Dürener Weihnachtsmarkt: Erste Stadtmeisterschaft im Eisstockschießen

Erste Stadtmeisterschaft im Eisstockschießen : Schwungvoll über die Bahn gleiten

Die Daube, eine runde Gummischeibe, liegt in der Mitte der Schlittschuhbahn. In der rechten Hand hält Gilbert Breuer den Eisstock. Langsam schwingt er ihn vor und zurück. Mit etwas Kraft lässt er den Stock los. Auf das dumpfe Aufkommen folgt das Schlittern über die Bahn. Kurz vor der Daube kommt der Eisstock zum Stehen.

Der Sport nennt sich Eisstockschießen. Am Samstag findet auf dem Dürener Weihnachtsmarkt die erste Stadtmeisterschaft in dieser Sportart statt. Auf der Schlittschuhbahn direkt vor den Treppen des Rathauses beginnt die Gruppenphase um 17 Uhr. Die Idee zu einer Eisstock-Stadtmeisterschaft gab es schon vor drei Jahren. Jetzt wurde sie endlich umgesetzt.

„Ein bisschen wie Boccia“

„Beim Eisstockschießen spielen wir in Vierer-Teams. Auf zwei Bahnen treten je zwei Teams gegeneinander an“, erklärt Breuer, der die Bahn zusammen mit Gerhard Suhr betreibt. Beim Eisstockschießen gilt es, einen Stockkörper durch schwungvolles Gleiten so nah wie möglich an die Daube zu befördern, die am Ende der Bahn liegt. Jeder Spieler hat einen Wurf, insgesamt sind also acht Eisstöcke in einem Spiel zu werfen. Ein Spiel besteht aus sechs Durchgängen. Man kann sich das ein bisschen wie Boccia vorstellen.

„Als Sportart ist Eisstockschießen ziemlich unbekannt. Manche kennen es aus dem Wintersporturlaub“, sagt Michael Keßel. Er ist 1. Vorsitzender des Sportclubs für Asphalt- und Eisstockschießen in Niederau. „Man braucht nicht viel Kraft. Etwas Geschick, so dass der Stock sauber auf der Fläche aufkommt und ein paar Durchgänge, um reinzukommen“, erklärt er. In der Sommersaison spielen er und seine Vereinskollegen auf Asphalt, ab Oktober in Eissporthallen.

Der Eisstock besteht aus einem Griff, dem Stockkörper und der Laufsohle. „Auf Asphalt spielen wir mit einer Laufsohle aus Kunststoff, auf Eis mit einer Gummisohle“, sagt Keßel. Während man auf Asphalt einen sicheren Stand hat, ist das Spielen auf Eis immer etwas Besonderes. „Der Stock muss technisch sauber aufgesetzt werden, sonst könnte er wackeln und bleibt unterwegs liegen.“ Das liege an dem quer geriffelten Eis. Auf Asphalt hingegen bleibe der Stock nicht so einfach stehen.

Auf dem Dürener Weihnachtsmarkt spielt man am Samstag auf einem Spezialkunststoff. Eine echte Eisbahn wäre zu teuer gewesen. „Das ist auch eine Energie- und Umweltfrage“, sagt Breuer. „Die würde viel zu viel Strom brauchen. Das muss nicht sein.“ Die Kunststoffbahn habe etwa 85 Prozent der Gleitfähigkeit von richtigem Eis. Ausrutschen kann man nur, wenn die Bahn nass ist.

Taktik und Geschick

Beim Eisstockschießen muss man nicht nur möglichst nah an der Daube sein, man kann auch bewusst auf die Daube zielen, um sie zu verschieben. „Es geht also auch um Taktik“, sagt Betreiber Suhr. „Wer den letzten Wurf hat, kann immer noch das ganze Spiel drehen.“

Für das Team, dessen Eisstock am nächsten an der Daube dran ist, gibt es fünf Punkte. Ist der zweitnächste Stock ebenfalls von besagtem Team gibt es nochmal zwei Punkte. Erst wenn ein Eisstock des gegnerischen Teams als nächstes an der Daube liegt, gibt es keine Punkte mehr. So kann ein Team bis zu 9 Punkte in einem Durchgang bekommen, wenn alle Stöcke näher an der Daube sind, als die des Gegners. „Und alles geht nach Millimetern. Im Notfall messen wir den Abstand mit einem Maßband“, sagt Breuer.

An erster Stelle soll am Samstag aber der Spaßfaktor stehen. Bis kurz vor 17 Uhr kann sich jeder, der Lust hat, noch mit einem Vierer-Team anmelden – egal ob Freunde oder Familien mit Kindern. „Mit ein bisschen Gefühl in den Fingern kann jeder spielen“, sagt Suhr. „Wenn sich die Stadtmeisterschaft am Samstag nicht entscheidet, spielen wir am Sonntag weiter, bis der Sieger feststeht.“

Zu gewinnen gibt es den Wanderpokal des Bürgermeisters Paul Larue (CDU) und einige Sachpreise. Die Teilnehmergebühr beträgt 50 Euro pro Team.

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