Düren/Köln: Ein irrwitziger Weg: Vom Krankenhaus zum Kabarett

Düren/Köln: Ein irrwitziger Weg: Vom Krankenhaus zum Kabarett

„Ohne satirische Reflexion ist es nicht einfach, in unserem Gesundheitssystem zu überleben“, sagt der Kabarettist Lüder Wohlenberg. In der Gesundheitspolitik, im Krankenhausmanagement und in der Praxisorganisation würden hohe satirische Qualitäten stecken. Und auch die Bedingungen unter denen manche Mediziner arbeiten müssten, seien oftmals nur noch mit viel Humor zu ertragen.

Ein großes Problem sei zum Beispiel die Zeit. Denn die Zeit für Befunderhebung und Behandlung werde nicht honoriert. Ach ja, und dann sind da ja noch die Patienten.

Wohlenberg weiß das, weil er früher selbst als Radiologe gearbeitet hat. Bevor er sich für die Bühne und gegen den Arztkittel entschied, hat er fünf Jahre im Lendersdorfer Krankenhaus gewirkt - und ist dort sicher dem ein oder anderen Menschen aus dem Kreis schon einmal begegnet.

Wer Lüder Wohlenberg wiedersehen will, braucht dafür nun keine Krankheit mehr, sondern eine Eintrittskarte (die für das Gastspiel im Komm am Montag sind allerdings schon ausverkauft). „Tief in meinem Herzen bin ich noch immer Medizinier und fühle mich auch als Kabarettist den Patienten verpflichtet“, sagt Wohlenberg. Wenn er Nachrichten schaue, dann würde er sich nicht über unsinnige gesundheitspolitische Entscheidungen freuen, nur weil ihm gleich drei gute Pointen dazu einfallen. „Aber wenn schon eine schlechte Entscheidung fällt, dann kann ich sie auf der Bühne ja auch zum Thema machen.“

Freuen würde Lüder Wohlenberg aber, wenn SPD-Politiker Karl Lauterbach - ein gebürtiger Niederzierer - der nächste Gesundheitsminister würde. „Was er sagt, ist ja oft ganz vernünftig, aber das Wie...“, sagt Wohlenberg. „Der ist eine Type und hätte viel kabarettistisches Potenzial.“

Schon während seiner medizinischen Ausbildung war Wohlenberg Autor und Darsteller beim Studentenkabarett „Die Reizwölfe“. „Als sich mir dann die Chance bot, das Kabarett zu professionalisieren, habe ich sie auch ergriffen“, sagt Wohlenberg. Thematisch ist er - auch wenn er anderes ausprobiert hat - der Medizin treu geblieben, denn sie sei ein Thema, das jeden angehe. „Und viele Aspekte sind es einfach wert, auf die Schippe genommen zu werden“, sagt Wohlenberg.

Medizinisches Kabarett ist eine Gratwanderung, schließlich geht es auch um sensible Themen. „Aber das Risiko muss man eingehen. Als Kabarettist will ich Grenzen ausloten, provozieren und Reaktionen hervorrufen“, sagt Wohlenberg. Gleichwohl sei es ihm wichtig, Gefühle nicht zu verletzten und manche Grenzen seien sehr klar. So seien Erkrankungen, die mit einem schweren Schicksal verbunden sind, kein Thema für die Bühnen des Kabaretts. Thema könne aber werden, was die Besucher ihm erzählen - und es gebe nicht gerade wenige kuriose Geschichten von Patienten und Kollegen.

Gute Erinnerungen an Düren

An Düren und den Kreis hat Lüder Wohlenberg, der mit seiner Familie in Köln lebt, gute Erinnerungen. „Vom Krankenhaus habe ich alles mit dem Rad erkundet, was in einer halben Stunde erreichbar war“, sagt Wohlenberg. Auch die Eifel habe er gerne besucht. „Und wie die Wagen der Rurtalbahn eingleisig dorthin fahren — das ist irgendwie archaisch.“

Überhaupt findet Wohlenberg Düren schöner, als man es von einem Wahlkölner und gebürtigem Hamburger erwarten würde. „Das Stadtbild ist doch ähnlich. Nur, dass wir den Dom haben“, sagt der Kabarettist lachend. Als Leser mehrerer Zeitungen finde er besonders die Geschichte der Papierindustrie spannend, und es sei erstaunlich, was Düren für eine Stadt dieser Größe an kulturellem Angebot habe, sei es mit den Jazz-Tagen oder im Komm, wo er am Montag die Menschen zum Lachen bringen will. Apropos: Ist Lachen denn die beste Medizin? „Nein, das ist in dieser Formulierung sicher falsch.“ Umgekehrt gelte aber, dass Menschen, denen es gut gehe, auch gerne lachen. „Aber mit Humor und mit einer positiven Einstellung lässt sich viel erreichen.“

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