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Theaterfestival: Eine fantasievolle Welt aus Papier

Theaterfestival : Eine fantasievolle Welt aus Papier

Darsteller, Requisiten, Bühnenbild – alles aus Papier. Beim 2. Papiertheaterfestival auf Schloss Burgau konnten die Zuschauer in eine liebevoll gestaltete Welt eintauchen.

„Ein nostalgisches Vergnügen“ nennen Sieglinde und Martin Haase ihre Papiertheaterinszenierungen. Am Samstag hatten Dürener Familien im Rahmen des zweiten Papier- und Figurentheater-Festivals auf Schloss Burgau die Gelegenheit, diesem Vergnügen nachzuspüren und in die Nostalgiewelt der Papierkulissen und -darsteller einzutauchen.

Auf dem Programm stand der Klassiker „Der kleine Lord“ nach dem Roman der englischen Autorin Frances Hodgson Burnett von 1886. Er wurde sehr bekannt dank der Verfilmung, in der Alec Guinness den griesgrämigen Earl of Dorincourt spielt, der nach und nach durch die Großherzigkeit und Liebe seines Enkels Cedric, des „kleinen Lord Fauntleroy“, zu einem besseren Menschen wird.

Für ihre Inszenierung haben Sieglinde und Martin Haase die verschiedenen Schauplätze der Geschichte dreidimensional aus Papier gebaut. Alle Szenerie-Teile, der mit einem Draht drehbare Sessel des Großvaters, die verschiedenen Hintergründe – teils sogar über eine Walze laufend und beweglich, um eine Zugfahrt so realistisch wie möglich zu bebildern – stammen aus der Werkstatt von Martin Haase. Er erzählte im Rahmen eines „Making of“ nach der Vorstellung, wie er die Bilder für Kulissen, Figuren und Requisiten selbst recherchiert, ausdruckt, schneidet und montiert.

Alle Figuren, Requisiten und das Bühnenbild werden in liebevoller Handarbeit aus Papier und Pappe hergestellt.
Alle Figuren, Requisiten und das Bühnenbild werden in liebevoller Handarbeit aus Papier und Pappe hergestellt. Foto: MHA/Anke Holgersson

Auch die Tonaufnahme, die während der Aufführung abgespielt wird, wurde von „Haases Papiertheater“ selbst erstellt. Für die Dialoge haben die beiden Theaterleute Nachbarn, Freunde und Familie mobilisiert, die verschiedenen Rollen einzusprechen. Herausgekommen ist eine auch für Kinder gut verständliche Fassung des Stücks mit guten Dialogen, die von den Amateuren professionell eingesprochen wurden. Eine ganz besonders gute Leistung erbrachte dabei der Sprecher des kleinen Lords, der zwölfjährige Julian, Großneffe von Sieglinde Haase.

Im 19. Jahrhundert, so erzählten die beiden Künstler einführend vor der Vorstellung, sei das Genre des Papiertheaters sehr präsent gewesen. In vielen Haushalten habe es ein solches Theater gegeben. Sie selbst seien bei einem Museumsbesuch am Bodensee vor 25 Jahen „mit dem Papiertheatervirus infiziert“ worden, als sie ein solches kleines Kunstwerk entdeckten. Seitdem arbeiten sie konstant an der Wiederbelebung dieser Theatersparte.

Im vergangenen Jahr konnte Sieglinde Haase in einem aufwendigen Bewerbungsverfahren stellvertretend für die Szene sogar erreichen, dass das Papiertheater von der Deutschen Unesco-Kommission als „Immaterielles Kulturerbe“ anerkannt wurde.