Düren: Eine feurig-rockige Schlagernacht am Dürener Badesee

Düren: Eine feurig-rockige Schlagernacht am Dürener Badesee

Verfahren hatte sich Michael Holm nicht. Er wollte zum Dürener Badesee und landete nicht in „Mendocino“, dem kalifornischen Alt-Hippienest, das er im gleichnamigen Song beschreibt. Nur die Temperaturen an Dürens Adria erinnerten ein wenig an „einen heißen Sommer in San Fernando“ — zum Glück für den Dürener Service Betrieb als Veranstalter und seinen Leiter Richard Müllejans, der sich ein besseres Geschenk zum 55. Geburtstag nicht hätte wünschen können.

Keiner der rund 1000 Besucher der Oldie-Night musste „Barfuß im Regen“ stehen. Alle genossen das sommerliche Flair und einen fulminanten Auftritt des Schlagerbarden aus Oberbayern. Ein „junger Alter“, der auf der Bühne eine Vorstellung hinlegte, bei der sich so mancher fragte, wie das mit über 70 Jahren noch möglich ist. Wahrscheinlich liegt es an einem besonderen Fitnesstraining. Möglicherweise wurde der Grandseigneur der Schlagerbranche aber auch von dem euphorisierten Publikum stimuliert, das sich mit Wohlgefühl daran erinnerte, dass es auch eine Schlagerzeit vor Helene Fischer, Andrea Berg und Beatrice Egli gab. Michael Holm hat seine sonore Stimme behalten. Sie schwächelte zwar manchmal in der Höhe, aber dies störte keinen.

Ted Herold (l.) brachte das Publikum der Oldie-Night am Dürener Badesee mit seinen Rock‘n‘Roll-Interpretationen in Wallung. Ireen Sheer zündete ein Feuerwerk und Michael Holm lieferte eine fulminante Show ab. Foto: Schmitz

Der Auftritt des Schlagersängers war zudem eine Wohltat für die Augen: Die „goldenen Satinanzüge“, mit denen er einst sein Publikum „beglückte“, und das damals obligatorische Halstuch blieben im Schrank. Auf der Bühne stand ein modisch gekleideter, trendiger älterer Herr, der für eine gute Stunde zwanzig Jahre jünger wurde. Er zog alle gesanglichen Register und erinnerte mit seinen Liedern an eine Zeit, als der deutsche Schlager die ZDF-Hitparade prägte. Michael Holm war der „Cover-König“ der Szene, der den Erfolgshits anderer Interpreten eine deutsche Version überstülpte. Seine Performance am Badesee war jedenfalls famos. So manche Besucherin blickte gerührt auf den scheinbar alterslosen Showstar vergangener Zeiten und verdrückte die eine oder andere Träne, die bekanntlich nicht lügen.

Ted Herold (l.) brachte das Publikum der Oldie-Night am Dürener Badesee mit seinen Rock‘n‘Roll-Interpretationen in Wallung. Ireen Sheer zündete ein Feuerwerk und Michael Holm lieferte eine fulminante Show ab. Foto: Schmitz

Ireen Sheer, die für Nino de Angelo eingesprungen war und nicht nur vom „Feuer“ sang, sondern auch „feurig“ daherkam, erwies sich als Glücksgriff. Ihre Songs waren peppig und fetzig, kamen „Wie ein Feuerwerk“ daher.

Viele Musikfacetten

Da stand eine „Schlager-Lady“ auf der Bühne, die nicht nur stimmlich überzeugte, sondern sich auch zu bewegen weiß. Dass auch Ireen Sheer am Rentenalter kratzt, war kaum zu sehen. Ihr Programm beinhaltete viele Musikfacetten. Den klassischen deutschen Pop-Schlager, der von ihr mit viel Verve vorgetragen wurde, aber auch moderne rockige deutsche Musik interpretierte sie mit Herzblut. Ireen Sheer verstand es, ihr Publikum zu begeistern, ließ es teilhaben an ihrem Lampenfieber, als sie noch hinter der Bühne ihren Titel „Showtime“ anstimmte, und wurde begeistert gefeiert, als sie den „Frauen-Verweigerungs-Song“ „Und heut Abend hab ich Kopfweh“ anstimmte.

„Zurück in die Vergangenheit“ ging es mit Ted Herold, dem in seiner Blütezeit attestiert wurde, der „deutsche Elvis“ zu sein. Die Andeutung eines Hüftschwungs beherrscht der „Ü-70er“ noch immer, und auch seine stets klare Stimme brachte die Zuhörerschar vor der Bühne in RocknRoll-Wallungen.

Deutlich wurde am Badesee, dass Rock‘n‘Roll fast immer alle Generationen packt. Da wurde getanzt, mitgesungen, mitgejubelt, wenn sich der Schlager-Star eher zurückhaltend auf den Bühnenbrettern bewegte oder erzählte, dass er auch zwei Jahre in Echtz gelebt hat. Seine Karriere war ein Auf und Ab, seine Lieder wurden zum Teil Evergreens. So war es selbstverständlich, dass Hits wie „Moonlight“, „Ich bin ein Mann“ und „Da Doo Ron Ron“ erklangen.

Das Publikum, das auch die zum zehnten Mal am Badesee vertretene Coverband „Stingray“ bejubelte, erlebte eine gelungene Oldie-Night.