Vorurteile bekämpfen: Ein Jägertag gegen das Negativ-Image

Vorurteile bekämpfen : Ein Jägertag gegen das Negativ-Image

„Tiermörder“ — so wurde Michael Eggert schon öfters bezeichnet. Das nimmt er sich aber nicht zu Herzen. Der Jäger weiß, wie umstritten sein Hobby ist. Nichtsdestotrotz: „Jäger töten nicht aus Langeweile“, betont er.

Den Vorbehalten und Vorurteilen möchten Eggert und andere Jäger aus dem Kreis Düren entgegentreten. Deswegen präsentiert sich die Kreisjägerschaft am Sonntag beim Jägertag auf der Burg Nideggen (siehe Infobox). „Wir wollen an unserem Negativ-Image arbeiten und darüber aufklären, was wir überhaupt machen“, sagt Eggert. Die Bildung gehört nämlich auch zu seinen Aufgaben als Jäger: Seit sechs Jahren ist Eggert mit der Rollenden Waldschule in Kitas und Schulen im Kreis unterwegs. Dabei bringt er Kindern und Jugendlichen näher, wie nachhaltige Natur funktioniert. „Da bin ich mit Herz und Seele dabei“, sagt Eggert. „Ich möchte mein Wissen an die Kinder weitergeben — und meine Liebe zur Natur.“

Denn immer mehr Kinder verlieren den Bezug zur Natur, erklärt der Kreuzauer. „In meinen Augen kommt dieses Thema im Unterricht zu kurz. Daher sind wir froh, dass unser Angebot so gut von den Schulen angenommen wird.“ Wie wichtig ihm seine Arbeit ist, macht der Ehrenamtler deutlich: „Einmal habe ich für die Waldschule schon meinen Urlaub abgesagt.“ Das sei aber kein Problem gewesen. Denn seitdem der 58-Jährige im Vorruhestand ist, kann er seine Zeit flexibler planen.

Schwieriger war es, als er noch als Elektromaschinenbau-Meister gearbeitet hat, denn sein Hobby ist sehr zeitintensiv. Und wenn mal etwas nicht nach Plan gelaufen war, kam Eggert ein paar Stunden später zur Arbeit. Irgendwie hat er es aber immer geschafft, Beruf und Leidenschaft unter einen Hut zu bringen. Das ist vor allem gelungen, sagt Eggert, weil sein Arbeitgeber sehr tolerant war — genauso wie seine Frau. So kommt es auch hin und wieder vor, dass Eggert komplette Nächte in der Wildnis verbringt statt neben ihr im Bett. „Ich habe das Glück, dass meine Frau immer voll hinter mir und meinem Hobby steht“, sagt Eggert.

Nachdem ihr früherer Wohnort in Pier dem Tagebau weichen musste, sind der gebürtige Stolberger und seine Frau nach Kreuzau gezogen. Seit zwölf Jahren leben sie nun dort, ganz in der Nähe des Waldes, wo sich Eggert besonders wohlfühlt. Auf seinem Hof direkt neben dem Haus hat er seine voll ausgestattete Werkstatt. Wenn er gerade nicht im Wald unterwegs ist, werkelt er dort. Überall liegen Baumaterialien: Draht, Platten, schmale Holzstämme.

Gerade arbeitet der 58-Jährige an einem Hochsitz. Immer mit dabei: sein Hund Charlie. Die Brandelbracke, so nennt sich die Rasse, folgt ihm auf Schritt und Tritt. „Noch nie hatte ich einen so lieben und verschmusten Hund“, sagt Eggert und lächelt. „Wenn man ihn dann konzentriert bei der Arbeit erlebt, glaubt man nicht, dass es der gleiche ist.“ Charlie begleitet ihn auf der Jagd, allerdings ist er ein reiner Lauf- und Suchhund. Schon seit Kindheitstagen ist Eggert bei der Jagd dabei, dementsprechend hatte er schon viele verschiedene Hunde in seinem Jägerleben.

Als kleiner Junge begleitete er seinen Vater und beobachtete das Geschehen neugierig — seine beiden eigenen Kinder hat er aber noch nicht komplett von der Jagd überzeugt. Sie ist eben kein Hobby für jedermann, das weiß Eggert. Schon viele Diskussionen hat er mit Jagd-Gegnern geführt und er will auch künftig offen für andere Ansichten bleiben. Dennoch macht er deutlich: „Schießen und Jagen ist nur ein kleiner Teil der Aufgaben.“

Viel wichtiger sei die Hege und Pflege. Denn jeder Pächter eines Reviers hat die Aufgabe, für Äsungsflächen für Nahrung, Hecken zum Schutz und Dickungen für Nistplätze zu sorgen. Zudem müsse man präventive Maßnahmen finden, um Wildunfälle zu vermeiden. So bringt Eggert Reflektoren an Leitpfosten an, die das Wild vor Fahrzeugen warnen, und er sucht mit seinem Hund Felder nach Jungtieren ab, damit sie nicht in die Fänge der Mähmaschinen geraten.

Die Jagd selbst ist dazu da, den Wildbestand zu regulieren, um die Seuchengefahr zu minimieren und Wildschäden gering zu halten. Dabei muss sich ein Jäger immer an die Schonzeiten halten, die im Bundesjagdgesetz vorgegeben sind. Im Grunde, sagt Eggert, kann man „kein nachhaltigeres Fleisch als Wild“ bekommen.

Am Sonntag beim Jägertag hofft er, einige Menschen erreichen zu können.

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