Düren: Dürens Arena ist und bleibt Teil der Tanz-Familie

Düren: Dürens Arena ist und bleibt Teil der Tanz-Familie

Vereinzelt liegt noch etwas Konfetti auf dem Boden der Arena Kreis Düren. Viel mehr zeugt nicht von der karnevalistischen Sause, deren Ende nicht allzu lange her ist. Wo am Freitagabend noch die Jungs von Brings vor 1700 jecken Weibern rockten, wird am frühen Samstagmorgen schon mobiles Tanzparkett verlegt.

Annähernd 300 Quadratmeter, die 7,5 Tonnen auf die Waage bringen. Die Damensitzung der K5 ist längst Schnee von gestern, innerhalb einer kurzen Nacht und eines Morgens wird die Arena zum Austragungsort eines Lateinformationen-Turniers der Zweiten Bundesliga. Ausrichter ist das Tanzsportzentrum Aachen (TSZ). Ab- und Aufbau sind ein Kraftakt — für die Karnevalisten, das Team der Arena und die Latein-Tänzer gleichermaßen.

Bevor TSZ-Präsidentin Elke Eschweiler und ihr Organisationsteam um 7 Uhr die Arena betreten, haben Arena-Betriebsleiter Andreas Kretschmer und 40 Helfer beinahe ein kleines Wunder bewirkt — zumindest aber einen neuen Rekord aufgestellt. Normalerweise ist ein halber Tag für den Abbau der K5-Damensitzung eingeplant. In diesem Jahr jedoch nur wenige Stunden. Mehr als 130 Bierzeltgarnituren und eine Bühne mussten abgebaut, der komplette Boden ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut werden.

Über Nacht wurden die Zuschauertribünen ausgefahren, die aufwendige Karnevalsdekoration sowie Licht- und Tontechnik verschwanden. Bis 7 Uhr stand zudem noch eine Grundreinigung der gesamten Arena auf dem Programm. Dass vereinzelt etwas Konfetti übrigblieb, ist angesichts dieses Zeitplans wahrlich kein Weltuntergang.

„Wir sind zum zwölften Mal in der Arena, hier funktioniert immer alles reibungslos“, lobt Präsidentin Elke Eschweiler die gute Zusammenarbeit mit dem Arena-Team. Nach dem Abstieg der Lateinformation FG TSZ Aachen/Boston-Club Düsseldorf in die Zweite Bundesliga war für die Tänzer klar, dass sie am Austragungsort Düren festhalten. Zumal der Wiederaufstieg das erklärte Saisonziel ist.

Die Arena sei zwar auch eine Sporthalle — aber ohne den Charme einer Sporthalle, findet Elke Eschweiler. Die gute Atmosphäre und die Unterstützung des fachkundigen und begeisterungsfähigen Publikums würden den Tänzern stets den Rücken stärken. Kurzum: Die Arena ist Teil der Tanz-Familie.

30 Millisekunden

Um Beschallung und Beleuchtung kümmert sich hier am frühen Samstagmorgen Techniker Peter Boving. „Die Wertungsrichter stehen ganz weit oben. Zwischen dem Bild, das sie sehen, und der Musik, die sie hören, gibt es aufgrund der Entfernung eine Verzögerung“, erklärt der Experte. 99 Prozent der Zuschauer würden diese 30 Millisekunden nicht wahrnehmen, für die geschulten Augen der Wertungsrichter könnte es aber so aussehen, als ob die Tänzer nicht mehr synchron zur Musik sind. Ein Detail, das erhebliche Auswirkungen haben kann.

Generell müssen Elke Eschweiler und ihre Helfer an diesem Morgen an viele Kleinigkeiten denken. Sind die Kabinen für die acht Mannschaften eingerichtet? Steht das Catering? Schließlich ist Tanzen ein Hochleistungssport, der viel Energiezufuhr benötigt. Gibt es genug Tische und Stühle, Räume für Aufwärmübungen, Mülleimer, und — ganz wichtig — einen extra gegen Verschmutzung des Mobiliars gesicherten Sprüh-Bereich? Viele Tänzer färben sich vor dem Auftritt die Haare schwarz, der unkontrollierte Einsatz von Sprühdosen würde unerwünschte Spuren hinterlassen. Jeder Handgriff sitzt, damit um 13 Uhr die Stellproben beginnen können.

„Entweder man hasst den Tanzsport oder man liebt ihn“, sagt Tänzer Yuriy Solovyov. Als Kind kam er über seine Tante in eine Tanzformation, in der Ukraine: Volkstänze, 50 Damen, drei Herren. Der junge Mann probierte andere Tanzformen aus — und landete schließlich in der Lateinformation. Er bedauert es, wenn das Tanzen vorschnell abgetan wird, belächelt wird.

„Wir trainieren dreimal die Woche sehr hart, üben einen Hochleistungssport aus“, erklärt der 31-Jährige. Der Aufwand sei extrem. „Wir leben für zweimal sechs Minuten Auftritt pro Turnier“, sagt der Tänzer. Nicken in der Kabine. Es ist 17 Uhr, in einer Stunde werden die ersten Besucher eintrudeln, um 19 Uhr begrüßt Elke Eschweiler „das beste Publikum der Welt“ in der Arena. Was folgt, ist ein tänzerisches Feuerwerk, das die Zuschauer bis 22 Uhr mitreißt und jubeln lässt.

Heimsieg in Düren

Am lautesten jubeln am Ende die Gastgeber. Die Wertungsrichter sind sich einig: fünfmal Platz 1. Das Auftaktturnier in der Zweiten Bundesliga setzt gleich einen Maßstab. Was für ein Tag! Während die aus der ganzen Republik angereisten Tänzer noch etwas auf der After-Show-Party feiern, bauen die fleißigen Helfer in der Halle schon das Parkett ab. Um Mitternacht geht das Licht aus. Geschafft. Für dieses Mal.

(sj)
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