Düren: Düren lädt zur Närrischen Akademie mit „Lehrer Welsch“ ein

Düren : Düren lädt zur Närrischen Akademie mit „Lehrer Welsch“ ein

Ist es Bildungshunger oder doch eher Bildungsrückstau? Oder gibt es in Düren einfach unglaublich viele Langzeit-Studenten? Die Karnevalsgesellschaft „Närrische Nord Dürener“ hatte am Sonntag zur 14. Närrischen Akademie eingeladen, und auch diesmal war das Haus der Stadt wieder ausverkauft.

Als „Lehrer Welsch“ hatte Professor Herbert Schmidt, Präsident der „Närrischen Nord Dürener“, Heribert Malchers aus Köln eingeladen. Der 70-Jährige war 25 Jahre lang Intendant des berühmten „Hänneschen-Theaters“. Und das ist aus Sicht des Redners das „erfolgreichste Theater Deutschlands“. „Wir waren 25 Jahre lang bei jeder Vorstellung ausverkauft“, erklärte Malchers dem Dürener Publikum. „Und das sind immerhin 280 Vorstellungen pro Jahr mit jeweils 300 Zuschauern. Das ist nicht wenig.“

Intendant des „Hänneschen-Theaters“, sagt Malchers, werde man nicht „einfach so“. „Auf diese Aufgabe wird man sein ganzes Leben lang hingeführt.“ Er selbst hat bereits mit fünf Jahren sein erstes Kasperltheater bekommen, mit dem er für die Nachbarskinder Vorstellungen gegeben hat. Als Kind hat er bei Märchenaufführungen mitgespielt, hatte trotz Jura-Studium Engagements am Schauspielhaus Düsseldorf und später am Kölner Millowitsch-Theater, bevor er als Regisseur beim WDR und später eben als Intendant des „Hänneschen-Theaters“ gearbeitet hat.

„Als Intendant“, sagt Malchers schmunzelnd, „ist man Manager, Personalchef, schreibt Stücke, inszeniert und spielt auch manchmal selbst mit.“ Vor allem immer dann, wenn Schauspieler krank sind. Malchers: „Die Ansteckungsgefahr war bei uns hinter der Bühne sehr groß. Einfach, weil 25 Menschen auf allerengstem Raum miteinander gearbeitet haben.“

Malchers erzählte in Düren von den Ursprüngen des Puppentheaters aus dem Jahr 1802, als es mit einem Krippenspiel losgegangen ist. Es ging aber auch um die Gegenwart des Theaters und vor allen Dingen hatte der Ex-Intendant, der mittlerweile in Köln eine Kneipe betreibt, eine Fülle von Anekdoten aus seiner Zeit als Theaterchef im Gepäck.

Eine Rede vom „Pedell“

Wie immer war der Präsident der „Närrischen Nord Dürener“ und Ideengeber der Akademie, Professor Herbert Schmidt, der Pedell, also der Hausmeister, der Dürener Karnevals-Hochschule. Neben Kabarettistin Anne Vogd, dem Duo „Sakkokolonia“, der Kindertanzgruppe der Kölner Karnevalsgesellschaft „Kölsch Hänneschen“ und der „Nordtstadtmösche“ hatte Schmidt am Sonntag noch einmal eine Rede für die „Närrische Akademie“ vorbereitet.

Dabei ging es vor allen Dingen um Düren, um Politik und Verwaltung („Der Bürgermeister ist der einzige Meister in ganz Deutschland ohne entsprechende Ausbildung.“), um Stadtmarketing und den „1. FC Bayern-Düren“ sowie um eine Dürener Bundesregierung, weil Angela Merkel und ihre Mitstreiter sich mit der Regierungsbildung im Augenblick schwer tun.

Die Aufgabe des Bundeskanzlers würde der Pedell dabei übrigens selbst übernehmen („Wir brauchen ein bisschen Martin Schulz in der Regierung, und ich habe schließlich auch Würselener Wurzeln“), für Bürgermeister Paul Larue (CDU) hatte er den Job als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz vorgesehen („Vielleicht klappt es ja dann endlich mit der Abschaffung des Zölibats.“).

Übrigens können alle, die nach Semester 27 und 28 der Närrischen Akademie immer noch nicht genug haben, aufatmen. Es wird auch im kommenden Jahr wieder eine jecke Uni in Düren geben. Spannende Themen für Semester 29 und 30 fallen Herbert Schmidt jedenfalls noch genug ein. „Karneval und Politik“ würde ihm gefallen, genauso wie „Karneval und Funktionäre“.

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