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Düren: Ein Chat, und plötzlich steht ein Pädophiler vor der Haustür

Düren : Ein Chat, und plötzlich steht ein Pädophiler vor der Haustür

Briefe schreiben ist out, Chatten ist angesagt. Das Plaudern im Internet erlebt eine Blüte. Im Grundschulalter geht es damit los, vier Jahre später sitzen ganze Klassen nach Schulschluss vor dem Computer und schicken sich elektronische Briefchen, verabreden sich, tauschen Befindlichkeiten aus. Sekundenschnell, weltweit, die Möglichkeiten sind gewaltig, die Gefahren auch.

Denn zunehmend mischen sich unter die „Chatter” auch pädophile Internet-Nutzer, die Jugendliche verbal missbrauchen, pornographische Bilder verschicken und nicht selten versuchen, durch geschicktes Ausfragen an die Adresse der Kinder in der „richtigen Welt” zu gelangen und sie zu Hause oder auf dem Schulweg anzusprechen.

„Das gibt es auch im Kreis Düren”, berichtet Sigrid Bergsch von „basta!”, einem Verein gegen sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen, von mehr als einem Fall. Der Typ aus dem Chat tauchte plötzlich vor der Haustür eines minderjährigen Mädchens auf, hat zuvor durch Beobachtungen herausgefunden, wann dessen Eltern nicht zu Hause sind. „Die Gefahren des Chattens werden von den Erwachsenen nicht immer erkannt”, warnt Sigrid Bergsch.

Die Methode der pädophilen Chatter sei dabei meist gleich: Ausgehend von einem eher belanglosen Gesprächsstart geht es den Kindern schnell virtuell an die Wäsche. „Was trägst Du denn gerade?” sei eine oft gestellte Frage, der schnell auch der Zusatz „und was trägst Du drunter? Hast Du schon Schamhaare?” folge. Beliebt auch: die Frage nach einer Web-Cam oder nach einem Bild. Wer selber eine Fotografie von sich an Unbekannte verschicke müsse damit rechnen, auf fragwürdigen Seiten aufzutauchen. Oder als Fotomontage: Der Kopf des Kindes auf einem nackten Unterkörper beispielsweise. „Solche Bilder kursieren im Internet, werden getauscht”, berichtet Sigrid Bergsch. Ebenso wie Videofilme von Web-Cams, oder mit dem Mobiltelefon aufgenommene Bilder.

Um ihre Kinder besser schützen zu können, rät die Expertin Eltern sich mit Computer, Internet und Chat auseinander zu setzen, gewisse Seiten und Inhalte zu sperren und generell offen mit dem Thema umzugehen. Mit den Kindern sollte über die möglichen Gefahren gesprochen werden und ihnen dabei versichert werden, dass sie sich bei Problemen jederzeit an die Eltern wenden können.

„Schließen sie mit ihren Kindern einen Vertrag”, rät die Expertin. Eine Stunde Chat pro Tag sei mehr als ausreichend. Der Computer sollte zudem nie im Kinderzimmer stehen, sondern dort, wo Eltern - aber auch Lehrer in der Schule - einen Blick auf den Monitor werfen können. Die richtige Adresse, Telefonnummern oder Details über das eigene Leben sind weder Gesprächsthema im Chat noch sinnvoller Inhalt einer Internetseite. Der gewählte Spitzname ist so zu wählen, dass er keine Hinweise auf Alter und Geschlecht liefert. Namen wie „suesse13weiblich” oder „tangalady” würden erfahrungsgemäß viel Aufmerksamkeit erfahren.

Auf eine Frage wie „Bist Du alleine?” sollte mit Misstrauen und einem Hinweis wie „Meine Mutter ist neben mir” reagiert werden. Ebenso abschreckend für pädophile Chatter sei der Hinweis auf eine von einigen Chat-Anbietern zur Verfügung gestellte Protokollierung des Gesprächs und einem anschließenden Gang zur Polizei. Manches ungewollte Gespräch habe so abrupt geendet.