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Frauwüllesheim: Ein Dorf wird von fünf Straßen zerrissen

Frauwüllesheim : Ein Dorf wird von fünf Straßen zerrissen

Das Dorf liegt im Morgennebel. Aus dem grauen Dunst ragt nur der Kirchturm steil empor. Der Ort strahlt Ruhe aus. Jedenfalls aus der Ferne.

Wer näher kommt, gewinnt ganz andere Eindrücke. Frauwüllesheim ist eine Drehscheibe. Der 753 Einwohner zählende Ortsteil von Nörvenich ist im Stress. Wie eine Spinne liegt das Dorf im Verkehrsnetz.

Fünf Straßen führen mitten hinein. Zur Zeit des Berufsverkehrs rollen Kolonnen von Fahrzeugen durch die enge Ortsdurchfahrt, bis zu 10.000 Kfz täglich, darunter viele Lkw.

Täglich 10.000 Kfz

Und es wird noch schlimmer kommen: Wenn der Transitverkehr ab 2005 mit Lkw-Maut zur Kasse gebeten wird, fürchten die Bewohner endgültig das Chaos.

Denn ihr Wohnort liegt auf einer Nebenstrecke, die Speditionsunternehmen bestens bekannt ist: als kurze und dann preiswerte Verbindung in Richtung Süden.

Zwischen Venlo und Trier wird es in wenigen Jahren nur noch zwei Ortsdurchfahrten geben. Eine davon ist Frauwüllesheim, die andere Kelz (Gemeinde Vettweiß). Jetzt gehen die Bürger auf die Barrikaden.

In einer Versammlung, zu der Bürgermeister Hans Jürgen Schüller eingeladen hatte, wurde eine Resolution formuliert und verabschiedet, die eine Höherstufung der nahezu fertig geplanten Umgehungsstraße (L 264n) im Landesstraßenbedarfsplan fordert. Der nur 2,1 Kilometer lange Neubau schien im Jahr 2003 schon in greifbare Nähe gerückt.

Doch der von Rot-Grün dominierte Verkehrsausschuss des NRW-Landtages kippte das Projekt, bevor es zur Planfeststellung kam.

Und die genervten Bewohner gucken in die Röhre. Denn die Umgehungsstraße rangiert derzeit weit hinten auf dem Wunschzettel der Landesregierung.

Haußmanns Argumente

Schüller ließ in der gut besuchten Versammlung in der Bürgerhalle die Chronologie des Projekts Revue passieren, bis hin zum vorläufigen Scheitern im letzten Herbst.

Es sei bisher nicht gelungen, die Verantwortlichen von der Notwendigkeit des Straßenbaues zu überzeugen, bedauerte der Bürgermeister. In der Versammlung wurde klar, wer dafür die Verantwortung zu tragen hat: die rot-grüne Mehrheit im Verkehrsausschuss des Landtages.

Die anwesende Landtagsabgeordnete Sybille Haußmann bestätigte den Sachverhalt und nannte Argumente. Man gebe dem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und der Reaktivierung der Eisenbahnlinie Düren-Euskirchen den Vorzug. Dass damit kein Lkw weniger durch das Dorf fahren wird, wurde ihr in der Diskussion mehrfach vorgehalten.

Außer Haußmann war der CDU-Landtagsabgeordnete Rolf Seel der Einladung nach Frauwüllesheim gefolgt. Er unterstrich die Notwendigkeit der neuen L 264 und forderte alle Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Düren auf, die Forderung nach Aufnahme des Projekts in die Dringlichkeitsstufe 1 zu unterstützen.

Der Leiter des Landesbetriebs Straßenbau, Jürgen Jacobs, und seine Mitarbeiter stellten in der Versammlung die bisherige Planung vor. Beim Neubau wird eine Anbindung des Dorfes im Westen nur noch über einen Kreisverkehr auf der L 327 erfolgen. Statt der heute durchschnittlich gezählten 7500 Kfz würden dann nur noch 1500 den Ort durchfahren.

Dass es Zeit zu handeln ist, wissen auch die Planer: Wenn die neue Autobahnanschlussstelle Düren-Ost (bei Ellen) fertig ist, wird es an dieser Stelle eine direkte Anbindung an die L 264 geben mit der Folge, dass die Strecke an Bedeutung gewinnt. Noch mehr Verkehr also für das Dorf.

Das wollen die Bewohner nicht hinnehmen. Ortsvorsteher Ludwig Siepen, der sich in der Versammlung als engagierter Verfechter der Neubaustrecke vorstelle, wird in den nächsten Tagen in seinem Wohnort Unterschriften sammeln, damit die verfasste Resolution noch mehr Gewicht erhält. Dann soll das Papier dem Verkehrsausschuss des Landtages und dem Regierungspräsidenten zugeleitet werden.

Unterdessen denkt man in Nörvenich an ein zweites ebenso notwendiges Straßenbauvorhaben: Eine Ortsumgehung für Eschweiler über Feld ist längst überfällig.