Marsch im Hürtgenwald: Eine Dank-Prozession für den Frieden

Marsch im Hürtgenwald : Eine Dank-Prozession für den Frieden

Die Hoppenhardt ist für die Menschen in Kleinhau, aber auch in der gesamten Gemeinde Hürtgenwald ein besonderer Ort. Die Hoppenhardt bezeichnet das Stück Wald, das am dichtesten an Kleinhau liegt.

„Während des Zweiten Weltkrieges“, sagt Georg Neunhofer (78), seit 1980 als katholischer Seelsorger in Gey, „haben sich die Menschen dorthin in Sicherheit gebracht. Sie waren davon überzeugt, dass der Wald sie vor Bomben schützt.“ Nicht wenige, ergänzt Neuenhofer, hätten sich während des Krieges sogar mehrere Tage in der Hoppenhardt aufgehalten. „Es gab sogar eine Wasserstelle“, erzählt der Geistliche.

Bildstock errichtet

Maria Sandmann, eine wohlhabende Frau aus der Gemeinde Hürtgenwald hat an der Hoppenhardt einen Marienbildstock errichten lassen. „Zum Gedenken an meinen in Norwegen gefallenen Sohn Wolfgang und an die vielen deutschen Soldaten, die hier im Revier Gieschardt im Zweiten Weltkrieg den Tod gefunden haben“, steht auf einem Schild, das an dem Bildstock angebracht ist.

„Vor einigen Jahren“, erinnert sich Georg Neuenhofer, „haben die Enkel von Frau Sandmann den Bildstock aufwendig sanieren lassen und mich gebeten, ihn zu segnen. Dabei ist mir der Gedanke gekommen, diesen Ort mehr in das Leben unserer Pfarre einzubeziehen.“ Gemeinsam mit dem Kleinhauer Ortvorsteher Wilhelm Schnitzler hat Neuenhofer die Idee für eine Dankprozession für den Frieden entwickelt, die seit 2014 immer am 8. Mai, also dem Jahrestag des Zweiten Weltkrieges stattfindet. Die Teilnehmer treffen sich abends um 21 Uhr an der Kleinhauer Kapelle und ziehen mit Kerzen zur Hoppenhardt. Unterstützt werden sie beim Beten und Singen von einer kleinen Musikgruppe. Neuenhofer: „Prozessionen sind normalerweise immer dazu da, um um etwas zu bitten. Wir wollen danken.“ Das Thema würde viele Menschen ansprechen. „Die Welt ist voller Krieg. Und für viele Hürtgenwalder sind die Erinnerungen an den Krieg immer noch sehr präsent. Das hat diesen Ort unglaublich geprägt. Das spüre ich auch bei der Prozession.“

Großes Bedürfnis

Deutlich wird das Bedürfnis der Menschen, sich zu erinnern, sich mit Opfern von Terror, Krieg und Gewalt solidarisch zu zeigen, aber auch, sich zu bedanken, auch an der recht hohen Teilnehmerzahl. „Im vergangenen Jahr“, sagt Georg Neuenhofer, „haben gut 80 Menschen an der Friedensprozession teilgenommen. Das ist schon beachtlich.“

Dass er mit seiner Initiative einen Gegenpunkt zum jährlich stattfindenden Hürtgenwaldmarsch von Reservistenverbänden setzen möchte, will Neuenhofer so nicht bestätigen. „So weit würde ich nicht gehen“, sagt der katholische Priester. „Wir wollen einfach dafür danken,dass wir in unserem Land seit mehr als 70 Jahren in Frieden und auch in Wohlstand leben können. Mehr nicht.“

Mehr von Aachener Zeitung