Düren: Eine Dürenerin fährt nach Halle zum Pokalfinale

Düren: Eine Dürenerin fährt nach Halle zum Pokalfinale

Tristesse herrschte auf der Rückfahrt aus Lüneburg im Mannschaftsbus der SWD Powervolleys. Geplatzt war Ende Dezember der Traum von der dritten Pokalfinalteilnahme in Halle/Westfalen. Die Mannschaft von Trainer Michael Mücke war bei Aufsteiger SVG Lüneburg in einem Fünf-Satz-Spiel ausgeschieden.

Auch Annika Blaeser hatte die Niederlage die Stimmung verhagelt: „Ich hatte mich so gefreut, mit dem Team im Gerry-Weber-Stadion tätig werden zu dürfen.“ Denn die 22-jährige Englisch- und Geschichtsstudentin ist nicht nur Anschreiberin bei den Spielen des Erstligisten, sie wird mit ihrem Kollegen aus Lüneburg am Sonntag auch bei den Finalspielen der Männer und Frauen abwechselnd anschreiben beziehungsweise assistieren.

Anschreiber sind die Protokollführer eines Volleyballspiels. Sie füllen den Spielberichtsbogen aus, notieren beispielsweise die Mannschaftsaufstellungen, Punkte, Spielerwechsel, tragen gelbe und rote Karten ein oder verfolgen die Rotationen auf dem Feld.

Früh fand die ehemalige Schülerin des Gymnasiums am Wirteltor zum Volleyball. Mit zehn Jahren begann sie als Spielerin beim TC Kreuzau, wechselte nach vier Jahren zum Dürener TV. Acht Jahre sorgte sie auch als eines der Ballkinder dafür, dass bei den Partien des Bundesligisten die Spieler bei den Aufschlägen immer schnell den Ball zugeworfen bekamen. Und immer wieder fungierte sie bei Spielen von unterklassigen Mannschaften als Anschreiberin, nachdem sie entsprechende Lehrgänge besucht hatte.

Eher zufällig aber nahm sie Platz am Anschreibetisch in der Arena Kreis Düren. Reimund Claßen, der Leiter des Anschreibetischs, bat sie, als Assistentin zu fungieren. Ihre Aufgabe: die Punktetafel zu bedienen, die den Spielstand anzeigt. Und plötzlich war sie selbst Chef am Anschreibetisch.

„Reimund sagte mir eines Tages kurz vor einem Spiel gegen den TV Bühl, dass ich als Anschreiber fungieren solle“, erzählt Annika Blaeser. Zeit, nervös zu werden, hatte sie nicht. Schließlich musste sie sich sofort auf ihre Aufgabe konzentrieren. Die Anforderungen, die für das korrekte Ausfüllen des Spielberichtsbogens vor, während und nach dem Spiel beachtet werden müssen, umfassen sechs Din A4-Seiten.

Natürlich hatte sie vorher eine Prüfung am PC absolvieren müssen. Die hatte es in sich: „Die haben alles, aber auch wirklich alles, was rein theoretisch in einem Spiel passieren kann, in die Prüfungspartie hineingepackt“ sagt Annika Blaeser und lacht.

Seit vier Spielzeiten agiert sie nun als Anschreiberin in der Arena Kreis Düren. Ihr Arbeitsplatz befindet sich zwischen den beiden Trainerbänken und direkt hinter dem zweiten Schiedsrichter. Mit dem Spielleiter steht sie in engem Kontakt. Beispielsweise bei Spielerwechseln. Erst auf ihr Handzeichen hin — sie hebt beide Hände nach oben — wird die Partie wieder freigeben.

Die Arbeit ist in den vergangenen Jahren einfacher geworden: Annika Blaeser gibt alle Angaben in einen Computer ein — und schreibt sie nicht mehr auf Papier. Das Programm erleichtert vieles. Es zeigt beispielsweise Rotationsfehler an. Allerdings: „Ich darf Schiedsrichter oder Mannschaften nicht vor dem Aufschlag auf eine falsche Aufstellung aufmerksam machen, sondern muss warten, bis der Spieler aufgeschlagen hat.“ Pech für das Team: Den Punkt bekommt der Gegner.

Probleme hatte Annika Blaeser während der gut 50 Pflichtspiele in der Arena noch nie. „Ich habe beispielsweise zu Beginn zahlreiche Testpartien am Rechner durchgespielt und mit jeder Meisterschafts- oder Pokalpartie wächst ja auch die Routine.“

Von Trainern und vor allem von Schiedsrichtern und Spielbeobachtern hat sie immer wieder Lob bekommen: „Das freut mich natürlich, weil ich diesen Job gerne mache, die Verantwortung gerne übernehme, mit Spielern und Trainern sprechen kann und eben gerne ehrenamtlich arbeite.“

Und so kam es, dass der Deutsche Volleyballverband im Dezember Annika Blaeser bat, als Anschreiberin und Assistentin der beiden Pokalfinale zu fungieren. Dass statt 1700 Besucher wie in der Arena ihr am 1. März 10.000 Fans zuschauen, macht sie nicht nervös: „Ich werde mich nicht aus der Ruhe bringen lassen.“

Nur vor einen Punkt hat sie etwas Bammel: „Ich hoffe, dass auch beim Pokalfinale keine Probleme mit Laptop und Programm auftauchen.“ Ansonsten gilt: „Ich freue mich riesig.“ Mit einem kleinen Wermutstropfen: „Wenn unsere Dürener sich wie die Aachener Ladies in Black für das Finale qualifiziert hätten, wäre der Sonntag natürlich ein absoluter Sahnetag.“