Düren: Dürener Hoesch-Museum: Philosophische Fragen zur Realität

Düren: Dürener Hoesch-Museum: Philosophische Fragen zur Realität

Starker Besuch zum festlichen Anlass begründete die Verlegung der Preview zur neuen Doppelausstellung aus der familiären Cafeteria in die Säle des Neubaus. Dr. Renate Goldmann, Direktorin des Leopold-Hoesch-Museums, stützte sich schon auf das überregionale Medieninteresse im WDR zur großen Retrospektive für den Stolberger Künstler Karl Fred Dahmen zu dessen 100.Geburtstag in Düren mit dem Titel „Das Prinzip Landschaft“ und im Duisburger Museum Küppersmühle.

Dessen abstrakte Werke bereiten dem unvorbereiteten Betrachter heute weniger Schwierigkeiten als Tom Früchtls Arbeiten „lowfidelity“ (geringe Genauigkeit).

Malerische Doppelung

Das Wortspiel steht für seine Illusionskunst, mit der er „Abfälle“ oder alte Bauteile in irritierende Gemälde-Objekte verwandelt. Im Gespräch mit Dr. Goldmann wurde an die Geschichte von Plinius erinnert, in der der Maler Xenius sich von einem gemalten Vorhang täuschen lässt. Früchtl bekennt, dass er sich in den 1990er Jahren vom Fotorealismus verabschiedet habe. Inspiriert von E. Sturtevant in München, wo Früchtl 1966 geboren wurde und auch studiert hat, lässt er die Leinwand weg und arbeitet mit einer „malerischen Doppelung der Objektoberflächen“.

So wird bei der „Renovierung“ brüchiger Haustore der alte Zustand mitgemalt. Hierbei ergeben sich philosophische Fragen über Realität, Nähe zur Wirklichkeit und Illusion. Bürgermeister Paul Larue hatte zuvor bei der Begrüßung der Gäste mit einer Reihe wichtiger Förderer besonders Professor Dr. Nicolaus Dahlmann für seine Reise aus Hamburg gedankt.

Zum fünften Mal überreichte der seinen für vielversprechende junge Künstler im Zweijahresrhythmus ausgelobten Dahlmann-Preis im Wert von 5000 Euro. Neben seiner biografischen Verbindung zu Düren mit Abi am Stift, hat er seit 1976 mit seinen ersten Sammlungen dankbare Verbindungen zum damaligen Museumsleiter Lehmbruck wie zur jetzigen Direktorin.

Bezogen auf ein früheres Zitat von ihm, erklärte er, was ihn „an Tom Früchtl zum Klingen gebracht“ habe. Es seien die Fragen zur Realität, die Kunst und Illusion aufwerfen, und „weil der Künstler über Jahrzehnte bei diesem Konzept, seinem Kanon geblieben ist“, konsequent zu seiner Idee stehe und dabei preiswürdige Variabilität zeige.

Humorvoll erinnerte Dahlmann daran, wie bei seiner ersten Ausstellung zum Auftritt musikalischer Punkgruppen vor dem Museum Frau Dr. Eimert besorgt besondere Sicherheitsdienste angefordert habe. Tom Früchtl, der auch Musiker ist, wird bei der Langen Nacht der Museen am Samstag, 4. November, in der Musikperformance „Aftermars“ spielen. Am Donnerstag, 9. November, 19 Uhr , findet außerdem ein Museumsdialog mit ihm statt.

Die beiden Ausstellungen „lowfidelity“ und „Das Prinzip Landschaft“ laufen parallel noch bis zum 26. November und sind zu den Öffnungszeiten des Museums zu besichtigen.

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