Ein Etappensieg der Windprojektgegner in Heimbach

Geplantes Repowering in Vlatten : Ein Etappensieg der Windprojektgegner in Heimbach

Applaus in Rathäusern hört man eher selten. Im Heimbacher Sitzungssaal brauste am Donnerstagabend gleich mehrfach Beifall auf: immer dann, wenn eine der Fraktionen im Stadtentwicklungsausschuss erklärte, dass sie dem Vorhaben, den Windpark Vlatten mit fünf 200 Meter hohen Windkraftanlagen aufzurüsten, die Zustimmung versagen werden. Vier Mal war das der Fall, vier Mal jubelten die Vertreter der Bürgerinitiativen. Das ist für sie ein Etappensieg.

Der Kampf ist aus Sicht der Projektgegner allerdings noch nicht endgültig gewonnen und überstanden. Denn der Kreis Düren, bei dem der Antrag der Erkelenzer Firma Wind Repowering vorliegt, kann das erforderliche Einvernehmen der Stadt ersetzen, er kann es aber auch lassen. Und in letzter Konsequenz könnte der Antragsteller klagen. Aber nichtsdestotrotz freuen sich die Menschen aus dem Heimbacher Ortsteil Vlatten und dem Mechernicher Dorf Berg über diese Haltung der Mehrheit ihrer Volksvertreter, die sie vor und während der Sitzung mit Trillerpfeifen und etlichen Plakaten auf ihren Standpunkt unmissverständlich hinwiesen.

Die Bürger leben schon zwei Jahrzehnte mit und neben den acht vorhandenen Windrädern, die bis zu gut 130 Meter hoch sind. Das Repowering – also den Ersatz durch größere und leistungsstärkere – wollen sie nicht und führten dafür auch viele Argumente bei der Bürgerversammlung in dieser Woche an, über die wir berichteten. Sie fürchten Auswirkungen durch Schall, Schatten, Infraschall und ein aus ihrer Sicht verschandeltes Landschaftsbild am Rande des Nationalparks.

Unmittelbar vor der Sitzung bekamen sie überraschenden Beistand. Jörg Puppe aus dem Heimbacher Ortsteil Hasenfeld zog unter lautem Jubel vors Verwaltungsgebäude, auf seinem Plakat war die Solidaritätsadresse „Hasenfeld läuft Sturm“ zu lesen. Er hat ein paar Mitstreiter gefunden und wie die Menschen in Vlatten und Berg eine Bürgerinitiative gegründet. „Und zwar auch in Solidarität mit der Natur des Nationalparks Eifel“, wie er erklärte.

Nachdem Bürgermeister Peter Cremer, Ausschussvorsitzender Matthias Dürbaum (SPD) und die Rechtsanwälte der Stadt grundlegend über das Verfahren informiert hatten, positionierten sich die Fraktionen. Kritik gab es insbesondere von der CDU am Zeitfaktor, denn die erforderliche Prüfung des Projektes binnen zwei Monaten, die bald auslaufen, sei zu ambitioniert. „Das schafft kein Vertrauen“, sagte Jochen Weiler und erklärte, dass seine Fraktion das Einvernehmen nach gründlicher Auseinandersetzung versagen werde. Gleiches gilt für die UWV, die SPD und die FDP.

Lediglich die Grünen konnten keinen Grund erkennen, dem Antrag das Einvernehmen nicht zu erteilen. „Mir wäre lieber, das käme nicht“, sagte Holger Beck, aber er sehe maximal im Schallgutachten eine Ungereimtheit. Er fürchte, dass die Stadt mit ihrem Flächennutzungsplan von 1999, der eine Windrad-Höhenbegrenzung von 75 Metern über Gelände vorsieht, im Falle einer Klage wegen fehlender Wirtschaftlichkeit eines privilegierten Projektes wie der Windkraft Schiffbruch erleiden könnte. Die Grünen votierten für das Projekt, die überwiegende Mehrheit damit nicht.

Nächste Woche ist das Vorhaben erneut Thema, dann im Stadtrat (Donnerstag, 16. Mai, 19 Uhr). Eine grundlegende andere Entscheidung ist nach der Empfehlung des Fachausschusses nicht zu erwarten.

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