Vettweiß: „Eine Ära geht zu Ende“: Die Letzten Schüler verlassen die Hauptschule

Vettweiß: „Eine Ära geht zu Ende“: Die Letzten Schüler verlassen die Hauptschule

Die Schritte in den Fluren hallen. Kein Gekreische, niemand lacht oder ruft. Leere Treppenhäuser, Stille in den Klassenräumen. Der Pausenhof im Tannenweg ist vollkommen verlassen. Lediglich im Lehrerzimmer der Gemeinschaftshauptschule Vettweiß regt sich noch etwas. Dort ist eine festliche Tafel geschmückt, alte Bilder zieren die Wände, der Stundenplan hängt noch an der Wand.

Zum letzten Mal sitzen sich die Lehrer gegenüber. Lehrpläne und Schüler sind allerdings kein Thema an diesem Abend. Die Abschiedsstimmung ist deutlich spürbar, denn versammelt haben sich sämtliche ehemalige Lehrer und jene, die bis zur letzten Stunde blieben.

Bürgermeister Joachim Kunth (rechts) verabschiedete Rektorin
Bürgermeister Joachim Kunth (rechts) verabschiedete Rektorin Hannelore Böhr (2.v.r.) und ihre Kollegen. Foto: Gemeinde Vettweiß

Das Lehrerzimmer wurde zum Erinnerungsort, die Kollegen saßen so gut wie alle auf ihren alten Plätzen, die Rektorin, Hannelore Böhr, war nicht die einzige, die Tränen verdrücken musste: „Es ist ein schwerer letzter Gang und schade, wie alles gekommen ist. Ich blicke mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die Zeit zurück.“

Mit Blick auf die Entlassfeier der letzten Schüler heißt es von vielen: „Eine Ära geht zu Ende.“ Ein paar Tage später verlassen mit Martina Doeckel-Häcke, Inge Bonn und Hannelore Böhr auch die Lehrer offiziell ihre Wirkungsstätte. Fast 45 Jahre hatte die Hauptschule in Vettweiß Bestand.

Beinahe fünf Jahrzehnte, in denen sie fest etabliert und immer gut besucht war. Der Ruf dieser Schule war von Beginn an ein guter und auch die Resonanz der ehemaligen Schüler ist durchweg positiv. Einer von ihnen ist Bürgermeister Joachim Kunth (CDU): „Nicht nur aus dem Grund, dass ich vor zwanzig Jahren selbst in der Aula der Hauptschule mein Entlassungszeugnis entgegennehmen durfte, kann ich sagen, dass ich sehr stolz bin, solch eine tolle Schule im Gemeindegebiet gehabt zu haben. Umso bedauerlicher ist es, dass diese Schulform nun auch das Gemeindegebiet verlässt, aber das ist der Lauf der Zeit.“

Irgendwann sei es an der Zeit, loszulassen und Platz für Neues zu schaffen. „Das tun wir mit der Erweiterung der Kindertagesstätte und der Grundschule. Beide Einrichtungen teilen sich ab sofort den ehemaligen Hauptschulbereich. Es bleibt also dennoch lebendig.“

Als am 15. Oktober im Jahre 1973 die Schulglocken zum ersten Mal läuteten und knapp 400 Schüler die Hauptschule stürmten, konnte noch niemand ahnen, dass knapp 2800 Schulabgänger später, die Glocken zum letzten Mal läuten würden.

Die Schließung der Gemeinschaftshauptschule Vettweiß wurde bereits vor sechs Jahren beschlossen und war aufgrund der immer weiter sinkenden Schülerzahlen unumgänglich. Die letzte Eingangsklasse hat man mit Ach und Krach im Jahr 2012 zusammenbekommen. Da war bereits eine Sondergenehmigung der Bezirksregierung notwendig.

Dann nahm das Ende seinen Lauf. Jahr für Jahr gingen die Zehner ab, aus den Fünfern wurden die Sechser, dann die Siebener, schließlich selbst die Zehner und die standen dann nur noch mit zwanzig Klassenkameraden zusammen auf dem Schulhof.

Im Rahmen der Entlassfeier der drei Lehrerinnen sprach Bürgermeister Joachim Kunth anerkennende Worte aus, wünschte den meisten einen angenehmen Ruhestand und den anderen Erfolg in der weiteren Laufbahn und bedankte sich im Namen zahlreicher Vettweißer für das Engagement.

Ja, eine Ära ginge zu Ende, der Blick sei aber dennoch in die Zukunft gerichtet.