„Knollenlan“ spielt rund um Düren: Ein Mord und besondere Beziehungen

„Knollenlan“ spielt rund um Düren : Ein Mord und besondere Beziehungen

Dezember 1967, und im Dürener Land kommt es zu einer schicksalshaften Begegnung. Der zwölfjährige Hans Helfenstein verliert seinen Vater, der infolge einer schweren Krankheit stirbt, und beschließt, von zu Hause abzuhauen.

Am Bahnhof wird er Zeuge davon wie Sepp Preissler (19) seine zwei Jahre jüngere Freundin Renate Ramacher ermordet. Das ungleiche Paar beschließt, gemeinsam zu fliehen.

Hans Helfenstein, Sepp Preissler und Renate Ramacher hat es nie gegeben, die Drei sind vielmehr die Protagonisten in Herbert Pelzers neuem Roman „Knollenland“, der Ende Januar erschienen ist. Nach „Durch die Jahre“, basierend auf der Geschichte des Juden Josef Treu, ist es Pelzers zweiter Roman. Wieder hat der Nörvenicher in dem Werk seine drei großen Leidenschaft vereint: Geschichten, Historie und seine Heimat. Pelzer ist 1956 geboren, an die 60er Jahre kann er sich noch sehr gut erinnern. „Damals“, erzählt er, „wurden in unserer Region noch viel mehr Zuckerrüben angebaut als heute. Und wir haben immer von der ‚Knollen-Prärie’ gesprochen. Daraus ist mein Buchtitelt ‚Knollenland’ entstanden.“

Die Ortsnamen in Pelzers Roman heißen nicht Nörvenich, Merzenich oder Vettweiß, wer sich in der Region auskennt, merkt aber sehr schnell, dass es genau diese Dörfer sein können, die Pelzer beschreibt – auch deswegen, weil man sehr schnell erkennt, was für eine enge Beziehung der Autor zu den Orten seines Buches hat. Und vielleicht auch deswegen, weil dem ein oder anderen die Schauplätze des Romans ziemlich bekannt vorkommen.

Sepp Preissler, der junge Mann, der in dem Roman seine Freundin ersticht, ist von Beruf Glasbläser an einem großen Hochofen. „Ich nenne die Firma Peil und Putzler in meinem Beruf nicht explizit“, sagt Pelzer. „Aber genau an die habe ich beim Schreiben gedacht. Ich mag Peil-und-Putzler-Glas, die haben eine sehr spannende Geschichte. Und die Gegend rund um die Glashütte mit Zuckerfabrik und Schlachthof eignet sich perfekt für einen Roman. Ich habe dort gründlich recherchiert.“ Pelzer hat an Führungen durch das Dürener Stadtviertel teilgenommen, sich die Gegebenheiten vor Ort angekommen.

Herbert Pelzer veröffentlicht seinen zweiten Roman. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Es sind aber nicht nur die detailliert beschriebenen Ort, die seinem Werk soviel Lokalkolorit geben.  Es sind vielmehr auch Kleinigkeiten, wie ein Fußballspiel von Düren 99, die dem Roman ein ganz besonderes Flair geben.  Und es sind die 60er Jahre, natürlich geht es auch um die Musik, Politik und Gesellschaft von damals. „Das alles zu beschreiben, macht mir großen Spaß“, sagt Pelzer. „Vor allem mag ich es aber, meine Heimat, die mir sehr am Herzen liegt, zu nachzuzeichnen.“

Pelzers Buch ist aber vor allem auch eine Geschichte voller menschlicher Abgründe. Dem kleine Hans Helfenstein und seiner Familie geht es gut, die Familie betreibt auf dem Land eine kleine Tankstelle, hat es nach dem Krieg zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Plötzlich wird der Vater unheilbar krank, er stirbt. Der kleine Junge will fliehen, erhält es zu Hause nicht mehr aus. Sepp Preissler, der Glasbläser, ist ein richtiger Macker und Renate Ramacher, das schönste Mädchen im Dorf, ist seine Freundin.

Sepp möchte seiner Renate näher kommen, als er mit ihr schlafen will, weist sie ihn ab. Er tötet sie. Sepp und Hans treffen sich Tag des Mordes und wollen gemeinsam mit dem Auto von Sepps Vater fliehen. Doch an dem Abend, an dem sie den alten VW 1200 stehlen wollen, verlässt der VAter seine Frau und zieht mit dem Auto zu seiner Geliebten in den Dürener Grüngürtel. Die Flucht scheitert. „Ich finde es sehr spannend“, sagt Pelzer, der als Dekorateur beim WDR arbeitet, „solche Beziehungen zu entwickeln. Es gefällt mir, das immer weiter auszuarbeiten.“

Rund ein Jahr hat Pelzer an seinem Roman gearbeitet – und am Ende hat er es sogar geschafft ein Happy-end zu finden. „Natürlich möchte ich das nicht im Detail verraten“, sagt der Autor und lächelt. „Aber Hans und Sepp treffen sich als alte Männer wieder. Und sie finden ihren Frieden.“

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