Düren/Köln: Ein Raubzug in Düren verrät die Geldautomatensprenger

Düren/Köln: Ein Raubzug in Düren verrät die Geldautomatensprenger

Eine schwarze Reisetasche voller Geldscheine, volle Geldkassetten, Gasflaschen und zahlreiche Brecheisen: Nach der Sprengung eines Geldautomaten in Düren haben Polizisten in der Nacht zu Mittwoch zwei Tatverdächtige festgenommen. Im mutmaßlichen Fluchtauto der beiden Männer fanden die Ermittler nach eigenen Angaben zahlreiche Beweise.

In wochenlanger Ermittlungsarbeit waren die Fahnder den beiden Niederländern (22 und 30) auf die Schliche gekommen. Sie fanden das Versteck der mutmaßlichen Serientäter in Frechen. Eine Garage. Nach Angaben von Christoph Schulte, Sprecher der Kölner Polizei, sollen die beiden vor der Tat in Düren bereits vier Mal zugeschlagen haben.

Gasflaschen und Brecheisen liegen am 21.12.2016 im Polizeipräsidium in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf einem Tisch. Nach der Sprengung eines Geldautomaten in Düren hat die Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Im Oktober in Leverkusen und im November in Bonn wurde Geld erbeutet, in Köln blieb es im Dezember bei zwei Versuchen. Als in der Nacht zu Mittwoch, dieses Mal mitten in Düren bei einer Filiale der Sparda-Bank, erneut ein Geldautomat gesprengt wurde, schlugen die Ermittler kurz darauf gegen 3 Uhr in der Nacht in Frechen zu. Die beiden mutmaßlichen Täter seien unbewaffnet gewesen und hätten sich ohne Gegenwehr festnehmen lassen.

Beutegeld aus einem Geldautomaten liegt am 21.12.2016 im Polizeipräsidium in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf einem Tisch. Nach der Sprengung eines Geldautomaten in Düren hat die Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Die angemietete Garage

Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies sprach nach der Festnahme von einem „wichtigen Erfolg in dieser schweren Deliktsform“. In diesem Jahr hat es in NRW bereits 132 Sprengattacken auf Geldautomaten gegeben. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2015, als Täter 67 Mal zuschlugen. 2014 waren es nur 26 Fälle.

Hinter den nicht abreißenden Sprengungen stecken laut Landeskriminalamt (LKA) unterschiedliche Täter und Tätergruppen: international agierende Banden, Profis und auch Nachahmer. Oft sind die Täter nach wenigen Minuten mit quietschenden Reifen weg, ehe Polizisten überhaupt am Tatort sein können. Häufig schlugen Täter in der Grenzregion zu. Mehrfach gab es auch schon Fahndungserfolge.

Das Vorgehen von Automatensprengern ist laut LKA häufig dieselbe: Aus dem Nachbarland mit dem Auto anreisen, in einer gemieteten Garage in ein gestohlenes Auto umsteigen und mit diesem dann zum Tatort fahren. In der Garage in Frechen waren die Ermittler auf zwei gehobene Mittelklassewagen gestoßen. Das mutmaßliche Tatfahrzeug von Düren, ein Audi RS 5, ist nach den Erkenntnissen der Ermittler im Februar in den Niederlanden als gestohlen gemeldet worden. Der zweite Wagen ist ein Mietwagen einer niederländischen Firma.

Schnell über eine Autobahn direkt ins Ausland fliehen? „Es ist typisch für die Täter, dass sie keine Flucht unter Hochdruck begehen“, meint der Kommissariatsleiter. Häufig kehrten diese zu den gemieteten Objekten zurück, um alles zu erledigen und sich erst später ins Ausland abzusetzen. Während die Ermittler im Fall Düren einen Fahndungserfolg melden, gab es in Leverkusen und Düsseldorf fast zeitgleich Attacken auf Automaten, die andere Täter verübt haben müssen.

In Leverkusen löste die Sprengung im Vorraum einer Bank sogar einen Gebäudebrand aus. Die Täter sind in diesen beiden Fällen flüchtig. Ob die Fälle dennoch derselben Bande zuzuschreiben sind, sollen die weiteren Ermittlungen klären. Im Dürener Fall gehen die Ermittler laut Schulte davon aus, dass eine größere Gruppierung von 100 Menschen in den Niederlanden dahintersteckt.

Mehr von Aachener Zeitung