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Vettweiß: Ein Hauch von Hollywood auf dem Acker

Vettweiß : Ein Hauch von Hollywood auf dem Acker

„Film, das heißt vor allem Warten”, beruhigt Pressesprecherin Karoline Nagel bei den Dreharbeiten zum Action-Streifen „Lasko” auf einem Feld nahe Vettweiß - Warten auf einen Zug.

Gedreht wird auf der Bahnstrecke Düren-Zülpich, vier Tage lang. Die Strecke ist nur wenig befahren. Doch der Zug hat offenbar Verspätung...

Um die Zeit zu verkürzen, noch kurz etwas zur Handlung des Spielfilms, der voraussichtlich 2005 von RTL ausgestrahlt wird: Terroristen stehlen aus einem Labor tödliche Viren und flüchten in einem Zug mit Fahrtziel Lourdes. Um unentdeckt zu bleiben, maskieren sie sich als Mönche und Nonnen. Eine tolle Tarnung unter Wallfahrern, denken sich die Bösewichte.

Doch nebenan sitzen die Guten: Mönch Lasko und Mitbruder Gladius, die, wie es der Zufall will, dem geheimen und anti-terroristisch eingestellten Orden „Pugnus Dei” (Die Faust Gottes) angehören, schöpfen Verdacht. Dass die Faust Gottes im Kampf für eine gute Sache, nämlich die Rettung der alsbald zu Geiseln genommenen Pilger, auch kräftig zulangen kann, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Endlich rattert der Zug mit 40 km/h heran. Auf dem Dach drängeln sich zwanzig Personen. Hauptdarsteller Mathis „Lasko” Landwehr kämpft mit einem Bösewicht, drei Kameras halten die Szene fest.

Möglich ist das durch rutschfeste Matten und an den Waggons seitlich montierte Balkone, die den Kameras Platz und den Schauspielern einen Absturzschutz bieten. Ein Großteil des Films wird während der anderthalbmonatigen Drehzeit in diesem rollenden Studio produziert. Auch Dialoge, heißt es, doch heute ist nur Action angesagt: Einsatz mit Händen, Füßen und Fäusten.

„Rohe Gewalt kommt bei uns aber nicht auf den Tisch”, versichert Produktionsleiter Kay Niessen von der Filmfirma „action factory”. Schließlich wolle man ein „hochwertiges Produkt” fürs Fernsehen produzieren.

Übrigens in englischer Sprache, der Export des Streifens ist fest eingeplant. „Action made in Germany” sei auf dem internationalen Markt sehr gefragt, sagt Niessen. International ist daher auch die Besetzung: Bösewicht Nummer Eins ist Arnold Vosloo („Die Mumie”).

Für 4,1 Millionen Euro entstehen so 90 Minuten Unterhaltung. Eine Million kommt aus Fördertöpfen der Filmstiftung NRW. Verschossen werden rund 45 Kilometer Film und 60 bis 100 Tausend Euro pro Drehtag. Im Durchschnitt.

Doch heute wirds teurer, denn die Polizei ist endlich wach geworden, hat den Diebstahl bemerkt und dem Zug einen Helikopter hinterhergeschickt. Schade nur, dass einer der bösen Mönche einen Raketenwerfer unter der Kutte trägt und den Hubschrauber vom Himmel holt. Das soll auch bei Vettweiß gedreht werden.

Erstmal wiederholt sich aber das Warten. Rund ein Dutzend Schaulustiger hat sich auf dem abgeernteten Rübenfeld eingefunden, will das ganz große Kino in der kleinen Gemeinde miterleben. Der Helikopter („Kein Modell! Der ist echt, nur ausrangiert”) hängt an zwei Kränen. Die Leute gucken hoch.

Dann endlich rumpelt der Zug heran, der Hubschrauber segelt zu Boden, explodiert in der Luft und schlägt als Feuerball auf. Das wars. „Der ist an der falschen Stelle explodiert”, sagt Niessen nachher. Mit einer anderen Kameraeinstellung falle das später aber gar nicht auf. Na dann, Klappe, Aus. Geklatscht hat übrigens keiner.

Im Zug geht´s zurück zur Basis in Jakobwüllesheim: Ausladen. Einer der Polizei-Eliteeinheit-Schauspieler versucht, durch das Gebüsch abzukürzen, bleibt in einem Baum hängen, muss auf den Weg zurücktrotten. Im Film wird er sich kurz vor der Zerstörung des Helikopters noch souverän abseilen. Im Film eben.

Letztlich gehe es in seinem Metier um die „Illusion”, sagt Niessen. Spektakuläre Bilder, deren Entstehung unspektakulär wirkt. Ob sich das Ergebnis sehen lassen kann, wird sich zeigen. Bis dahin heißt es warten...