Düren: Ein Umschlag, der digitale Daten schützt

Düren: Ein Umschlag, der digitale Daten schützt

Große Rollen mit Papier werden jeden Tag bei der Firma Sihl angeliefert — und täglich verlässt Papier das Werk, sei es als Bogenware zum Beispiel im DIN-A4-Format, als große, mittlere oder kleine Rolle. Und doch ist das Papier nach Durchlaufen der Firma ein ganz anderes. Der Prozess ist hochinteressant und technisch ziemlich kompliziert.

20 DZ-Leser hatten am Dienstag die Gelegenheit, einen Blick hinter die Mauern der Firma zu werfen. Geschäftsführer Siegfried Zilliger führte die Gruppe durch das Werk und verdeutlichte, dass Papier nicht gleich Papier ist. „Wir sind eine Beschichtungsfirma“, erklärte Zilliger. In einfachen Worten gesagt, wird bei Sihl aus Papier besonderes Papier gemacht. Das Gleiche gilt auch für Folien, Textilien und andere bahnförmige Medien.

Individuelle Lösungen

„Eine Neuentwicklung ist ein Papierverbund, der das ungewollte Auslesen von Daten verhindert, die auf Transpondern gespeichert sind“, gab Zilliger einen Einblick in die Möglichkeiten von Verbundmaterialien. Ein wichtiges Geschäftsfeld des Unternehmens sind auch Fotopapiere für Tintenstrahldrucker in den unterschiedlichsten Ausführungen.

„Für viele verschiedene Anwendungen braucht es individuelle Papiere“, erklärte Zilliger. So müssten Wanderkarten und Startnummern für Marathonläufer reißfest und wasserabweisend sein, Gepäckanhänger für Koffer selbstklebend und das Papier für Parkscheinautomaten beispielsweise müsste auf Temperaturen reagieren.

Die Materialien für Leuchtreklamen haben wiederum andere Anforderungen als die für Banner oder Plakatpapiere. Fässer, die verschifft werden, brauchen Kennzeichnungen auf seewasserfestem Material. Aber auch das Basispapier für Bahntickets oder „Sanifair-Tickets“ für die Raststättentoilette mit Sicherheitsmerkmalen werden an der Rur hergestellt.

All diese Papierarten und noch viel mehr werden an der Kreuzauer Straße veredelt, hauchdünne Papiere und Folien ebenso wie dickere Kartons und Textilien.

In der „Ansetzküche“ werden Chemikalien zu Beschichtungsmassen zusammengerührt und in Anlagen mit bis zu drei Auftragwerken auf das Trägermaterial gebracht. Ein Vorstrich auf der Bahn sorgt für eine Barriere, die verhindert, dass der eigentliche Funktionsstrich und später auch die Tinte beim Druck in das Papier eindringen. Bei Folien wiederum sorgt der Vorstrich erst für die Haftung des Funktionsstriches auf der Oberfläche. „Damit sich das Papier nach der Beschichtung nicht hebt, benötigt es noch einen Rückseitenstrich“, verdeutlichte Zilliger.

Sihl bietet für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke verschiedenste Oberflächen an, die von hochglänzend bis matt, von transparent bis lichtundurchlässig, von rau bis glatt, von isolierend bis leitend reichen. „Haftung, gleichmäßiger Auftrag und konstante Oberfläche ohne Fehler sind die technischen Herausforderungen für die Produktion“, sagte Zilliger.

Anschließend müssen die Bahnen getrocknet werden. 68 Meter ist das längste Trockenwerk lang, das zur größten Maschine des Werkes gehört. Sie heißt übrigens Frieda — mit „F“, weil auf ihr Fotopapiere produziert werden. Auch alle anderen Maschinen haben seit jeher Frauennamen wie Paula, Elke und Dolly.

„Alle Werke der Sihl-Gruppe zusammen beschichten jedes Jahr 215.000 Kilometer Papier und Folien“, erklärte Zilliger. Das ergebe ein Band, das fünfmal um die Welt reicht. Das Werk an der Rur ist das größte der Gruppe. Dort stellen 295 Mitarbeiter mehr als 3000 Produkte her und erwirtschaften einen Umsatz in Höhe von 80 Millionen Euro pro Jahr. 6500 Sendungen gehen pro Jahr an 900 Kunden aus aller Welt.

Die Produktentwicklung war für die Firma seit der Gründung 1902 ein elementarer Bestandteil. Seit gut einem Jahr ist dazu auch eine neue Laborbeschichtungsanlage in Betrieb genommen worden, die die Gruppe anschauen konnte.