Dürener Bismarck-Quartier: „Haben keinen Betreiber bevorzugt“

Wirbel in der Dürener Hotellandschaft : „Wir haben hier keinen Betreiber bevorzugt“

Mit der Eröffnung des Dorint-Hotels Anfang Dezember haben die alteingessenenen Dürener Hotelbetreiber einen großen Konkurrenten bekommen, der ihnen das Leben schwermacht.

Sie haben sich daher in einem Brief unter anderem an Bürgermeister Paul Larue und Landrat Wolfgang Spelthahn (beide CDU) über „starke politische Einflussnahme“ und einen „eindeutigen Marktvorteil“ beklagt, den der Marktneuling mit dem vom Kreis finanzierten Konferenzzentrum erhalten habe. Vertreter von Kreis und Stadt kommen zu einer anderen Bewertung.

Wolfgang Spelthahn, einer der Motoren des Projekts „Bismarck-Quartier“, weist diese Vorwürfe zurück. „Wir haben hier keinen Betreiber bevorzugt“, sagt der Landrat. Der Kreis habe sich zwar zu einem Drittel an den Erschließungskosten des Bismarck-Quartiers beteiligt, aber nur um dringend benötigte Sitzungs- und Tagungskapazitäten schaffen zu können.

 „Und dann haben wir beschlossen, dass der künftige Hotelbetreiber zur besseren Auslastung des Konferenzzentrums die Vermarktung übernimmt, wobei der Kreis immer Vorrang genießt“, betont Spelthahn. „Dieses Angebot hätte jeder Betreiber annehmen können“, erklärt er. Eine Bevorzugung sieht er darin nicht.

Nicht überversorgt

Im Gegenteil: „Wir versuchen alles, die Übernachtungszahlen in der Stadt zu steigern“, betont der Landrat in der festen Überzeugung, dass dies schon 2019 gelingt: „Da halte ich jede Wette.“ Alle Hoteliers profitierten davon, dass „wir mit dem Tagungszentrum jetzt auch Gruppen erreichen können, die bislang einen Bogen um Düren gemacht haben“. Ein Beispiel sei das deutsch-russische Forum mit mehreren Tausend Übernachtungen Ende Juni. Aber auch Parteien, Verbände und das Krankenhaus hätten bereits Termine gebucht.

Vor allem das Tagungszentrum (hier im Bild) sorgt für Unmut bei den alteingesessenen Dürener Hotelbetreibern. Foto: ZVA/Jörg Abels

Jetzt müsse nur jeder Hotelier sein eigenes Geschäftsmodell im Blick haben und „positiv auf sich aufmerksam machen“, betont Spelthahn. „Unser Ziel ist es, den Kuchen so groß zu backen, dass für jeden ein Stück übrigbleibt.“ Dass dies kein Wunschdenken sei, hätten alle ihm zugänglichen Gutachten belegt, in denen klar zum Ausdruck gekommen sei, dass Düren dringend noch ein Hotel benötige. Dass der Bettenbedarf mehr als gedeckt ist, wie es die privaten Betreiber erklären, kann Spelthahn nicht nachvollziehen.  „Im Vergleich zu anderen Städten mit 90.000 Einwohnern ist Düren keineswegs überversorgt“, steht für Spelthahn fest. Das Gegenteil sei der Fall.

Am heutigen Freitag setzt sich die städtische Wirtschaftsförderung mit den Dürener Hoteliers an einen Tisch, um über die aktuelle Lage zu sprechen. „Grundsätzlich kann ich es verstehen, wenn die Änderungen am Markt den eingesessenen Hoteliers Sorgen bereiten. Marktänderungen bringen Vor- und Nachteile“, erklärt Thomas Hissel, Erster Beigeordneter der Stadt und Hauptgeschäftsführer der Win.DN.Gleichwohl sei er der Auffassung, dass es sich bei der Ansiedlung des Dorint-Hotels um ein gutes Projekt für Düren und eine gestalterische Aufwertung der Stadt handele, um ein Projekt, das gut für den Tourismus- und  Wirtschaftsstandort Düren sei.

„Wir möchten unsere unterstützende Hand anbieten“, erklärt Hissel. Dabei gehe es zum Beispiel um Marketing, die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Hotels, gezielte und gegebenenfalls gemeinsame Kundenakquise und Marketing. „Das Ziel muss es sein, den Kuchen zu vergrößern, damit es weniger Verteilungskämpfe gibt“, schließt sich Hissel  Spelthahn an.  Das bedeutet, dass auch die Stadt daran arbeitet und weiter daran arbeiten will, dass mehr Übernachtungsgäste an die Rur kommen.

Eine positive Entwicklung gibt es laut Hissel bereits: In den vergangenen zehn Jahren seien die Übernachtungszahlen im Schnitt um zwei Prozent pro Jahr gestiegen. Gab es 2011 noch 60.000 Übernachtungen in der Stadt, so waren es 2017 bereits mehr als 81.000. Eine Stagnation, wie sie die Hoteliers in ihrem Schreiben an Bürgermeister und Landrat beschrieben haben, könne er also nicht bestätigen. In ihrem Brief verweisen die Hoteliers auch darauf, dass es in Düren keinen Markt für ein Vier-Sterne-Hotel dieser Größenordnung gebe. Auch diese Einschätzung teilt Hissel nicht. Es gebe keine valide und repräsentative Datenbasis für diese Schlussfolgerung.

Laut Hissel sind die Übernachtungszahlen von 2017 auf 2018 um 6,5 Prozent auf 86.964 angestiegen und vor allem zum Jahresende angezogen. „Wir gehen davon aus, dass das Dorint-Hotel zum Wachstum beigetragen hat und auch neue Gäste in die Stadt gebracht hat“, erklärt der Beigeordnete. So geht die Wirtschaftsförderung davon aus, dass das Vier-Sterne-Hotel in zentraler Lage beispielsweise durchaus Übernachtungsgäste anzieht, die sonst ein ähnliches Hotel in Köln bevorzugt hätten. Auch die Auslastungszahlen hält Hissel für interessant. Vor der Dorint-Eröffnung habe die Auslastung der Dürener Betten bei 42 Prozent gelegen, nach der Eröffnung bei 40,7 Prozent. „In Anbetracht von etwa 200 Betten mehr ist ein Rückgang der Auslastung um 1,3 Prozent gering“, ordnet Hissel das ein. Mit einer Auslastung von 40,7 Prozent liege man landesweit im guten Durchschnitt.