Stockheim: Ein großes Dorf wird aus dem Schlaf geküsst

Stockheim: Ein großes Dorf wird aus dem Schlaf geküsst

Stockheim ist ein Ort, der in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen ist. „Zu schnell vielleicht“, sagen Jürgen Laufenberg und Johannes Lauterbach. Mit dem Neubaugebiet „Marieneiche“ wird der Ort, der schon jetzt mehr als 2600 Einwohner zählt, noch mal um 100 Häuser erweitert und dürfte dann an der 3000 kratzen.

„Die Leute, die dort hinziehen, wollen wir direkt einbeziehen“, sagen Jürgen Laufenberg und Johannes Lauterbach. Der Vorsitzende der Stockheimer Interessengemeinschaft (Stig) und sein Stellvertreter wissen, „dass in Stockheim in den vergangenen Jahren viele Aktivitäten eingeschlafen sind“. Zusammenhalt und Zusammenhang waren ein wenig verloren gegangen.

Im Einsatz für Stockheim: Jürgen Laufenberg und Johannes Lauterbach. Foto: Berners

Die Suche nach den Ursachen ist müßig, darum blicken die Stockheimer nach vorne: Um den Ort wieder auf Vordermann zu bringen, haben Laufenberg, Lauterbach und ihre Mitstreiter die Stockheimer Interessengesellschaft gegründet. Die hat das Ziel, den Ort optisch zu verschönern und — ergänzend zu den Aktivitäten der Vereine und in Zusammenarbeit mit diesen — mit neuem Leben zu füllen. „Wir wollen die Lebensqualität im Ort verbessern und die Dorfgemeinschaft stärken“, erklärt Lauterbach. Die Kinder sollten den Ort wieder als liebenswert empfinden und das gehe nur, wenn in dem Ort auch etwas passiere, es Aktionen gebe. Die Konkurrenz in der Stadt liege nah.

Die Initiatoren der Stig waren nicht die Einzigen, die Lust hatten, etwas für den Ort zu tun. Schnell schlossen sich 130 Stockheimer an, um sich für das Motto „Von Stockheim für Stockheim“ starkzumachen — jeder, wie er kann und will. Mittlerweile hat die Stig 160 Mitglieder.

Erwartungen übertroffen

Bei einer Ideenbörse wurde gleich zu Beginn der Arbeit eine lange Aufgaben- und Wunschliste erstellt. Dazu gehörte die Verschönerung der Ortseingänge und Säuberungsaktionen ebenso wie die Ausrichtung des St.-Andreas-Lichterfestes in Zusammenarbeit mit dem Denkmalverein. Der Vorstand ist mit dem Gründungsjahr zufrieden. Viele Erwartungen seien übertroffen worden, die Stockheimer sprechen von einer „Aufbruchstimmung“. „Es ist schön, dass es so viele Leute gibt, die das dörfliche Zusammenleben wertvoll finden“, sagt Laufenberg. Willkommen sei in der Stig jeder, aber es wird auch akzeptiert, wenn jemand in einem Dorf nur wohnen will. Die Stig will mit ihren Aktionen einen Treffpunkt schaffen, schließlich gibt es in dem Ort nicht mal mehr eine Kneipe.

Eine Herzensangelegenheit ist es für Jürgen Laufenberg und Johannes Lauterbach auch, das Mehrgenerationenprojekt zu verstärken. „Es ist nicht leicht, alle Generationen zusammenzubringen“, wissen die Männer. Aber sie wollen dieses Ziel erreichen. „Optimal ist es, wenn die jungen Leute etwas von den alten und die alten Leute etwas von den jungen lernen können“, sagt Lauterbach. Beim Miteinander würden sich Gespräche entwickeln, es entstünden Verständnis und gegenseitiger Respekt.

Um dieses Ziel zu erreichen, bietet die Stig zum Beispiel das Erzähl-Café (Donnerstag, 21. Februar, 21. März, 15 Uhr, Pfarrheim) und Familienwanderungen (13. April) an, mehr soll folgen — unter dem Motto „Stockheim op jöck“. Darüber hinaus haben Sabine Smout, Rosalin Tribus und Sandy Weyermann in einem Projekt von Stig und Pfarrgemeinderat die „Stockheimer Bücherkiste“ eine Kinderbücherei aufgebaut. Es tut sich was in Stockheim — und das sind nicht nur die Bagger an der Marieneiche.