Dürener Grüngürtel erhält neue Denkmalsatzung

Dürener Grüngürtel erhält neue Denkmalsatzung : Der Charakter des Viertels soll gewahrt bleiben

Der Dürener Grüngürtel etwas ganz Besonderes. Markus Steffens, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, spricht von einem städtebaulichen Blickfang mit idealem Quartiersleben, Katja Saxarra von der städtischen Denkmalbehörde von einer „bundesweit einzigartigen Siedlung, an der sich eindrucksvoll städtebauliche und architekturgeschichtliche Entwicklungen aus der Bauzeit von 1914 bis 1939 ablesen  lassen“. Jetzt erhält er eine neue Denkmalsatzung.

er Grüngürtel  mit seinen auf den damaligen Stadtbaurat Heinrich Dauer zurückgehenden rot-braunen Backsteinbauten wurdebereits 1990 als Denkmalbereich geschützt, als eines der ersten Stadtquartiere in NRW überhaupt.

Und diese Satzung würde auch heute noch gelten, hätte nicht 2017 ein Hausbesitzer vor dem Verwaltungsgericht geklagt, weil er eine Haustür einbauen wollte, die so von den Denkmalschützern nicht akzeptiert wurde.  Daraufhin nahmen die Aachener Richter die „Denkmalbereichssatzung Grüngürtel“ unter die Lupe, fanden formale Fehler und erklärten sie für unwirksam. Mit der Frage der Tür selber beschäftigten sie sich erst gar nicht.

Charakteristisch für die Grüngürtelarchitektur sind nach Aussage der Denkmalschützer die bündig mit der Fassade angebrachten Fenster. Nachträgliche Veränderungen – wie im Bild erkennbar – aber müssen auch mit der neuen Satzung erst einmal nicht zurückgebaut werden. Foto: ZVA/Jörg Abels

Das hatte weitreichende Folgen, erklärt Katja Saxarra. Nicht nur, dass die Denkmalschützer Veränderungen des städtebaulichen Erscheinungsbildes im Grüngürtel nur noch sehr schwer verhindern konnten, auch eine staatliche Förderung denkmalgerechter Sanierungen war nicht mehr möglich. Mit der vorläufigen Eintragung in die Denkmalliste wurde im vergangenen September, als der Abriss zweier prägender Gebäude drohte, der alte Zustand zwar wieder hergestellt, zwingend notwendig ist nun aber eine neue Denkmalbereichssatzung. Und die wird zurzeit mit fachlicher Unterstützung vom „Denkmalteam – Netzwerk Ingenieure“  aus Köln erstellt.

Ziel ist es, wie Professor Norbert Schöndeling erklärt, „ganz präzise zu beschreiben, welche Elemente den Charakter eines Hauses  oder einer ganzen Baugruppe ausmachen und damit geschützt werden müssen.“  Das können verwendete Materialien sein, Größe, Farbe und Art des Einbaus von Fenstern und Türen, die Art der Dächer oder die Form von Anbauten wie Balkonen, Treppen und Vordächern. Aber auch die Gestaltung von Gärten und Verbindungswegen gehört dazu, wie Dr. Ekkehard Kandler ergänzt.  „Wir werden uns jedes Haus ganz genau ansehen und für jedes Haus auf Basis der aktuellen Rechtsprechung zum Denkmalschutz in NRW auch Gestaltungshinweise und Empfehlungen geben“, kündigt Schöndeling an. „Wir wollen kein Museum schaffen“, versichert Marcus Steffens. „Wir wollen, dass sich auch der Grüngürtel weiterentwickeln kann, aber eben unter Wahrung des Charakters.“

Wann die neue Denkmalbereichssatzung erlassen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Auch ist noch nicht abschließend geklärt, ob nicht weitere Gebäude für sich allein unter Denkmalschutz gestellt werden. „Die Prüfung dauert noch an“, betonte Schöndeling. Die Bewohner des Grüngürtels, insbesondere die privaten Hausbesitzer – etwa zwei Drittel der Häuser sind im Besitz des Dürener Bauvereins und der gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft für Stadt und Kreis  – sollen in einer Bürgerversammlung am 9. April im Thomas-Morus-Haus über die neue Denkmalbereichssatzung informiert werden.

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