Düria: „Düria“: In der Kinderstadt regieren die Jüngsten

Düria: „Düria“: In der Kinderstadt regieren die Jüngsten

Nein, in der Ortsmarke handelt es sich nicht um einen Rechtschreibfehler. Denn in dieser Woche gibt es nicht nur die große Stadt Düren an der Rur sondern auch die Kinderspielstadt „Düria“. Auf der Landkarte ist diese allerdings nicht zu finden, und doch liegt sie im Herzen der Stadt: Im Jugendzentrum „Multikulti“ und im „Haus der Stadt“ erleben 93 Kinder ganz besondere Herbstferienspiele.

Wie auch bei Mini-Schmidt im Eifelort ist nun eine Stadt in der Stadt entstanden. Es gibt einen Bürgermeister, einen Stadtrat, es gibt verschiedene Betriebe wie Schreinerei, Lederwerkstatt und Straßenmeisterei, es gibt Stadtführer, einen Radiosender und eine Tageszeitung.

Fingerfertigkeit können die Kinder zum Beispiel beim Häkeln erlenen: Das ist gar nicht so leicht, macht aber jede Menge Spaß. Foto: smb

Wer in Düria leben möchte, muss sich beim Einwohnermeldeamt anmelden und beim Arbeitsamt auf Jobsuche begeben. Und wer seine Aufgaben erfüllt hat, kann mit einem Laufzettel zur Sparkasse gehen und bekommt seinen Lohn in „Düris“ ausbezahlt. Davon können im Markt süße Leckereien gekauft werden und die Produkte, die die Dürianer auf ihren Arbeitsstellen produziert haben: Schlüsselanhänger, Spiele, Blumengestecke und vieles mehr. Jeden Tag können die Kinder mehrere Dinge ausprobieren oder sich länger mit einer bestimmten Aufgabe befassen.

„Die Kinderstadt ist quasi ein großes Rollenspiel, in dem die Kinder das reale Leben der Erwachsenen spielerisch verstehen lernen“, sagt Sabine Wagner vom Spielpädagogischen Dienst der Stadt. In Düria dürfen und müssen Kinder Entscheidungen treffen, sie lernen die Demokratie kennen, proben den Umgang mit Geld und erfahren, wie Warenströme verlaufen. „Es ist etwas anderes, wenn Kinder Dinge zu Hause mitbekommen oder aufschnappen oder ob sie es selbst erleben“, ist Wagner überzeugt. Ihr ist es wichtig, dass Kinder frühzeitig lernen, sich einzumischen. „Es geht in der Kinderspielstadt auch um Teilhabe“, betont sie.

„Ich wollte schon immer ganz schnell erwachsen werden“, erzählt Philipp Peiffer, Bürgermeister von Düria. „Deswegen finde ich es super, hier Einblicke in die Welt der Erwachsenen zu bekommen und Entscheidungen treffen zu können“, erklärt der Schüler des Rurtal-Gymnasiums. In einem Punkt hat er es sehr viel besser als sein Kollege Paul Larue: Die Kasse, in die er für Projekte greift, wird so schnell nicht leer.

Apropos Geld: Die Kinder lernen auch, Verantwortung zu tragen. Der Bürgermeister ebenso wie die Bürger. So hat es in Düria auch schon einen Diebstahl gegeben. „Eine größere Menge Düris war gestohlen worden“, erzählt Sabine Wagner. Und weil es in Düria noch keine Polizei gibt, musste der Bürgermeister sich kümmern. Nach einer Durchsage tauchte das Geld schnell wieder auf.

„Wir haben aber auch bemerkt, dass die Kinder zuerst zögerlich waren, Entscheidungen zu treffen“, sagt Melissa Mayntz (22), Auszubildende der Stadt, die bei den Ferienspielen die rechte Hand des Bürgermeisters ist. „Es ist schön zu beobachten, wie sie mutiger und eigenständiger werden. Sie stecken voller Tatendrang.“

Den können die Kinder aber nicht nur auf ihren „Arbeitsstellen“, sondern auch bei vielen Freizeitangeboten wie Zirkusprojekten, Kino, Sport und Spiel. Und damit alle immer auf dem Laufenden sind, gibt es eine Tageszeitung, einen Radiosender und einen Blog. Langweilig wird es in Düria jedenfalls nicht.

Erwachsene dürfen die Stadt in der Stadt übrigens nur in Begleitung betreten und müssen sich vorher anmelden. Stadtführer zeigen den Besuchern dann, wo es lang geht und wie der Hase in Düria läuft — und analog zur echten Stadt gibt es auch einen „Elterngarten“.