen Betrieb, der Mitte der 1990er Jahre aufgegeben und veräußert wurde.

Beim Bau der Internationalen Kunstakademie wurde — neben der Burg Hengebach — auch das Elternhaus von Rudi Fraikin einbezogen und beherbergt nun die Verwaltung und Ausstellungsräume. Während der Umbauarbeiten, die Rudi Fraikin mit Interesse begleitete, entdeckte er an einem der vielen Schuttcontainer die historische Holztafel aus dem 17. Jahrhundert, die ebenso achtlos zum Abfall geworfen worden war wie ein Balken mit der Inschrift „Lesabetha Chremer — Heimbach Anno 1789“. Beherzt rettete er die Raritäten vor der sicheren Zerstörung. Nun übergab er die wertvollen Zeitdokumente der Kunstakademie, „denn sie gehören ins Haus“.