Dürener Annakirmes: Nicht nur beim Bierpreis droht Ungemach

Standgelder für Annakirmes erhöht : Nicht nur beim Bierpreis droht Ungemach

Die Annakirmes ist dem Dürener lieb und teuer. Obwohl ein billiges Vergnügen beim Blick auf so manches Preisschild wahrlich anders aussieht, wird gerne einmal ein Auge zugedrückt, schließlich ist ein Annakirmesbesuch ein Muss. Viele sind sogar täglich auf dem Platz unterwegs.

Was aber, wenn der Bierpreis ab dem 27. Juli explodiert, der Viertelliter nicht mehr 2,50 sondern drei Euro kostet, die Fahrpreise weiter in die Höhe schnellen und der Imbissstand preislich eher an ein Restaurant erinnert? Reine Spekulation? Weit gefehlt. Grund ist eine Erhöhung der Standgelder, die die Schausteller an die Stadt Düren zahlen müssen, von durchschnittlich 40 Prozent.

Die hat der Stadtrat zwar bereits im Juli des vergangenen Jahres beschlossen, sie ist den Schaustellern aber erst bewusst geworden, als ihnen Anfang des Jahres die Verträge 2019 ins Haus flatterten. Hintergrund der Erhöhung ist die bisherige politische Maßgabe, dass die Annakirmes für die Stadt kostendeckend sein muss. Das heißt: Alle mit dem neuntägigen Volksfest verbundenen Ausgaben müssen von den Schaustellern übernommen werden, von der Arbeit der Kirmesverwaltung bis zur Werbung, von der Feuerwehr- und Rettungsdienstpräsenz bis zum privaten Sicherheitsdienst. Einzige Ausnahme sind die zuletzt hinzugekommenen Maßnahmen zur Terrorabwehr.

Als die Standgelder 2014 zuletzt um durchschnittlich 17 Prozent angehoben wurden, fielen bei der Stadt Annakirmes-Kosten von 340.000 Euro an, 2017 waren es schon 410.000 Euro, so dass die Kostendeckung bei nur noch 82 Prozent lag, begründet Stadtsprecher Helmut Göddertz den Zwang, die Standgelder im vergangenen Sommer anpassen zu müssen. Und für das vergangene Jahr schlagen mindestens 470.000 Euro zu Buche, allerdings ist 2018 noch nicht komplett abgerechnet.

Grund sind nicht etwa die aufgelaufenen Prozesskosten, weil seit 2017 vermehrt Schausteller gegen ihre Ausbootung klagen, wie man vielleicht vermuten könnte. „Diese Kosten fließen nicht in die Standgelder ein“, versichert Göddertz. Werbung und Personalkosten seien gleich geblieben, betont der Sprecher, dafür hätten sich die Kosten für die Sicherheit verdreifacht, unter anderem weil Rettungsdienste und Feuerwehr verstärkt auf hauptberufliche Kräfte zurückgreifen müssten.

Bert Cremer, Vorsitzender des Verbands Reisender Schausteller Düren (VRS), schlägt jetzt im Namen seiner Kollegen Alarm. „Wir Schausteller haben das Gefühl, dass Rettungsdienst, Feuerwehr, THW und Sicherheitsdienst immer das Maximale rausholen wollen, ohne zu wissen, dass wir Schausteller das bezahlen müssen.“ Cremer rechnet vor, dass ein Rundfahrgeschäft mittlerweile zwischen 8000 und 9000 Euro Standgeld bezahlen muss, die größeren Gastronomiebetriebe bereits mehr als 10.000.

Selbst ein kleiner Mandelstand kommt nach der Erhöhung an die 1000 Euro, so dass Preiserhöhungen so gut wie programmiert zu sein scheinen. „Das wollen wir aber eigentlich gar nicht“, sagt Cremer. „Wir wollen volkstümliche Preise anbieten, sind teilweise aber an der Schmerzgrenze angekommen.“ Denn mit dem Standgeld allein ist es nicht getan. Dazu kommen beispielsweise noch die Stellplatzgebühren für Pkw und Lkw und die Einrichtung des Stromanschlusses. Von den Beiträgen für Versicherungen und die Berufsgenossenschaft ganz zu schweigen. Für den Betreiber eines eigentlich vom Steuerausschuss ausgewählten Spielgeschäftes ist die Schmerzgrenze bereits überschritten.

Er hat der Stadt abgesagt und verzichtet auf die Annakirmes. „Die Politik muss sich überlegen, was der Stadt die Annakirmes wert ist“, fordert Cremer, schließlich sei das Volksfest ein wichtiges Marketinginstrument weit über die Kreisgrenze hinaus. „Die Stadt ist gefordert, ihren Teil zum Gelingen des Festes beizutragen“, lautet die Kernaussage des VRS. Cremer: „Wir wollen nicht subventioniert werden, brauchen aber die Luft zum Atmen.“

In der jüngsten Sitzung des für die Annakirmes zuständigen Steuerausschusses wurde über einen städtischen Zuschuss diskutiert. Entschieden aber ist noch nichts. Bis zur nächsten Sitzung soll erst einmal ausgelotet werden, wie andere Städte mit ihren Volksfesten verfahren. In Härtefällen wolle man zudem noch nach Möglichkeiten suchen, die Standgelderhöhung abzufedern, erklärt Göddertz, auch wenn es Cremer befürworten würde, alle Branchen gleich zu halten. Denn eines will die Politik dann wohl doch nicht: für die Erhöhung des Bierpreises verantwortlich sein. Allerdings steht die nächste planmäßige Sitzung erst am Vortag der Annakirmes an. Dann könnte es bereits zu spät sein.

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