40. Dürener Stadtfest: Dürens größter Chor mit Gotthilf Fischer

40. Dürener Stadtfest : Dürens größter Chor mit Gotthilf Fischer

Jazz mit Bill Ramsey, eine noch völlig unbekannte Kelly-Family, die ohne Gage aufgetreten ist — Reiner Guthausens Repertoire an Stadtfest-Anekdoten scheint unerschöpflich zu sein. Kein Wunder eigentlich: Wenn Düren am kommenden Wochenende sein 40. Stadtfest feiert, dann ist es auch das 40. Stadtfest von Guthausen (74), Geschäftsmann und seit knapp 25 Jahren auch CDU-Ratsherr in der Rurstadt.

Das Dürener Stadtfest, erzählt Guthausen nicht ohne Stolz, sei damals das erste in der ganzen Region gewesen. „Wir haben vor 41 Jahren mit fünf, sechs Geschäftsleuten zusammengesessen und überlegt, was wir tun können, um unsere Stadt zu beleben. So ist die Idee zum Stadtfest geboren.“ Grundsätzlich, ergänzt Guthausen, sei es der Einkaufsstadt Düren damals schon besser gegangen als heute. „Es gab eine bessere Klientel Kunden als heute“, sagt Guthausen. „Und Onlinehandel war noch ein absolutes Fremdwort.“ Gleichwohl seien gerade jüngere Leute schon damals zum Einkaufen nach Aachen und Köln gefahren. „Wir mussten etwas tun. Und das Stadtfest war ein erster Schritt.“

Reiner Guthausen gilt als „Mr. Stadtfest“. Foto: Kinkel

Anfangs haben die Dürener nur einen Tag gefeiert. Guthausen und seine Mitstreiter haben selbst an verschiedenen Stellen der Stadt Bühnenpodeste aufgebaut, die sie sich vorher irgendwo geliehen hatten. Das erste Stadtfest hat „nur“ 30.000 Mark gekostet und wurde ausschließlich von den geschäftsleuten finanziert. Heute kostet die dreitägige Veranstaltung 120.000 Euro — auch weil die (Sicherheits-) Auflagen immer größer werden.

Guthausen: „Es war damals schon alles sehr provisorisch, aber es hat funktioniert. Die Dürener haben das Fest von Anfang an gut angenommen.“

Gerne erinnert Guthausen sich an Auftritte des Gospelchores „Crescendo“, der bei den ersten Stadtfesten gesungen hat, oder an den von Bill Ramsey. „Den hatten wir eingeladen, weil wir dachten, dass er seine Hits wie ‚Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett singt‘. Aber weit gefehlt. Der hat in Düren Jazz gespielt — und wurde nach der Pause vom Publikum ausgebuht.“ Oder die Kelly-Family, die damals noch völlig unbekannt war, und angefragt hat, ob man in der Zehnthofstraße singen und nachher mit dem Hut rumgehen dürfe. „Einmal hatten wir Gotthilf Fischer eingeladen. Der ganze Rathausvorplatz war voller Menschen, als der von der Rathausempore diesen riesigen Chor dirigiert hat. Das war schon toll.“

Seit 1981, also immerhin schon 37 Jahre, gibt es anlässlich des Stadtfestes auch einen verkaufsoffenen Sonntag. „Politik und Verwaltung waren schnell einverstanden“, erzählt Guthausen. „Aber wir brauchten eine Genehmigung vom Regierungspräsidenten. Und der wollte uns die nicht geben.“ Also ist Guthausen mit einem riesigen Blumenstrauß nach Köln gefahren — und hat mehr als eine Stunde mit der Vorzimmerdame des RP geplaudert. „Wir haben über Gott und die Welt geredet. Und am Ende ist sie mit dem Genehmigungsformular für den verkaufsoffenen Sonntag zum RP rein, und wir hatten die Unterschrift.“

Nur einmal ist das Stadtfest in den vergangenen 40 Jahren ausgefallen — im Jahr 2001. Guthausen: „Am 9. September ist das schreckliche Attentat in New York passiert. Das war ein Dienstag, in der gleichen Woche sollte Stadtfest sein. Das ging nicht.“ Kurzfristig habe man das Fest abgesagt. „Als Alternative hat Johannes Esser ein großes Konzert vor dem Rathaus dirigiert. Es wurde Beethovens 9. Sinfonie gespielt. Das war sehr ergreifend.“

Heute weiß Guthausen, dass das Stadtfest von 1978 eigentlich nur eine Initialzündung war — aber eine mit Strahlkraft. Kurz nach der Innenstadt-Party wurde die IG City gegründet, deren Vorsitzender Guthausen seitdem ununterbrochen ist. „Das Stadtfest ist nur eine Aktion der IG City. Da gibt es noch viel mehr, um die Menschen zum Einkaufen nach Düren zu locken.“ Guthausen nennt den City-Chip, mit dem man Parkscheinautomaten füttern kann, die Weihnachtsverlosung und auch Gestaltungswettbewerbe, die die IG City veranstaltet hat. „Wir haben heute 70 Mitglieder“, sagt Guthausen. „Das waren einmal deutlich mehr. Aber natürlich ist es sehr schwierig, Filialisten davon zu überzeugen, sich in örtlichen Einzelhandelsverbänden zu engagieren.“

Das Stadtfest am kommenden Wochenende ist Guthausens letztes — jedenfalls, das letzte, das er zu verantworten hat. Er gibt einen Vorsitz der IG City ab. „40 Jahre sind genug“, sagt er. „Aber es waren 40 schöne, arbeitsintensive Jahre, die viel Spaß gemacht haben.“

Mehr von Aachener Zeitung