Annamarkt mit Kaiserbesuch: Düren spielt und feiert drei Tage die eigene Geschichte

Annamarkt mit Kaiserbesuch : Düren spielt und feiert drei Tage die eigene Geschichte

Was ist bloß mit dem Volk los? Will einfach nicht spontan in Jubel ausbrechen, wenn der Bürgermeister die Bühne betritt. Zum Glück für die Dürener Obrigkeit schrieb die Stadt drei Tage lang das Jahr 1501 – und feierte mit dem Historischen Annamarkt ein Stück der eigenen Stadtgeschichte.

Besonders praktisch an der Zeitreise: Im Herbst des Mittelalters war es viel einfacher, das gemeine Volk in Ekstase zu versetzen. Sollten die „Jubel!“-Rufe des Herolds als Motivation nicht reichen, stand vorsorglich noch eine Kompanie bewaffneter Landsknechte zur Verfügung. Dieses Instrument wurde jedoch am Wochenende in der Innenstadt nicht angeschlagen. Schließlich waren die Besucher des Historienfestes zu Tausenden aus freien Stücken nach „Villa Duria“ gekommen, um sich das Markttreiben anzuschauen.

So bunt kann Stadtgeschichte sein: Die Mitglieder des „Zirkus Meer“ begeistern mit Akrobatik. Foto: ZVA/Stephan Johnen

Innerhalb einer Nacht hatte sich das Stadtbild verändert, schossen Zelte und Tavernen aus dem Boden, Landsknechte schlugen im Holzbendenpark ihr Lager auf, Gaukler bespaßten die Bürger beim Einkaufsbummel, Musiker zogen mit Dudelsack und Harfe durch die Straßen, es gab Theater, Gesang und Met. Auftakt war am Freitagabend ein Renaissance-Konzert der Gruppe Orichalcum auf dem Ahrweilerplatz.

Ein Beschluss des Papstes

Der Annamarkt erinnert daran, wie im Jahr 1501 auf abenteuerliche Weise – man könnte auch Diebstahl sagen – die Reliquie des Hauptes der heiligen Mutter Anna aus Mainz nach Düren gelangte und eine politische Krise zwischen den Städten auslöste. Erst ein Beschluss des Papstes regelte, dass die Reliquie in Düren bleiben durfte. Die Stadt wurde zu einem europaweit bedeutenden Wallfahrtsort. Zu den Pilgern zählte im Jahr 1531 auch Kaiser Karl V.

„Ernas Erben“ und die Dürener Theaterwerkstatt öffneten mit ihren „lebenden Bildern“ Fenster in die Vergangenheit. Foto: ZVA/Stephan Johnen

Kaum verwunderlich also, dass der Höhepunkt des Marktes am Sonntag ein Festzug zu Ehren des Kaisers durch die Stadt zum Rathaus war, an dem sich auch viele Dürener Gruppen und Vereine in mittelalterlichen Gewandungen beteiligten. Gespielt wurde Karl V. von einem echten Prinzen: Albert-Henri de Merode übernahm die Rolle des spätmittelalterlichen Herrschers.

Wie in den vergangenen Auflagen lebte der vom Verein „Arbeitsgemeinschaft Dürener Historienfeste“ und der Stadt Düren seit 18 Jahren organisierte Annamarkt von einer bunten Mischung aus nachgespielter Stadtgeschichte, Markttreiben und Aufführungen wie unter anderem den „Lebenden Bildern“, die Dürener Persönlichkeiten und Geschehnisse aus der Zeit lebendig werden ließen, und Mitmach-Aktionen wie dem Scriptorium der Stadtmauer AG des Stiftischen Gymnasiums. Während die Bühne auf dem Marktplatz von Gauklern und Akrobaten bevölkert wurde, präsentierten sich viele Dürener Vereine und Institutionen auf dem Ahrweilerplatz.

Landsknechte hatten im Holzbendenpark ihr Quartier aufgeschlagen. Foto: ZVA/Stephan Johnen

Erstmals zu Gast waren die Mitglieder des „Zirkus Meer“, die mit ihren ebenso akrobatischen wie poetischen Aufführungen den vor 500 Jahren verstorbenen Leonardo da Vinci und seine Erfindungen in den Mittelpunkt stellten und die Zuschauer am Samstagabend mit einer fantastischen Feuershow verzauberten. Etwas schade war am Wochenende für alle Künstler und Akteure, dass manche Aufführungen im Trubel etwas untergingen. Mikrofone waren jedoch um 1500 noch nicht erfunden. Zum Glück jedoch Sonnenhüte und Regenumhänge – das Wetter hatte es zum Teil in sich.

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