Düren: Eine Annakirmes mit Höhenrekorden

Düren: Eine Annakirmes mit Höhenrekorden

So hoch hinaus ist es bei einer Annakirmes noch nie gegangen, so rasant erlebten Adrenalin-Junkies noch nie den freien Fall. 80 Meter hoch ragt der „Sky Fall“ in den Dürener Himmel. Die einzigartige Aussicht aber wird jäh unterbrochen.

In nur drei Sekunden stürzen die Fahrgäste wieder in die Tiefe. Und der Höhenrausch geht weiter: Mal gemächlicher im 55 Meter hohen „Europarad“ und im ebenso hohen Kettenkarussell „Star Flyer“, dann wieder rasanter auf der „XXL-Schaukel“ mit einer Flughöhe von 45 Metern und bei einer Fahrt mit bis mehr als 80 Sachen auf dem „Olympia Looping“. Dürens Schaustellerchef Bert Cremer schwärmt vom „schönsten Platzaufbau seit mehreren Jahren“.

Von wilden Überschlägen im Rundfahrgeschäft „Booster“, über den freien Fall im 80 Meter hohen „Sky Fall“ bis zur rasanten Achterbahnfahrt auf dem „Olympia-Looping“: Die Dürener Annakirmes hat bis zum kommenden Sonntag einiges zu bieten. Dazu zählen auch Klassiker wie das „Europarad“ und der „Playball“. Der Fassanstich wurde zu einer spritzigen Angelegenheit, weil der Messinghahn partout nicht halten wollte. Foto: Abels

Ruhiger Start, Andrang am Abend

Als der Annakirmesplatz am Samstagabend bei besten Wetterbedingungen nach eher ruhigem Beginn erstmals aus den Nähten platzte, waren die Attraktionen ebenso umlagert wie die zahlreichen Biergärten und Imbissstände.

Der Start am Samstagmittag hingegen war eher holprig. Vergeblich warteten die Schausteller, die ersten, auf die Freifahrten in der ersten Viertelstunde schielenden Besucher und Bürgermeister Paul Larue vor dem Annazelt auf die traditionellen Böllerschüsse. Als der Feuerwerker der seit Jahren auf der Annakirmes tätigen Firma Steffes-Ollig mit dem Aufbau fast fertig war, bemerkte er, dass er das Wichtigste, die Böller, in Mayen vergessen hatte. Platzmeister Achim Greiff nahm es mit Humor: „Das kann er am Freitagabend ja wieder gut machen. Jetzt dürfen wir uns beim großen Feuerwerk der Schausteller sicherlich auf ein paar zusätzliche Effekte freuen.“ Zumindest wohl auf drei zusätzliche Böller.

Feucht-fröhlicher Fassanstich

An den fehlenden Böllern lag es freilich nicht, dass der traditionelle Fassanstich zu einem recht spritzigen Vergnügen wurde. Und auch Bürgermeister Paul Larue war diesmal unschuldig. Es lag am Messinghahn, den Brauerei-Vertreter Ralf Schrader vorbereitet hatte. Der Hahn, der eigentlich mit bloßer Hand ins Fass gedrückt werden kann und eines traditionellen Fassanstiches damit unwürdig ist, wollte partout nicht im Spundloch des Fasses halten. Immer wieder rutschte der Messinghahn raus, spritzte das kühle Blonde aus dem Fass.

Spätestens in diesem Moment wussten auch der neue Steuerausschussvorsitzende Hubert Cremer und Staatssekretär Thomas Rachel, warum auf dem Tresen auch noch wasserdichte Köbesschürzen lagen. Im kommenden Jahr werden sie sie sicherlich anziehen. Schließlich musste ein Kunststoff-Hahn mit Gummiring her, damit die ersten Liter Bier noch einigermaßen rechtzeitig fließen konnten.

Apropos Kirmesbier: Dürens Schaustellerchef Bert Cremer hatte nicht zu viel versprochen. Die ortsansässigen Wirte haben ihre Preise nach einer Stichprobe, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, stabil gehalten: Bei ihnen kostet der Viertelliter (0,25) wie in den Vorjahren 2 Euro. Von weither angereiste Großgastronomen jedoch haben die 17-prozentige Standgelderhöhung zum Anlass einer saftigen Preiserhöhung genommen, nehmen jetzt 2,50 Euro oder schenken in kleineren Gläsern aus. Damit liegt der Literpreis auf Oktoberfestniveau.

Die Münchener Wiesenwirte wollen in diesem Jahr zwischen 9,70 und 10,10 Euro für die Mass nehmen, Liveband im Festzelt allerdings inklusive. „Das Volksfest muss volkstümlich bleiben“, hatten im Vorfeld Bert Cremer und sein Münchner Kollege und „Playball“-Betreiber Wolf Claus im Vorfeld mit Blick auf die Preisgestaltung gefordert. Nicht nur einige Wirte haben diesen Ruf offenbar überhört. Auch für so manche Kirmesköstlichkeit und den ein oder anderen Fahrchip müssen die Besucher zum Teil tief in die Tasche greifen.

Das lässt mit Sicherheit bei vielen Kirmesfans die Vorfreude auf den morgigen Familien-Dienstag noch einmal steigen. Dann nämlich gelten ganztägig halbe Fahrpreise.

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