1. Lokales
  2. Düren

Inden/Altdorf: Eine Brücke, die ins Niemandsland führt?

Inden/Altdorf : Eine Brücke, die ins Niemandsland führt?

Eine Brücke verbindet - eigentlich. Im Indener Gemeinderat scheidet allerdings ein Bauwerk über die Inde die Geister im Gemeinderat.

Nicht nur das, die Besucher der zweiten Sitzung erlebten am Donnerstag ein zuletzt kaum vorstellbares Bild. SPD und Bündnisgrüne überstimmten in seltener Einmütigkeit die CDU und den parteilosen Bürgermeister Ulrich Schuster. Dabei ist die Landverbindung über den Fluss noch nur ein Gedankenspiel.

Als die Papier- und Kartonfabrik Inden (PKI) vor einigen Jahren florierte, konnten Eigentümer und Bergbautreibender keine Einigkeit über die Entschädigung erzielen. Auf dieser Basis wurde der Beschluss geboren, die Firma quasi als „Insel” im Tagebau zu belassen - mit einer Verkehrsanbindung, die auch eine Brücke über die verlegte Inde nahe Lamersdorf vorsah.

Die Voraussetzungen haben sich mit der Schließung von PKI geändert. RWE Power will nun natürlich keine Infrastruktur schaffen, wenn die nicht genutzt wird und hat diese Absicht formuliert. Im Juristendeutsch nennt sich das Antrag auf Änderung des Planfeststellungsverfahrens.

Hierüber hat es zwischen Gemeinde und Unternehmen Verhandlungen gegeben, auch Absichtserklärungen. Seit Donnerstag gibt es eine neue Situation. Die SPD hatte im Rat mit einem eigenen Beschlussvorschlag überrascht: RWE Power möge den Antrag zurücknehmen und die im ursprünglichen Verfahren „verbindlich zugesagte” Straßenbrücke „unverzüglich realisieren”.

SPD-Fraktionschef Josef-Johann Schmitz argumentiert mit der schlechten Verkehrssituation rund um den Umsiedlungsort. Durch zahlreiche Straßensperrungen, die der Tagebau verursacht hat, gesellten sich auch Behinderungen durch Brückensanierungen und weitere Umwege. Kurzum: Viele Menschen in der Gemeinde Inden haben täglich eine kleine Rallye zu absolvieren.

Genau dies könnte laut Schmitz die geforderte Brücke vereinfachen. Sie würde eine Umfahrung von Lamersdorf, Inden/Altdorf und Lucherberg ermöglichen und solle zudem eine frühzeitige Anbindung an Jülich gewährleisten.

Die Bündnisgrünen sprangen den Sozialdemokraten an die Seite. Hella Rehfisch: „Wir halten das für notwendig und können zustimmen.” CDU-Fraktionschef Karl Schavier erinnerte vergeblich an Gespräche: „An den Fakten hat sich nichts geändert. Es steht kein Financier zur Verfügung.” Zudem würden mindestens drei Jahre bis zu einer Fertigstellung vergehen.

Ein von der CDU im Kreis Düren in Auftrag gegebenes Gutachten hätte zudem ergeben, dass Kosten und Risiken den möglichen Nutzen überstiegen und neue Baugebiete gar gefährden. Eine Brücke, die „20 Jahre im leeren Feld steht”, könne nicht dienlich sein.

SPD und Grünen setzten sich durch, stimmten der beantragten Änderung des Planfeststellungsverfahrens nicht zu. Bei den Kommunalwahlen haben die Grünen der CDU einen Sitz abgejagt, so dass die Union als stärkste Fraktion selbst mit Unterstützung von Bürgermeister Ulrich Schuster keine Mehrheit hat.