Düren: Ein Kunstrasenplatz speziell für den Blindenfußball

Düren: Ein Kunstrasenplatz speziell für den Blindenfußball

Wer einen Großteil seines Augenlichts eingebüßt hat oder seit Geburt mit einer Sehbehinderung leben muss, droht nicht selten zu vereinsamen, weil er am gesellschaftlichen Leben nur noch sehr eingeschränkt teilnehmen kann.

„Sport ist daher ein wichtiger Faktor, um der drohenden Isolation zu begegnen”, betont Dr. Hans-Joachim Zeißig, Geschäftsführer des Berufsförderungswerks in Düren (Bfw), das sich dem Thema „Sport und sehbehinderte Menschen” schon seit geraumer Zeit annimmt. Mit dem im vergangenen Jahr gegründeten „Rheinischen Blinden- und Sehbehinderten Sportverein” (www.rbssv.de) will sich das Bfw nun auch gezielt der Leuchtturmsportart Fußball widmen.

Auf dem Gelände des Bfw wird zu diesem Zweck bis Ende September ein 20 x 40 Meter großer Blindenfußballplatz errichtet, mit dem Ziel, die beiden bereits in Düren existierenden Blindenfußballmannschaften zu unterstützen, aber auch weitere Sehbehinderte für den Sport zu gewinnen. Mit Unterstützung zahlreicher Stiftungen, der Sparkasse und weiterer Geldgeber investieren RBSSV und Bfw insgesamt 115\.000 Euro in den notwendigen Kunstrasen. Denn damit Sehbehinderte Fußball spielen können, darf ein Platz keine Unebenheiten oder löchrigen Grasnarben enthalten, begründet Zeißig die Wahl des Untergrunds.

Inhaltlich-konzeptionell werden Bfw und Blindensportverein unterstützt von Dr. Volker Anneken, Leiter des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln. Schon jetzt plant das Bfw nach der offiziellen Einweihung des Platzes im kommenden Frühjahr verschiedene Projekte für Blindensportler auf dem Kunstrasen. Die Bundesligamannschaft aus Köln zeigt bereits Interesse, in Düren zu trainieren, auch verschiedene Lehrgänge sind denkbar.

Der neue Kunstrasen wird nach den Richtlinien der Deutschen Blindenfußball-Liga erstellt, erklärt Landschaftsarchitekt Michael Reepel. An den Längsseiten werden mobile Banden installiert.

Mit dem Bau des Platzes am Bfw sind weitergehende Pläne des RBSSV, sich zur weiteren Stärkung des Blindenfußballs in Düren und der Region an einer immer noch im Raum stehenden Ertüchtigung der Westkampfbahn zu beteiligen, nicht vom Tisch, versicherte Prof. Dr. Heinrich Niehaves, Beisitzer im Verein.

Nach der Absage des Düsseldorfer Innenministeriums, das Projekt zu fördern, wird seit Wochen an einem alternativem Finanzierungsmodell für einen abgespeckten Um- und Ausbau der Traditionsstätte gefeilt. Eine Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen.

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