Heimbach: Ein Weg gegen das Vergessen in Heimbach

Heimbach: Ein Weg gegen das Vergessen in Heimbach

In der Nacht des 9. Novembers 1938 entflammte der von den Nationalsozialisten geschürte Judenhass endgültig: Während der Pogromnacht wurden in ganz Deutschland jüdische Nachbarn verfolgt und ermordet, unzählige Synagogen in Brand gesteckt, tausende von Geschäftshäusern geplündert und verwüstet.

Der Auftakt zu einem systematisierten Massenmord.

Mit einem „Weg gegen das Vergessen” will das Netzwerk „Kirche im Nationalpark” an diesen dunklen Tag in Deutschlands Geschichte erinnern. Gemeinsam mit der Stadt Heimbach, dem Geschichtsverein, sowie den Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde entstand eine „Stadtführung” ganz anderer Art.

Beschritten wird der „Weg gegen das Vergessen” erstmals am morgigen Sonntag. Treffpunkt ist um 17 Uhr die evangelischen Kirche an der Hasenfelder Straße.

Nur wenige Schritte weiter soll der Millionen Zwangsarbeiter zur Zeit des NS-Regimes gedacht werden: Im Stadtgebiet Heimbach, so recherchierte der Geschichtsverein, waren damals mehr als 70 polnische, namentlich bekannte Zivilarbeiter überwiegend in den landwirtschaftlichen Betrieben tätig.

Zusätzlich zimmerten 38 russische und ukrainische Zwangsarbeiter, viele von ihnen Mädchen und Frauen, im Sägewerk Schoeller Transportkisten zusammen. In diesen hölzernen Steigen wurde anschließend das Obst und Gemüse aus dem Vorgebirge bis zur Front verschickt.

„Bei einem Bombenabwurf am Abend des 22. Oktobers 1943 kamen im Hof dieses Sägewerks der 43-jährige Hans Sewerenko und die 19-jährige Nata Hurinewa ums Leben”, weiß Peter Cremer, der Vorsitzende des Geschichtsvereins. „Im Nachlass des Lehrers Josef Daheim haben wir einen zehnseitigen Aufsatz zum Thema ,Bomben auf Heimbach´ gefunden.

Dort schreibt er: ,Welch ein bitteres Geschick, wenn man bedenkt, dass diese Menschen weitab von ihrer Heimat und ihren Lieben zur Arbeit verpflichtet waren. Der Mann hinterließ seine Tochter Olga, die im gleichen Betrieb arbeitsverpflichtet war.´”

Die beiden ausländischen Bombenopfer wurden zunächst in Heimbach beerdigt und später nach Mariawald umgebettet.

Die nächste „Station des Erinnerns” ist dem jüdischen Leben in Heimbach gewidmet: Etwa Ende der 1870er Jahre siedelte sich der in Gemünd geborene Metzger Moses Nathan mit seiner Frau Julia aus Köln in Heimbach an. Sieben ihrer acht Kinder erblickten in Heimbach das Licht der Welt. Auch ihr erstgeborener Sohn wohnt zunächst in dem Pilgerstädtchen.

Fünf seiner Kinder werden dort geboren, bevor Ludwig von Heimbach nach Düren zieht und am Kaiserplatz ebenfalls eine Metzgerei betreibt. Dort verstirbt er 1920. Später werden vier seiner Geschwister sowie seine Tochter Frieda durch das nationalsozialistische Terror-Regime ermordet. Drei seiner Kinder gelingt die Flucht in die USA. Sie überleben.

„Vermutlich”, sagt Peter Cremer, „stand das Haus der Nathans in der heutigen Hengebachstraße 75. Dort werden wir innehalten. Schließlich waren viele Familienmitglieder gebürtige Heimbacher; selbst wenn 1938 hier keine Juden mehr wohnten.”

Im Rosengarten von Burg Hengebach, der dritten Station, referiert anschließend der Heimbacher Bildhauer Karl Mebold. Angesichts der modernen Skulptur „Der Schläfer” von Gerhard Marks will er das Menschenbild des Nationalsozialismus erläutern - verewigt durch die Reliefs und Plastiken auf der Ordensburg Vogelsang. Zudem erinnert er an die damaligen Pläne, Heimbach in ein „NS-Musterdorf” umzugestalten.

Der gut einstündige Gang endet mit einer ökumenischen Gedenk-Messe in der katholischen Wallfahrtskirche.