Düren: Ein Buch, in dem viel Düren steckt: „Europa liegt um die Ecke“

Düren: Ein Buch, in dem viel Düren steckt: „Europa liegt um die Ecke“

Am Ende der Lesung von Michael Esser entstand eine Diskussion über die Zukunft Dürens in seiner Lage zwischen Aachen und Köln. „Vielleicht tut Düren gut daran, seine Eigenständigkeit weiter zu betonen und Lösungen vermehrt in Europa zu suchen“, schlug Esser im Haus der Stadt vor. Als Journalist des Westdeutschen Rundfunks (WDR) ist er über Jahre zum Kenner der Stadt geworden.

In seinem Buch „Europa liegt um die Ecke“ hat er 15 Geschichten in Nordrhein-Westfalen recherchiert, die zeigen, wo Europa bereits funktioniert. Düren selbst sei zwar nicht dabei, aber auch wenn das Wort nicht im Buch vorkäme „sei in vielen Geschichten sehr viel Düren drin“. Für sein Werk reiste Esser ein halbes Jahr durch das Bundesland. Von praktischen Problemen an der Grenze in Herzogenrath und Kerkrade bis hin zur Metropole Köln, wo „so viel Europa passiert, dass keiner mehr alles wissen kann“, schrieb er auf, wo die Europäische Union (EU) in den Alltag der Menschen dringt.

Sein Schreibstil ist dabei auffallend journalistisch. Ausführlich portraitiert er die Menschen und zeichnet die Szenerien nach, denen er auf seiner Reise begegnet ist. Besonders auffällig ist das Können, seine Kernbotschaften in einem einzigen, markanten Satz zusammenzufassen: „Wenn in Bulgarien die EU-Mittel nicht genutzt werden, tritt das Problem eben in Dortmund auf“, unterstreicht er eine Forderung nach der Zuweisung ungenutzter EU-Gelder an belastete deutsche Kommunen. An anderer Stelle fasst er eine Entdeckung, dass EU-Projekte zum selbstverständlichen Alltag geworden sind, so zusammen: „Manchmal ist EU drin, obwohl EU gar nicht drauf steht.“

Seine Kernbotschaft „In Zeiten der Krise zeigen, wo Europa Probleme auch bewältigt“ hat er vor zwei Jahren formuliert. Er würde sie aber auch heute im Augenschein der Flüchtlingssituation nicht ändern: „Es gäbe vielleicht andere Geschichten, der Stil bliebe aber gleich.“

Bezogen auf die derzeitige Situation zeigt er sich vor allem von einem Interview mit dem Prääsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz (SPD) beeindruckt. Als Antwort auf Essers Frage, ob die EU nicht Kopfsache sei und der Nationalismus Bäuche und Herzen teilweise besser erreicht habe, erwiderte Schulz: „Er hat aber auch die Gräberfelder besser gefüllt.“

(heb)
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