Düren: Dürener Firma vertreibt seit 2009 „Premium-Bio“

Düren : Dürener Firma vertreibt seit 2009 „Premium-Bio“

Dirk Salentin ist ein heimatverbundener Mensch. Im Büro des 49-jährigen Geschäftsmannes hängen keine Bilder von den Metropolen dieser Welt, sondern Leinwandgemälde vom Dürener Markt und einem Tagebau. Der gebürtige Stockheimer, heute wohnhaft in Niederzier, leitet die Biofruit GmbH im Gewerbegebiet „Im Großen Tal“.

Die Firma vermarktet seit zehn Jahren Obst und Gemüse aus Premium-Bio-Anbau an Supermärkte. Beim CHIO in Aachen bekochte Spitzengastronom Johann Lafer die Pferdesport-Fans mit den Lebensmitteln von Salentin.

Biofruit-Gründer: Dirk Salentin.

Jedoch kommen „nur eine Handvoll Produzenten“ aus dem Kreis Düren — die meiste Ware importiert Salentin aus der ganzen Welt, den größten Anteil aus Spanien und Italien. „Die Ware aus unserer Region ist richtig gut, aber für diesen speziellen Markt sind in Deutschland generell die Strukturen der Betriebe zu klein“, erklärt Salentin. Im Geschäft mit Lebensmitteln hört die Heimatverbundenheit irgendwann auf. Gezwungenermaßen.

Höchste Standards

Premium-Bio unterscheidet sich von herkömmlichen Bio-Produkten darin, dass es den Siegeln von privaten Verbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter unterliegt, die die höchsten Standards von der Einsaat bis zum Transport setzen — höher als zum Beispiel die Vorgaben der Europäischen Union. Bio ist also nicht gleich Bio, das weiß Salentin.

Und er weiß auch, dass die vielen verschiedenen Siegel und Preisklassen den Kunden im Supermarkt verwirren können. Salentin will sich auf dem Markt abheben. „Wir setzen auf die bestmögliche Transparenz über Herkunft und Kontrollen der Ware. Wir legen offen, so viel wir können“, erklärt er. „Zwei externe, unabhängige Labore testen unsere Ware.“

Salentin versichert auch, alle Produzenten zu kennen, von denen er Ware bezieht. Seine berufliche Laufbahn helfe ihm dabei: Seine Ausbildung in Düren zum Einzelhandelskaufmann durchlief er damals noch gesondert in der Lebensmittelabteilung. Danach arbeitete er an nahezu jeder Position der Vertriebskette von Obst und Gemüse, deutschlandweit und auch in Spanien.

Kaum finanzieller Anspruch

Am Ländervergleich mit Spanien kann Salentin erklären, warum der Premium-Bio-Sektor in Deutschland eine Herausforderung sei, die die Landwirte nicht alleine meistern könnten. „Ganz kurz gefasst kann man sagen, dass die Agrarwirtschaft wie etwa in Spanien viel mehr bezuschusst wird als in Deutschland. So sind in anderen Ländern auch größere Strukturen im Bio-Bereich entstanden“, sagt Salentin. Hierzulande blieben die Höfe der Bio-Landwirte also kleiner, sie bauen weniger an. Das ist der Punkt, der der Heimatverbundenheit beim Vertrieb von Lebensmitteln die Grenzen setzt.

„Die Bauern produzieren meistens nur für ihre eigenen Läden, weil die Supermärkte immer Massen brauchen“, betont Salentin. Massen, die ausländische Produzenten stemmen könnten, ohne an Premium-Bio-Qualität zu verlieren. Seine Firma vertreibt laut dem Geschäftsführer Ware ausschließlich an selbstständige Supermärkte, größtenteils Richtung Köln. Die Zentralen der Ketten könne Salentin nicht beliefern, weil diese viel größere Mengen benötigten. In Düren hat die Firma nur ihr Büro, keine Lager. Die Umschlagspunkte würden auf dem Weg der Ware zum Endkunden liegen — der Frische und Umwelt wegen.

Landwirt Jürgen Gerden und sein Sohn Jochen Gerden, einer von dreien im gleichnamigen Binsfelder Betrieb, liefern seit einem halben Jahr an Biofruit. Elf Hektar Land inklusive sechs Hektar Gewächshäuser bewirtschaftet die Familie am Rand der Gemeinde Nörvenich. Sie baut unter anderem sämtliche Kohlsorten, Salate, Kräuter, Gurken und Tomaten an. Am Beispiel von Cherry-Tomaten erklärt Jürgen Gerden, dass es für relativ kleine Bio-Höfe wie seinen, unmöglich ist, an die Supermarkt-Zentralen zu liefern, denn die verlangten 1200 Kisten pro Tag. „So eine Menge schaffen wir nicht, davon sind wir ganz ganz weit entfernt“, betont Gerden.

Der Landwirt verfolgt die Philosophie, dass seine Premium-Bio-Ware nicht an Discounter, sondern an ausgewählte Geschäfte geht. „Wir haben die wichtigen Verbandssiegel, und die sind den Leuten, die auf ihr Essen achten, auch ein Begriff“, sagt Gerden. Auf den Feldern nutzten die Landwirte zum Beispiel keine Chemie gegen Unkraut. Alles werde mit dem Traktor beziehungsweise per Hand entfernt. Jürgen Gerden betont: „Überhaupt keine Rückstände in den Lebensmitteln ist doch besser als jeder Grenzwert.“

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