Nörvenich: DZ-Sommertour: Willkommen in „Eurofighter City“

Nörvenich: DZ-Sommertour: Willkommen in „Eurofighter City“

Seit die ersten Eurofighter des Geschwaders im Dezember 2009 in Nörvenich landeten und damit das Ende der Tornado-Ära einläuteten, hat sich auf dem Fliegerhorst vieles verändert. Rund 150 Millionen Euro wurden in eine neue, zentralisierte Infrastruktur investiert, in neue Gebäude, in modernste Technik und Datenleitungen.

Abgeschlossen aber ist die Umrüstung des Verbandes noch lange nicht. „Wir rechnen damit, dass alle Maßnahmen bis 2018/19 abgeschlossen sind“, erklärte Oberstabsfeldwebel Thomas Hohlbein den Teilnehmern der 2. Etappe der DZ-Sommertour. Bis Jahresende soll die neue Instandsetzungshalle fertiggestellt sei, in die die DZ-Leser schon einmal einen exklusiven Blick werfen konnten. Sechs Eurofighter können in der gigantischen, freitragenden Halle nebeneinander gewartet und repariert werden.

Einblicke in „Eurofighter City“: In einem der „Ten Packs“, den Eurofighter-Garagen, stellten Infomeister Thomas Hohlbein (oben, l.) und Tobias Kuszmierczyk (oben, r.) den modernsten Kampfjet der Bundeswehr vor, bevor die Leser das Hightech-Flugzeug im Landeanflug erlebten. Einen exklusiven Blick gewährte der Informationsmeister in die neue Instandsetzungshalle, die bis Jahresende fertiggestellt sein soll. Foto: Jörg Abels

Mehr als 200 Millionen Euro

Einblicke in „Eurofighter City“: In einem der „Ten Packs“, den Eurofighter-Garagen, stellten Infomeister Thomas Hohlbein (oben, l.) und Tobias Kuszmierczyk (oben, r.) den modernsten Kampfjet der Bundeswehr vor, bevor die Leser das Hightech-Flugzeug im Landeanflug erlebten. Einen exklusiven Blick gewährte der Informationsmeister in die neue Instandsetzungshalle, die bis Jahresende fertiggestellt sein soll. Foto: Jörg Abels

Wenn am Ende auch die derzeit noch in der Kerpener „Boelcke“-Kaserne untergebrachten Ärzte und Sanitäter auf dem Fliegerhorst eine neue Heimat gefunden haben, werden die Investitionen sogar die 200-Millionen-Euro-Marke gerissen haben.

Einblicke in „Eurofighter City“: In einem der „Ten Packs“, den Eurofighter-Garagen, stellten Infomeister Thomas Hohlbein (oben, l.) und Tobias Kuszmierczyk (oben, r.) den modernsten Kampfjet der Bundeswehr vor, bevor die Leser das Hightech-Flugzeug im Landeanflug erlebten. Einen exklusiven Blick gewährte der Informationsmeister in die neue Instandsetzungshalle, die bis Jahresende fertiggestellt sein soll. Foto: Jörg Abels

Im Mittelpunkt der Tour, die einmal rund um den Fliegerhorst führte, aber stand der Eurofighter, das modernste Kampfflugzeug der Luftwaffe und ein „fliegender Hightech-Computer“, wie Thomas Hohlbein betonte, der auch auf rund 100 Sprachbefehle des Piloten reagieren kann.

In „Eurofighter-City“ erklärte Oberfeldwebel Tobias Kuszmierczyk von der Wartungs- und Waffenstaffel in einer der Flugzeuggaragen die Bewaffnung — von der Bordkanone bis zu den Lenkflugkörpern. Er ging auf die Verteidigungssysteme des Kampfjets ein — von der Beschusswarnung bis zum Ausstoß aktiver Täuschkörper — und die Leistungsfähigkeit der beiden Triebwerke, die den Jet auf mehr als 2000 Stundenkilometer beschleunigen. „Sie verbrauchen zwischen acht Liter Treibstoff pro Minute im Leerlauf bis zu 300 Liter beim Einsatz der Nachbrenner“, erklärte der Oberfeldwebel.

Besonders interessierte die DZ-Leser die Funktion des Schleudersitzes, mit dem sich der Pilot im Notfall retten kann, der in Deutschland bislang aber noch nie in einem Eurofighter zum Einsatz kommen musste. Und trainiert werde das „Ausschießen“ auch nicht, erklärte Thomas Hohlbein mit Blick auf die gewaltigen Kräfte, die bei einem solchen Szenario auf den Körper des Piloten einwirken. „Sie fahren ihren neuen Wagen ja auch nicht vor die Wand, um die Funktion des Airbags zu testen“, sagte der Oberstabsfeldwebel mit einem Schmunzeln.

Einen Eindruck von der Wendigkeit des Eurofighters erhielten die DZ-Leser wenig später, als mehrere Piloten ihren gut anderthalbstündigen Trainingsflug beendeten und zur Landung ansetzten, für die sie kaum mehr als 700 Meter der drei Kilometer langen Startbahn benötigten. Von Nörvenich aus erreichen die Eurofighter-Piloten binnen 25 Minuten die Nordsee, in 35 Minuten die polnische Grenze, hatte Thomas Hohlbein erklärt, als er über die Aufgaben des größten Jetverbands der Luftwaffe sprach.

Seit dem Nörvenicher Geschwader im vergangenen Jahr das ehemalige Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ am Standort Wittmund unterstellt wurde, werden die Nörvenicher Eurofighter auch zur Sicherung des norddeutschen Luftraums eingesetzt. Weil die Wittmunder Gruppe noch nicht über eigene Eurofighter verfügt, sind derzeit immer acht der aktuell 28 in Nörvenich stationierten Kampfjets an der Nordsee im Einsatz und stehen rund um die Uhr in Alarmbereitschaft. Eine Aufgabe, die zeitweise auch von Nörvenich aus übernommen wird, erklärte Hohlbein weiter, zuletzt im Juni, als in Wittmund an der Start- und Landebahn gearbeitet wurde.

Dass die Eurofighter-Einführung in Nörvenich noch lange nicht abgeschlossen ist, zeigt auch ein Blick auf die nackten Zahlen. Über 31 Jets soll das Team „Boelcke“ einmal verfügen, 20 weitere sollen in Wittmund stationiert werden. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis der Flugbetrieb an beiden Standorten wieder das volle Ausmaß erreichen wird.

Deutlich früher hingegen kann das „Boelcke“-Geschwader eine weitere Aufgabe erfüllen. Als erster Luftwaffenverband wird dera Nörvenicher den als Jagdflugzeug konzipierten Eurofighter auch als Jagdbomber mit lasergesteuerter Präzisionsbewaffnung einsetzen. Die ersten Jets mit der dafür benötigten Computertechnik sollen im Spätsommer ausgeliefert werden, kündigte Thomas Hohlbein an.

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